Fahrplan in der Pandemie

Eisenbahnverein ist optimistisch: „Ostern könnte es losgehen“

Der TÜV hat den Kessel der Lok „Plettenberg“ abgenommen. Die Bauteile vor der Lok sind nicht etwa übrig geblieben, sie gehören zu einem anderen Fahrzeug.
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Der TÜV hat den Kessel der Lok „Plettenberg“ abgenommen. Die Bauteile vor der Lok sind nicht etwa übrig geblieben, sie gehören zu einem anderen Fahrzeug.

Br.-Vilsen – Was wird aus der Saison 2021? Wer diese Frage verbindlich beantworten könnte, hätte ausgesorgt. Alle, die in der Samtgemeinde Bruchhauen-Vilsen mit Tourismus zu tun haben, haben die Hoffnung (noch) nicht aufgegeben. Von Kurkonzerten bis Gästeführungen ist erst einmal alles vorbereitet, Einheimische und Gäste zu unterhalten und ihnen etwas zu bieten.

Auch der wohl stärkste Publikumsmagnet ist bereit. „Die Museumseisenbahn bleibt optimistisch und plant, ihren Fahrbetrieb am 1. Mai wie gewohnt aufzunehmen“, sagt Pressesprecher Martin Thies im Gespräch mit der Kreiszeitung.

„Zwangsläufig“, fügt er als Stimme des Deutschen Eisenbahn-Vereins (DEV) hinzu. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben dem Verein im vergangenen Jahr ein Einnahmeminus von 60 Prozent eingebrockt.

Um aus dem Standbein Fahrkartenverkauf das Möglichste rauszuholen, hat der Verein einen Fahrplan aufgestellt, der mit Sonderzügen, Sonderfahrten und Sonderfahrtagen allen entgegenkommen will, die endlich wieder etwas unternehmen möchten. „Der Betrieb unter Corona-Schutzmaßnahmen ist eingespielt, unser Konzept trägt“, sagt Martin Thies. Los gehen kann es aus Sicht des DEV mit einem dreitägigen Sonderfahrplan über Ostern (siehe Kasten).

Da man den betagten Fuhrpark nicht mal eben aus dem Winterquartier im Lokschuppen holen und losfahren kann, herrscht dort in der dunklen Jahreszeit Betrieb – deutlich weniger als üblicherweise, aber so viel, wie unter Corona-Bedingungen möglich ist, um Loks und Wagen einsatzbereit zu halten.

Ein Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf dem Buffetwagen, zeigt sich bei einem Rundgang mit Martin Thies. Der bisher eingesetzte wurde verkauft. Der Wagen Nummer 7 soll sein stilechter Nachfolger werden. „Wenn er fertig ist, dann passt er besser ins Zugbild als der Alte“, erklärt Thies. Durch die vielen Pandemie-bedingten Einschränkungen wird er jedoch nicht wie geplant zur Saison fertig. In der Werkstatthalle in Broksen steht bisher nur der Stahlrahmen, das Fahrwerk. Vom Holz-Aufbau keine Spur. „Er wird in einer Tischlerei in Zwönitz in Sachsen gebaut“, lüftet Thies das Geheimnis.

Die Lieferung war Ende 2020 geplant. Aber auch jetzt steht er noch im Erzgebirge. „Unser Zeitplan war ohnehin sportlich, aber unter diesen Umständen müssen wir davon ausgehen, dass wir auch in diesem Jahr noch einmal improvisieren müssen“, so Thies. Für Bewirtung wird gesorgt, verspricht er, wenn auch nicht ganz so stilecht wie gedacht.

Auf diesen Stahlrahmen wird der fertige Aufbau aufgesetzt. Wenn alle Puzzleteile passen, soll dies der neue Buffetwagen werden.

Eine weitere Baustelle habe sich glücklicherweise nicht als Sorgenkind herausgestellt: „Bei der TÜV-Untersuchung der Lok ,Plettenberg‘ zeigte sich, dass der Kessel innen gut ist“, teilt Martin Thies mit. Ein defekter Kessel hätte die Lok viele Jahre stillgelegt. „Eine Reparatur oder sogar ein Kesselneubau sind finanziell aktuell nicht möglich“, führt Martin Thies aus. Da aber neue Kesselrohre einzubauen sind, bleibt die Kastenlok in dieser Saison in der Werkstatt.

Zum Einsatz kommen, wie im Vorjahr, die Dampflokomotiven „Hoya“ und „Hermann“. Sie sollen den überwiegenden Anteil der Fahrten bestreiten. „Mit der Lok ,Hoya‘ verbindet uns eine 120-jährige Geschichte: Sie kam zur Eröffnung der Kleinbahnstrecke erstmals zum Einsatz“, erinnert Martin Thies. Die „Spreewald“ hingegen ist „auf Urlaub“ im Sauerland. Bei der Märkischen Museumseisenbahn hilft sie in dieser Saison aus und bekommt dafür dort die TÜV-Abnahme.

Die Osterfahrten sind so beliebt, dass der Verein sie in diesem Jahr an drei Tagen anbietet. Die Mitglieder sind optimistisch, dass sie fahren dürfen.

Nach Baumschnittmaßnahmen an der Strecke gehört die Aufmerksamkeit derzeit den Bremsuntersuchungen. Zwischen zehn und 30 Vereinsmitglieder kommen vor allem an den Wochenenden in der Halle am Bahnhof zusammen. „Alles natürlich coronakonform“, betont Martin Thies. Unter normalen Bedingungen „treffen sich hier Jung und Alt“, sagt der DEV-Pressesprecher. Teilweise bringen Väter ihre Söhne mit und arbeiten gemeinsam in den Hallen. „Trotzdem sind wir kein reiner Männerclub“, betont Martin Thies. Das vermutlich bekannteste weibliche Mitglied ist Insa Drechsler-Konukiewitz. Sie ist Lokführerin und ehemalige Vorsitzende.

Neben dem Schrauben ist Detektivarbeit ein nicht zu unterschätzender Bestandteil der Arbeit. Für die vielen, über 100 Jahre alten Schmuckstücke gibt es oft keine Zeichnungen mehr. Dann müssen die Maße bei Loks aus einer gleichen Baureihe genommen werden – sofern es sie noch gibt. Oder es muss in alten Büchern nach Anhaltspunkten gesucht werden. Ein Beispiel dieser Detektivarbeit ist die Mallet-Dampflok. Wann sie die Werkhallen unter Dampf verlassen wird, steht noch in den Sternen.

Ebenso wie die Frage, wie die Saison laufen wird. Der Eisenbahnverein geht jedoch davon aus, dass ein Betrieb, wenn auch mit Einschränkungen, möglich sein wird. „Fest steht hingegen, dass die Fahrgäste der Museums-Eisenbahn nicht tiefer in die Tasche greifen müssen“, sagt Martin Thies. Die Fahrpreise für Erwachsene sind mit elf Euro für eine Rückfahrkarte unverändert, Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren zahlen die Hälfte, Familienfahrkarten gibt es für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren für 25 Euro. Beim Fahrkartenverkauf setzt der Verein auf das im Vorjahr eingeführte kontaktlose Prinzip. Nur Restkarten gibt es am Schalter oder – falls eine Öffnung möglich ist – beim Tourismus-Service in Bruchhausen-Vilsen.

Fahrscheine

www.tickets-museumseisenbahn.de oder www.nordwesttickets.de.

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