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Pressewart, Wettbewerber und Schiedsrichter: Cord Brinker scheidet nach 47 Jahren aus dem Feuerwehrdienst aus

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Feuerwehrmann im Fernseh-Interview
Cord Brinker vor der (Fernseh-)Kamera: Eine Aufnahme mit Seltenheitswert. Als Pressewart liefert er für gewöhnlich die Bilder für die Medien. © Kai Moorschlatt

Samtgemeinde – Manch einer kann stolz sein auf seine sprichwörtlich weiße Weste. Cord Brinker trägt eine real existierende grüne. Mit Stolz. Das grüne Tuch hat ihn schon ins öffentlich-rechtliche Fernsehen gebracht. Es weist ihn als Pressesprecher der Feuerwehr aus. Heute, an seinem 67. Geburtstag, muss er sein Erkennungszeichen weiterreichen. Seit 2018 bereits Rentner im Arbeitsleben, erreicht er nun die Altersgrenze für den aktiven Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr.

Den Lesern der Kreiszeitung ist der Name Cord Brinker seit Jahrzehnten vertraut. Seit 1992 für die Ortsfeuerwehr Asendorf, seit 2010 dann für die Gemeindefeuerwehr mit ihren zehn Ortsfeuerwehren, ist er der Mann für alles, was die Feuerwehren in der Samtgemeinde an die Öffentlichkeit zu bringen haben. Nicht immer sind das gute Nachrichten.

Cord Brinker hat viel Leid gesehen. Tödlich verunglückte Menschen, Menschen, die bei einem Brand alles verloren haben. Oft als einer der Ersten an der Unglücksstelle, dokumentiert er das Geschehen von Anfang an. Seine hochwertigen Fotos geben den Lesern einen Eindruck vom Einsatzgeschehen. Ohne sie zu Voyeuren zu machen. Die Redaktion kann sich darauf verlassen, dass er die Würde eines Verletzten oder Toten, das Privateigentum unverschuldet in Not Gekommener so schützt, wie der Kodex es vorsieht. Ihm gelingt der Spagat, aus erster Hand zu informieren, ohne unangebrachte Neugier zu bedienen.

Die Archive der Ortsfeuerwehren aber hat er gefüllt mit Aufnahmen, die alle Seiten der Geschichte in Bildern festhält. Seine Fotos sind anschauliche Materialien für Einsatznachbesprechungen und Ausbildung.

„In Sachen Foto war ich immer schon gut aufgestellt“, erzählt „Kuddel“ Brinker, wie er zu seinem Ehrenamt kam. 1985, als die Asendorfer Frauen bei der Feuerwehr-Olympiade Gold in Österreich holten, „hatte ich eine von insgesamt nur vier Videokameras auf dem Platz“, plaudert er. Technisch auf dem neuesten Stand zu sein, ist eine seiner Leidenschaften. Als gelernter Fernmeldehandwerker und später Vertriebler bei der Telekom liegt das nahe. Sein Arbeitgeber habe ihm ermöglicht, auch die jeweils neuesten Wege der Datenübertragung zu nutzen. Aus Finnland hat Brinker 2001 erstmals digitale Pressefotos nach Hause übermittelt. 5 000 Euro an Verbindungskosten wären seinerzeit fällig gewesen, hätte er Berufliches und Privates nicht verbinden können.

In Finnland, Österreich, Dänemark, Kroatien, Tschechien, Frankreich und Slowenien war Cord Brinker aber in erster Linie nicht als Berichterstatter, sondern als Teilnehmer. Seit 1960 beteiligt sich die Ortsfeuerwehr Asendorf an den sogenannten Internationalen Wettbewerben, einer Leistungsschau an Schnelligkeit und Präzision. Seit Eintritt in die Feuerwehr 1975 als 20-Jähriger war er selbst Teil der Wettbewerbsmannschaften. 1993 gehörte seine Frau Marita zu den Gründungsmitgliedern des ersten Asendorfer Frauenteams, das schon bei seinem ersten internationalen Einsatz Gold für Deutschland und den beschaulichen Heimatort holte. Cord Brinker selbst darf sich Doppel-Olympiasieger und Bronzemedaillengewinner nennen.

Seit 2003 gehört er dem international besetzten Team aus europaweit 40 Wertungsrichtern an. „Die Feuerwehr-Olympiade hat mich weit rumgebracht“, blickt er gemeinsam mit seiner Frau gerne zurück. Auch auf viele Freundschaften in (fast) aller Herren Länder. In dieser besonderen Sparte der Feuerwehr darf er auch im Alter noch tätig sein: Im Sommer wird er im slowenischen Celje zum fünften Mal in 17 Jahren mit der Stoppuhr in der Hand die besten Feuerwehren Europas begutachten – Die Pandemie hat auch diesen olympischen Rhythmus um ein Jahr aus dem Tritt gebracht.

Dem Internationalen Wettbewerb gehört sein Herz. Nach seiner Zeit als Wettbewerber wurde er nicht nur Schiedsrichter. Er ist seit 14 Jahren auch Landeswettbewerbsleiter und bleibt für den niedersächsischen Feuerwehrverband Ansprechpartner und Betreuer von Gruppen wie Wertungsrichtern.

Wie alles begann: Beim Technischen Hilfswerk hatte Brinker seinerzeit seinen zehnjährigen Wehrersatzdienst geleistet. Zur Feuerwehr kam er freiwillig. Durch das Großfeuer bei der damaligen „Europacarton“ in Hoya und die verheerenden Brände in der Heide war er darauf aufmerksam geworden, „wie vielfältig und interessant die Arbeit der Feuerwehren ist“. Eine Jugendfeuerwehr gab es Mitte der 1970 in Asendorf noch nicht. So folgte er als junger Mann seinem älteren Bruder Wilhelm zu den Aktiven. Auch seine spätere Frau stammt aus einer Feuerwehrfamilie. Und die Gene waren so stark, dass auch Sohn Felix die blaue Uniform anzog. Er hat heute eine leitende Funktion bei der Berufsfeuerwehr Hamburg.

Mit dem gesetzlich vorgegebenen Ruhestand vom aktiven Dienst macht Hauptlöschmeister Brinker seine Leidenschaft zum Hobby. Als Technikbegeisterter unterhält er die bundesweit einzige digitale Zeitmessanlage für acht Bahnen, erzählt er. Sie auch über Ländergrenzen hinaus auszuleihen, soll ihm die Zeit ebenso vertreiben wie die Pflege seiner Homepage www.feuerwehrwettbewerbe.de.

Seit 2007 dokumentiert er im weltweiten Netz Wettbewerbe im In- und Ausland. Bis zu 15 000 Interessierte tummeln sich da im Monat. Insgesamt waren bisher mehr als drei Millionen Besucher auf dieser Seite. Für diese Idee und die zuverlässige wie schnelle Aktualisierung der Daten zeichnete der Bundespräsident persönlich ihn 2011 mit dem neu eingeführten Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze aus. Es ist die höchste Auszeichnung für Dienstgrade unterhalb des Brandmeisters. Cord Brinker erhielt sie als erster und einziger Niedersachse in einer Gruppe von 15 Geehrten aus den Händen von Christian Wulff im Schloss Bellevue. „Ein Höhepunkt in meinem Leben“, sagt er ehrfürchtig. „Ein stolzer Moment.“

Zwei Gigabyte Daten übernahm Brinker als Gemeindepressewart 2010 von seinem Vorgänger. 74 GB hat er jetzt seinem Nachfolger Christian Wolters aus der Ortsfeuerwehr Martfeld überreicht. Ab sofort wird dieser die grüne Weste tragen. „Die muss aber erst mal in die Reinigung“, grient Brinker. Die beiden haben einiges zusammen erlebt.

Von Anne-katrin Schwarze

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