Auswirkungen der Pandemie

Krise schränkt Saison ein: Museumsbahn kämpft mit erheblichem Einnahmeverlust

Im Winter bereitet sich die Museumsbahn auf die Fahrsaison vor. Die Corona-Schutzmaßnahmen schränken das allerdings erheblich ein. Die Mitglieder sind froh, den Baumschnitt entlang der Strecke erledigen zu dürfen.
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Im Winter bereitet sich die Museumsbahn auf die Fahrsaison vor. Die Corona-Schutzmaßnahmen schränken das allerdings erheblich ein. Die Mitglieder sind froh, den Baumschnitt entlang der Strecke erledigen zu dürfen.

Br.-Vilsen – Nicht nur Gleisbau und -pflege gehören zu den Aufgaben des Deutschen Eisenbahnvereins (DEV). Seine Mitglieder sorgen auch dafür, dass die historischen Wagen während der Fahrt zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf nicht von Bäumen und Sträuchern beschädigt werden. Ein halbes Dutzend Aktive hat damit begonnen, „die Strecke freizuschneiden“, wie sie sagen. Sie geben die Hoffnung nicht auf, dass die Museumsbahn im Mai wieder unterwegs sein darf. Darauf wollen sie vorbereitet sein. Nicht nur, weil sie selbst so gerne Zug fahren.

  • Der Deutschen Eisenbahnvereins befreien die Strecke der Museumsbahn derzeit von Bäumen und Sträuchern.
  • Die Corona-Pandemie und der eingeschränkte Fahrbetrieb führte zu erheblichen Einnahmeverlusten.
  • Der Eisenbahnverein gibt die Hoffnung jedoch nicht auf, dass die Museumsbahn im Mai wieder fahren darf.

Der Fahrgastbetrieb zwischen Mai und Oktober ist eine, wenn nicht die wichtigste Einnahmequelle des Vereins, der das Niedersächsische Kleinbahnmuseum betreibt. Um etwa 60 Prozent seien die Fahrgeldeinnahmen in der vergangenen, durch Corona stark verkürzten und eingeschränkten Saison, zurückgegangen, teilt der Vorstand seinen Mitgliedern über die Fachzeitschrift „Die Museums-Eisenbahn“ (Ausgabe 4/2020) mit.

Gleichzeitig seien im Bahnhofsbüro aber Rechnungen eingegangen für Aufträge aus der Zeit „lange vor der Pandemie“. „Auch die monatlichen Fixkosten laufen weiter“, erinnert der Vorsitzende Wolf-Jobst Siedler.

So sehr der Verein mit der Entscheidung gehadert hatte, den Betrieb unter Corona-Bedingungen ab Pfingsten wieder aufzunehmen, so richtig sei sie unter wirtschaftlichen Aspekten gewesen, rechtfertigt der Vorstand zum Saisonabschluss. „Nach schwachen ersten Wochen konnte einigermaßen verlässlich ein Überschuss über die reinen Bahnbetriebskosten hinaus erwirtschaftet werden“, teilt der Vorstand mit. Durchschnittlich habe sich dieser pro Wochenende im „kleinen dreistelligen Bereich“ bewegt.

Eisenbahnverein erhält großzügige Spenden und zinslose Darlehen - 50.000 Euro für Restaurierungsprojekt

300, 400 vielleicht 500 Euro Plus aus sechs Planzügen an zwei Tagen – Mitglieder aus ganz Deutschland nehmen Woche für Woche weite Wege auf sich, um mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz als Lokführer, Heizer oder Schaffner Einnahmen zu akquirieren, aus denen die Reparatur und Instandsetzung historischer Eisenbahnfahrzeuge in der eigenen Werkstatt finanziert werden kann.

Allein für „herausragende Restaurierungsprojekt Wagen 7“, so Siedler, erwarte der Vorstand in den kommenden Wochen größere Zahlungen in der Dimension von mehr als 50 000 Euro. So erfreulich das Minimum an Einnahmen auch sei, es glätte die Sorgenfalten auf der Stirn des Schatzmeisters nur bedingt, bewertet der Vorstand in schönen Worten die missliche Lage.

„Glücklicherweise haben etliche Gönner und Förderer, innerhalb und außerhalb des DEV, dem Verein und damit der Museumseisenbahn mit Spenden und zinslosen Darlehen großzügig geholfen“, informiert der Vorstand seine Mitglieder. Wie schon bei anderen Großprojekten, appelliert der Vorstand nach der ungeplant schwachen Saison 2020 jedoch weiterhin „an die Großzügigkeit“ von Mitgliedern und Eisenbahnfreunden und ruft zu weiteren Spenden auf.

Mitglieder des Eisenbahnvereins verrichten Bauschnittmaßnahmen im Vilser Holz

Die Motivation unter den Mitgliedern, rund um das Bahnhofsgelände in Bruchhausen-Vilsen anzupacken, ist hoch. Die Einschränkungen, die der Gesetzgeber derzeit wieder für den Umgang miteinander macht, schränkt den Handlungsspielraum allerdings erheblich ein.

Nur eine Handvoll Menschen dürfen gleichzeitig in der Werkstatthalle arbeiten, für die Baumschnittmaßnahmen an der frischen Luft finden sich daher jetzt genug Freiwillige, die für ihren Verein anpacken wollen. Meter um Meter bewegt sich der Tross durch das Vilser Holz. An welchen Ästen und Bäumen die Säge ansetzt, legte eine Kommission vor dem Einsatz fest.

Ende Februar findet traditionell das sogenannte Winter-Meeting statt. Für eine Woche quartieren sich die Handwerker unter den Mitgliedern im Ort ein, um in einer Gemeinschaftsaktion die Fahrzeuge für die Saison vorzubereiten. Ein Termin dafür steht fest, für eine corona-konforme Umsetzung sind bereits alle organisatorischen Vorkehrungen getroffen. Ob dieser für den Ablauf so wichtige Arbeitseinsatz stattfinden kann, sei dennoch offen, bereitet der Vorstand des Eisenbahnvereins seine Mitglieder auf einen erneut holprigen Start ins 57. Jahr des Bestehens vor.

Von Anne-katrin Schwarze

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