Eine Heimat für Stichlinge und Forellen

Calle in Asendorf auf 400 Metern renaturier

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Sind mit dem Ergebnis zufrieden: (von links) Anwohner Christof Stegemann-Auhage, Dirk Fiddelke vom Heimatverein, Heinfried Köster und Hartmut Zacharias vom Nabu, Anwohner Arndt-Jürgen Stegemann-Auhage und Hermann Morische vom Kreisverband für Wasserwirtschaft. 

Asendorf - Landeigentümer, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der Heimatverein Asendorf sowie der Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband „Meerbach und Führse“ haben gemeinsam in Asendorf eine Idylle geschaffen: Sie renaturierten auf rund 400 Metern Länge die Calle. Das teilt Birgit Hillmann vom Kreisverband für Wasserwirtschaft in Nienburg-Erichshagen, dem der Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband angehört, mit.

Wer der Straße Am Kirchplatz folgt, der kommt an einigen urigen Bauernhöfen vorbei und findet sich unvermittelt am Rand eines Tals wieder, das Hillmann als „erstaunlich tief“ bezeichnet. An einem Hang weiden Pferde, auf der anderen Seite stehen mächtige Eichen. Es gibt sogar einen plätschernden Bach, der die Idylle perfekt macht – wieder. Denn dieses Bächlein, die Calle, sah vor gar nicht langer Zeit noch ganz anders aus: Wo sich der Bach jetzt mäandernd durch den Talgrund schlängelt, verlief bis vor Kurzem ein schnurgerader „Kanal“.

„In ein paar Wochen wurde durch die Renaturierung rückgängig gemacht, was in den 1930er-Jahren Monate dauerte: Um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, wurden Gewässer wie die Calle damals kanalisiert“, erklärt Hillmann. Ältere Mitglieder des Heimatvereins kennen die Geschichten noch von ihren Eltern. Damals, sagen sie, wohnten in den seinerzeit allgegenwärtigen Dorfgasthäusern Arbeitslose aus Berlin, die kleine Bäche in monatelanger Handarbeit in ein künstliches Bett zwangen.

Ein kleiner ökologischer Schatz

Initiator der jetzigen Renaturierung war Hartmut Zacharias vom Nabu-Stützpunkt Asendorf. Das idyllische Tal bot sich für ein solches Projekt an, zumal auf der einen Seite ein Wanderweg verläuft und der Heimatverein längs des Bachs Kopfweiden gepflanzt hat, die er pflegt – für sich genommen schon ein kleiner ökologischer Schatz.

Nach ersten Gesprächen mit den Anliegern sowie dem Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband „Meerbach und Führse“ wurde man sich einig. Einen Antrag zur Finanzierung durch Landesmittel („Förderung von Kleinmaßnahmen an Fließgewässern“) stellte der Nabu – mit Erfolg: Das Land beteiligte sich an dem 15 000-Euro-Projekt. Die Planung übernahm der Kreisverband für Wasserwirtschaft. „So eine Maßnahme ist ganz im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie der EU“, sagt Hermann Morische, Abteilungsleiter Gewässerunterhaltung beim Kreisverband. „Die Richtlinie fordert das Erreichen eines guten Gewässerzustands; gerade mit Blick auf die Ökologie.“

Früher stank es dort nach Blut und Milch

Um die war es vor einigen Jahrzehnten noch ganz schlecht bestellt, erinnern sich Anwohner wie Christof Stegemann-Auhage: „Als Kind“, sagt er, „durften wir hier nicht spielen, denn montags stank man nach Blut und donnerstags nach Milch.“ Der Grund: Schlachthof und Molkerei nutzten die Calle früher als Abwasserkanal.

Die Wasserqualität ist nach den Worten von Heinfried Köster vom Nabu inzwischen „in Ordnung“. „Es werden sich viele Vögel im Uferbereich ansiedeln“, ist er überzeugt. „Am teilweise kiesigen Gewässergrund können kleine Organismen leben, die die Lebensgrundlage für Fische wie beispielsweise Elritzen, Moderlieschen und Stichlinge sind. Wir haben aber auch schon eine Forelle gesehen.“

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