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Neubau des Gemeindehauses in Vilsen „ein Kompromiss“

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Zeichnung eines Neubaus mit zwei Giebeln.
Die Kirchengemeinde Vilsen plant ein neues Gemeindehaus an der Vilser Schulstraße. © Ahrens + Pörtner Architektengesellschaft

Bruchhausen-Vilsen – Der Neubau wird kleiner als zunächst geplant, das alte Pfarrhaus bekommt neue Nutzer, für die als Baugrund benötigte Wiese gibt es eine Ersatzfläche. Mit diesem Kenntnisstand endete am Dienstagabend nach fast zwei Stunden die öffentliche Versammlung der Vilser Kirchengemeinde. Deren Gebäudekonzept hatte die Gemüter erregt (wir berichteten). Jetzt ist ein Kompromiss gefunden, wie Kirchenvorstandsmitglied Peter Schmitz zusammenfasste. „Eine Verbesserung, mit der ich leben kann“, bescheinigte Dr. Dr. Wolfgang Griese aufseiten der Zuhörer.

Das neue Gemeindehaus soll auf einem Rasenstück Ecke Assessorstraße und Vilser Schulstraße entstehen. Im zweigeschossigen Bau wird eine Fläche von 290 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Zweiteilig auch der Baukörper. In einem wird der 80 Quadratmeter große Saal untergebracht, im anderen Hauswirtschaft, Gemeindebüro und Besprechungsräume. Verbunden sind beide Gebäude mit einem Flur, erläuterte Peter Schmitz und zeigte erstmals Pläne aus allen Perspektiven.

Man habe sich bewusst für einen kleinteiligen Bau entschieden, um den Neubau an die Umgebung anzupassen, betonte er. Laut Zeichnung scheinen die beiden sechs und sieben Meter hohen Giebel zur Bebauung im historischen Ortskern zu passen. Ein Aspekt, der auch der politischen Gemeinde wichtig ist, wie Bürgermeister Lars Bierfischer unterstrich. Der Gemeinderat habe frühere Vorschläge abgelehnt, erinnerte er an Diskussionen im Jahr 2010. Die aktuelle Planung sei daher eng mit Gemeinde und Landkreis abgestimmt, Aspekte wie Brand- und Denkmalschutz bereits berücksichtigt, erklärte Peter Schmitz, der als ehemaliger und langjähriger Bürgermeister mit den Notwendigkeiten bestens vertraut ist. „Die Zusammenarbeit von Kirche und Gemeinde hat sich in den vergangenen Jahren professionell entwickelt“, bescheinigte Bierfischer. „Die Pläne der Kirchengemeinde sind mehrheitsfähig“, gab er aus bisher nicht-öffentlichen Beratungen wieder.

In der Vilser Kirche hatte sich eine stattliche Zahl Interessierter versammelt. Die allermeisten sind in der Gemeinde aktiv, vertreten beim Thema Neubau bekanntermaßen aber durchaus unterschiedliche und gegensätzliche Meinungen. Zwischen Kirchenvorstand (KV) als gewähltem Gremium auf dem Podium und den Fraktionen auf den Bänken moderierte Volker Böhling. Eine gute Entscheidung der Gastgeber: Der ehrenamtliche Gemeindeberater wusste, respektvoll mit den verschiedenen Auffassungen umzugehen und für einen sachlichen Verlauf des Abends zu sorgen.

Denn das Gebäudekonzept beinhaltet(e) einiges an Zündstoff. Meina Fuchs, deren Hauskreis eine Unterschriftenaktion gegen den Neubau initiiert hatte, beanstandete erneut, dass die Gemeindeglieder nicht mehr in die Planungen einbezogen waren. Ihre Alternative zu einem Neubau wäre die Nutzung vorhandener, auch kirchenfremder Räume. Wolfgang Griese ließ sich unter Applaus seine kritische Vermutung bestätigen, dass diese Gemeindeversammlung keinen Einfluss auf die Pläne haben werde. „Die Entscheidung ist getroffen“, stellte Moderator Böhling klar und redete nicht drumherum, dass der Abend ausschließlich der Information diene. Ein Bauantrag sei jedoch noch nicht gestellt, sagte Pastor Mathias Hartewieg auf Nachfrage.

Dana Chelariu als künftige Nachbarin des neuen Gemeindehauses bekam ebenso vielfach Gelegenheit, Kritik zu äußern, wie Anlieger Karl Figge. Beiden ging es im Wesentlichen darum, ob sich ein Neubau in das Ortsbild einfügen könne. Über die Ästhetik hinaus stellte Chelariu die Nachhaltigkeit der Pläne infrage. Pastor a.D. Walter Rosenbaum zeigte sich nach der Präsentation „fast überzeugt“ von dem Konzept, bezweifelte aber, ob das neue, verhältnismäßig kleine Gemeindehaus langfristig genügend Platz biete. „Wir haben an alle unsere Gruppen gedacht“, versicherte Kirchenvorstandsvorsitzende Ulrike Thalmann. „Wir würden uns von Mauern in unserer Arbeit auch nicht begrenzen lassen“, betonte Pastorin Mareike Hinrichsen-Mohr. Darüber hinaus stehe die Zusage an die Tafel, das TafelTheater und die Pfadfinder, auch ein neues Gemeindehaus nutzen zu können. „Es ist uns wichtig, eigene attraktive Räume vorzuhalten, diese aber für den Ort zu öffnen“, führte die Pastorin aus.

„Hier kann man Gemeinde gestalten“, kommentierte Regina Meyer die Pläne, diesmal unter Applaus der erklärten Befürworter.

Fragen zur Finanzierung, vor allem von Lektor Armin Flentje, beantwortete der Vorstand zunächst nur vage, nannte weder den Käufer der Immobilie am Hohen Kamp noch den Verkaufserlös. KV-Mitglied Reinhard Kleinschmidt öffnete dann aber doch die Bücher: Das Gebäudekonzept beinhalte den Neubau eines Pfarrhauses an der Brautstraße, den Verkauf des alten Gemeindehauses sowie der ehemaligen Diakoniestation sowie den Neubau eines Gemeindehauses. Das gesamte Paket habe ein Gesamtvolumen von 2,5 Millionen Euro. Davon habe die Kirchengemeinde Vilsen 694 000 Euro aufzubringen. Damit sei die Gemeinde blank. „Wir werden keinen Euro schulden machen“, so Kleinschmidt. Der Kirchenkreis beteilige sich mit 800 000 Euro, die Landeskirche mit 660 000 Euro, 353 000 Euro stammen aus Drittmitteln. „Mit dieser Finanzierung hat ihr KV das meiste für die Gemeinde rausgeholt“, bewertete Volker Böhling die Strategie.

Eine Sanierung der vorhandenen Räume wäre für die Kirchengemeinde deutlich teurer geworden, erläuterte Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder aus den Zuhörerreihen heraus die Finanzierungspolitik der Landeskirche. Eine Tatsache, die mehrere Redner grundsätzlich kritisierten.

K.o.-Kriterium für die Umnutzung des Pfarrhauses zum Gemeindehaus sei der Denkmalschutz gewesen, informierte Schröder. „Im denkmalgeschützten Pfarrhaus dürfen keine Innenwände verändert werden, damit scheidet es als Gemeindehaus aus.“ Für die Diakoniestation hingegen sei die Raumaufteilung passend. Mareike Hinrichsen-Mohr erinnerte an die Gründe, die zum Gebäudekonzept geführt haben: „Wir haben viel mehr Gebäudefläche als wir bewirtschaften können.“ Ziel müsse es sein, den Bestand deutlich zu verkleinern und trotzdem optimale Räume bereitzustellen.

Die Teilnehmer erhielten einen Einblick, welche Vielzahl an Aspekten der Kirchenvorstand abzuwägen hatte. „Das Konzept beinhaltet viele Kompromisse“, sagte Peter Schmitz für den Kirchenvorstand. „Es macht mich nicht euphorisch, aber ich kann damit leben“, signalisierte Wolfgang Griese. Und erntete keine Widerworte.

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