Eine meisterhafte Leistung

„Bremer Akkordeon-Ensemble“ adaptiert die Orgel auf höchstem Niveau

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Peter Zanetti dirigierte das Bremer Akkordeon-Ensemble in der St.-Bartholomäus-Kirche in Broksen.

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. Die klangliche Imposanz einer Orgel erscholl an ungewohntem Ort, innerhalb der Brokser Kirchenmauern zwar, doch aus dem Altarraum, der als Konzertbühne diente. Dorthin war die Königin der Instrumente aber nicht etwa verpflanzt worden.

Das „Bremer Akkordeon-Ensemble“ war es vielmehr, das die majestätische und zugleich wuchtige Tonvielfalt des angestammten Kircheninstruments adaptierte. Und von keinem Geringeren als Johann Sebastian Bach (1685-1750) stammte der überwiegende Teil des Programms von höchstem Niveau, das die 14 Akkordeonisten aus Bremen unter der Leitung von Peter Zanetti kürzlich in der St.-Bartholomäus-Kirche in Bruchhausen entfalteten.

„Wir erzielen das Klangspektrum der Orgel durch die Registerschaltungen der Akkordeons“, erläuterte Zanetti. Die Instrumente der Spieler sind überwiegend gleich und kommen ohne eine Verstärkeranlage aus. Welche machtvolle Klangfülle ein solches Orchester in „Natur pur“ entwickelt, zeigte das begeisternde Konzert am Samstagnachmittag in der Kirche. Lediglich die beiden Bass-Akkordeons der Formation wurden über eine Anlage „angehoben“, um die Lautstärke zu erreichen, die die zwölf normalen Akkordeons mühelos ohne Mikrofone und Lautsprecherboxen erzielten.

Eine Ausnahmeerscheinung

Auch optisch sind die Bass-Akkordeons im Gesamtbild des Orchesters Ausnahmeerscheinungen, verfügen sie doch nur über eine Diskantseite. Dabei ist die Tonlage allerdings wesentlich tiefer als beim normalen Akkordeon. Ihren hauptsächlichen Verwendungszweck im Akkordeonorchester dokumentierten die beiden Bass-Akkordeons während des Konzerts in der St.-Bartholomäus-Kirche auf eindrucksvolle Weise, indem sie ein sonores Fundament lieferten. Darüber brillierten die Musikerinnen und Musiker mit Melodielinien von Pianissimo (sehr leise) bis Fortissimo (sehr laut).

„Von Bach inspiriert“, hieß das einstündige Konzertprogramm des Bremer Akkordeon-Ensembles. Es begann mit Johann Sebastian Bachs Sammlung kunstvoller Choralbearbeitungen, dem „Präludium Es-Dur“. Dirigent Peter Zanetti schilderte den Zuhörern das Wesentliche der dargebotenen Musikstücke. Als Zweites folgte die „Aria e Toccata“ von Hans Boll (1924-2016) mit hörbaren Anklängen an Bachs Toccata, Bach-Werke-Verzeichnis, BWV 565. Vom berühmten einstigen Thomaskantor selbst stammte wieder die darauffolgende „Air aus der Orchestersuite Nr. 3“. Durch ihre ausdrucksstarke Melodie wurde deutlich, dass es sich um ein instrumentales Gesangsstück handelt.

Meisterhafte Leistung

Es folgte ein Werk von Zbigniew Bargielski (*1937), Variationen über ein Thema von Händel, die „Grazer Variationen“, bestechend mit Kontrasten aus filigranen Tonfolgen und klangvollen Ketten aus gebrochenen Akkorden. Dem sich anschließenden „Präludium c-Moll“ von Hermann Zilcher (1881-1948) folgte Johann Sebastian Bachs „Passacaglia c-Moll, BWV 582“, die als Höhepunkt und zugleich als Endpunkt barocker Kompositionskunst gilt.

Wolfgang Jacobi (1894-1972) komponierte die „Sinfonische Suite“, aus dem das Akkordeon-Ensemble den dritten Satz, das „Arioso“, spielte. Den klangmächtigen Abschluss des Konzerts in der St.-Bartholomäus-Kirche bildete Bachs „Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565“. Das außergewöhnliche Hörerlebnis, das die Bremer Akkordeonisten in Broksen servierten, genoss zwar nur eine überschaubare Zahl von Zuhörern, doch sie spendeten dem Ensemble für seine meisterhafte Leistung umso beherzteren Applaus.

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