Referent Matthias Bartscher gibt in Martfeld ein Führungskräftetraining

„Die Eltern sind die Chefs!“

Referent Matthias Bartscher bezog bei seinem Vortrag in Martfeld die anwesenden Eltern mit ein. Foto: Marion Thiermann

Martfeld - Von Marion Thiermann. „Was können wir aus der Personalentwicklung für die Erziehung unserer Kinder lernen?“ Diese Frage stand kürzlich bei einem Themenelternabend in der Außenstelle des Martfelder Kindergartens „Abenteuerland“ im Mittelpunkt. Dort begrüßte die stellvertretende Kindergartenleiterin Sarah Linde neben dem Referenten Matthias Bartscher auch rund 40 Zuhörer.

Bartscher machte auf seiner Vortragstour neben Berlin und Plön auch Halt im ländlichen Martfeld. Wie passend, ist er doch selbst in der Provinz, Delbrück in Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen. Bartscher ist seit 1983 in der Jugendarbeit tätig, selbst Vater von drei Kindern, arbeitet beim Jugendamt, leitet seit 2008 eine Beratungsstelle und ist freiberuflich mit diversen Vortragsthemen unterwegs.

In Fortbildungen für Führungskräfte werde laut ihm oft das Thema Kindererziehung als Beispiel genannt. Und tatsächlich sei der Unterschied zwischen einem Chef und Eltern gar nicht so groß, denn Eltern, vor allem Mütter, führen ein „Familienunternehmen“. Kinder müssten von Geburt an durchs Leben „geführt“ werden.

In seinem Vortrag bezog Bartscher die anwesenden Eltern mit ein, stellte zum Beispiel die Frage: „Was wünschen Sie sich von Ihrem Chef?“ Darauf antworteten die Gäste: Menschlichkeit, die Waage zwischen Empathie und klaren Entscheidungen, Fairness, Lob und keine Bevorzugung beziehungsweise Ausgrenzung. „Genau so ist es in einer Familie auch“, stellte der Referent klar. Der Unterschied sei, dass noch Emotionen und Körperkontakt wie Umarmungen hinzukämen. Wichtig im „Familienunternehmen“ sei die Hierarchie. Dem Kind müsse klar sein, dass die Eltern das Sagen haben.

In Firmen werde erwartet, dass Mitarbeiter selbstständig arbeiten. Auch in diesem Fall gebe es wenig Unterschiede zum Familienleben, denn auch Kinder müssen selbstständig werden. In Grundschulen zum Beispiel werde unter anderem erwartet, dass Kinder zuhören können, sich an Regeln halten, Anweisungen verstehen und ausführen sowie sich selbstständig an- und ausziehen können.

Als weiteres Beispiel nannte der Referent das Packen und Tragen einer Tasche, ob für den Sport oder den Kindergarten. Die Eltern gaben zu, dass sie viel zu oft nachgeben und, um beim Beispiel der Tasche zu bleiben, diese häufig für das Kind tragen würden, um Konflikten und Diskussionen aus dem Weg zu gehen.

Zu Hause zu helfen, wie die Spülmaschine ausräumen, sei für Kinder beim ersten Mal ein Abenteuer, danach werde es langweilig. Die Eltern seien gefragt, das Kind zu coachen, um die Anstrengungsbereitschaft aufrecht zu erhalten, die in der Schule sowie im weiteren Leben wichtig sei. „Es geht nicht um Perfektionismus. Gucken Sie selbst, wo Sie Ihr Kind unterfordern, was zumutbar ist und setzen Sie nie mehr als drei Ziele gleichzeitig“, erklärte Bartscher.

Was passiert, wenn das Kind nicht macht, was es soll? Eine Mutter erzählte, dass ihr Kind sich morgens nie anziehen wolle und sie es einmal im Schlafanzug in den Kindergarten gebracht habe. Eine weitere Erziehungsberechtigte erläuterte, dass sie 20 Minuten hinter ihrem Kind hergelaufen sei, bis es den Gegenstand, den es zuvor weggeworfen hatte, aufgehoben habe. Die Kinder hätten in den Situationen gemerkt, dass sie mit ihrem Willen nicht durchkommen. Warnungen sollten Eltern laut dem Referenten zwar durchsetzen, doch er fügte an: „Passen Sie auf, was Sie aussprechen. Es muss durchführbar sein und man will sein Kind ja auch nicht verletzen“.

Neben dem „Führen der Ziele“ sei aber auch ein „Feedback“ wichtig: wenig Kritik, viel Lob. Dabei sollten die Eltern nicht nur sagen „gut gemacht“, sondern auch beschreiben, was sie wahrnehmen. Viel Loben ohne das Kind dabei zu bewerten, rege es an, weiterzumachen.

Weiterhin sprach Bartscher über die Partizipation, also die Teilhabe des Kindes. Diese sei ein Wachstumsprozess. Das zeigte er anhand von Skizzen – von der Geburt bis ins Kleinkindalter gebe es die „Kontrolle“. Dann komme mehr und mehr die „Selbstständigkeit“ dazu. Zuerst entscheiden die Eltern für das Kind, das dann Stück für Stück immer mehr mit in Entscheidungen einbezogen werde. Die Meinung des Nachwuchses spiele eine Rolle, zum Beispiel beim Urlaubsziel. Dann bestimmen Kind und Eltern gemeinsam, zum Beispiel bei der Wahl der weiterführenden Schule. Anschließend käme die Stufe, in der das Kind etwas festlege, aber um Rat fragen müsse und zum Schluss, mit 18 Jahren, entscheide es schließlich allein. „Es klappt nicht immer perfekt, aber auch das gehört dazu. Wichtig ist, dass das Kind begriffen hat, dass die Eltern die Chefs sind!“, sagte Bartscher.

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