Linda Krzikalla arbeitet als Asylbegleiterin bei Lebenswege Begleiten

Ehrenamt statt Weltreise

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Linda Krzikalla (vorne) unterstützt die hauptamtlichen Flüchtlingshelferinnen Antje Alberts und Imke Dirks (hinten) ehrenamtlich als Asylbegleiterin. Foto: Jannick Ripking

Br.-Vilsen – Linda Krzikalla wäre jetzt in Lateinamerika. Aber das Coronavirus hat ihre Pläne durchkreuzt. Als sie ihren Bachelor im Fach „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ gemacht hatte, ist sie zu einer dreijährigen Weltreise aufgebrochen. Als die 24-Jährige gerade in Irland war, musste sie diese jedoch abrupt wegen der Covid-19-Pandemie abbrechen und lebt vorerst wieder bei ihren Eltern in Martfeld. Seitdem arbeitet Linda Krzikalla als ehrenamtliche Asylbegleiterin und Sprachmittlerin beim Verein Lebenswege Begleiten in Bruchhausen-Vilsen.

„Linda ist ein absoluter Glücksgriff“, berichtet Antje Albers, die Integrationsbeauftragte von Lebenswege Begleiten. „Es kommen immer wieder und immer noch Migranten in der Samtgemeinde an“, erklärt Imke Dirks von der Flüchtlingshilfe. Erst vor Kurzem habe eine sechsköpfige Familie aus Kolumbienn in Bruchhausen-Vilsen eine neue Heimat gefunden. Und an diesem Punkt kommt Linda Krzikalla ins Spiel: „Linda spricht Spanisch. In unserem Team aus Ehrenamtlichen gab es bisher noch niemanden, der diese Sprache kann“, sagt Imke Dirks. Und so kam es, dass Linda Krzikalla die Asylbegleiterin der kolumbianischen Familie wurde.

„Das ist ein tolles Projekt“, sagt die junge Frau, die derzeit neben ihres Ehrenamtes ein zweites Mal studiert – Politikwissenschaften mit Philosophie im Nebenfach. Der Kontakt zur Flüchtlingshilfe von Lebenswege Begleiten entstand durch ihre Mutter. „Sie hat mich auf einen Flyer des Vereins aufmerksam gemacht“, erinnert Linda Krzikalla sich. Weil sie in der Heimat bei ihren Eltern gestrandet ist, habe sie sich selbst gesagt: „Dann mache ich doch etwas Sinnvolles.“ Eigentlich wollte sie urch ihre Reise einen neuen Eindruck von der Welt bekommen. Da das derzeit nicht möglich ist, „möchte ich Leuten, die aus schwierigen Verhältnissen nach Deutschland kommen, zeigen, dass sie nicht allein sind“. Das Engagement bei der Flüchtlingshilfe eigne sich gut dafür.

Aber wie läuft die Arbeit eines Asylbegleiters überhaupt ab? „Am Anfang ist sehr viel Papierkram zu erledigen“, meint Linda Krzikalla. Sie sei als erstes mit der Familie aus Kolumbien zum Rathaus gefahren. Dort hätten sie ihr Geld und den Wohnungsschlüssel erhalten. Danach ging es in den Supermarkt und gemeinsam kauften sie die wichtigsten und grundlegenden Lebensmittel ein. Erst im Anschluss machte sich die Studentin mit der Familie auf den Weg in die Wohnung. „Das ist deren persönlicher Bereich“, sagt sie. Antje Alberts ergänzt: „Für Flüchtlinge ist es dann wichtig, dass sie eine Tür einfach auch einmal bewusst zu machen können.“ Die nächsten Schritte seien dann verschiedene Behördengänge, um zum Beispiel den Wohnsitz oder die Kinder in der Schule anzumelden.

Die Flüchtlingshilfe von Lebenswege Begleiten sieht sich selbst als eine Unterstützung für Menschen, die in Deutschland ankommen. „Wir geben Migranten eine Hilfestellung und begleiten sie bei den ersten Schritten zur Selbstständigkeit in einem neuen Land“, erklärt Imke Dirks. Dabei sei der Verein auch auf die Hilfe von Freiwilligen wie Linda Krzikalla angewiesen. „Man muss keine Fremdsprache sprechen, um Asylbegleiter zu werden. Bei Linda ist das einfach ein Bonus“, erklärt Antje Alberts. „Vieles geht auch über Hände und Füße und vor allem Herzlichkeit.“ Weil der persönliche Bezug zu den migrierten Familien so wichtig sei, seien neue Asylbegleiter immer gern bei Lebenswege Begleiten gesehen.

„Grob angepeilt sind ungefähr zehn Treffen zwischen unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Flüchtlingen“, sagt Imke Dirks. Meist bleibe es aber nicht nur bei den zehn Treffen. „Zu den Asylbegleitern entstehen oft herzliche und freundschaftliche Verhältnisse.“

Auch Linda Krzikalla hat die Familie, die sie unterstützt, schon ins Herz geschlossen. „Ich finde es toll, wenn ich mitbekomme, dass sie sich freuen“, meint sie. Vor Kurzem haben die Kolumbianer Fahrräder aus der Fahrradwerkstatt, die von der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gefördert werde, bekommen. „An dem Tag hat es aber geregnet. Das fanden sie wirklich schade“, meint Linda Krzikalla. Nichtsdestotrotz sei diese Familie hochmotiviert, sich in Deutschland zu integrieren.

Von Jannick Ripking

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