Ehepaar Wilke wohnt im Räuberhaus / „Es ist schön hier! Und so ruhig!“

Stadtmusikanten genießen Leben in Steinborn

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Gisela und Klaus Wilke in ihrer Kunst-Klause im Kunst-Wald. Ein Bild auf der Hütte erinnert an die Bremer Stadtmusikanten.

Steinborn - Von Anne Schmidtke. Das Räuberhaus der vier Bremer Stadtmusikanten steht auf dem Gelände der Familie Wilke in Asendorf-Steinborn. Da sind sich die Inhaber ganz sicher, denn sie glauben an ihre eigene Version des Märchens.

Vor etwa 15 Jahren haben die Künstler Gisela und Klaus Wilke das Backsteingebäude an der Vilser Straße 2 gekauft. Vorher wohnte das Paar in der ehemaligen Schule in Uenzen. „Da hatten wir nur ein kleines Grundstück. Wir brauchten aber mehr Platz für unsere Tätigkeit“, erklärt Gisela Wilke. Als sie zum ersten Mal ihr neues Eigenheim erblickte, habe sie ein Déjà-vu gehabt: Genauso habe sie sich immer das Räuberhaus vorgestellt, in dem der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn in dem Märchen der Gebrüder Grimm untergekommen seien.

Tochter Nicole Corleis teilte sofort die Meinung ihrer Mutter. In ihrer Fantasie hat sie sogar das Tagebuch des Esels gefunden. Sie begann, es in die Menschensprache zu übersetzen. Aus dem Schreiben gehe hervor, dass die Tiere sich in Steinborn pudelwohl gefühlt haben. „Es ist schön hier! Und so ruhig!“, heißt es an einer Stelle. „Keiner hetzt einen herum und steht schon frühmorgens mit der Peitsche hinter einem“, steht an einer anderen Stelle. Die Stadtmusikanten, die laut dem Märchen Bremen nie erreichten, blieben also nach dem Glauben der Wilkes in Steinborn und genossen das Leben in der ländlichen Idylle.

Genauso halten es die Personen, die jetzt im gemütlich hergerichteten Räuberhaus wohnen. Sie lachen viel und gehen ihrer Leidenschaft, der Kunst, nach. Gisela und Klaus Wilke haben sich in den Räumlichkeiten unter anderem ein Atelier eingerichtet. „Ich male mit Acryl- und Ölfarben auf Stein, Holz, Keramik und allen anderen Materialien“, sagt die 64-jährige Gisela Wilke. Jemand habe ihr mal gesagt, dass vor ihr nichts sicher sei, was angemalt werden kann. Ihr Ehemann stellt abstrakte Acrylbilder und Collagen her. Er arbeitet in seine Bilder zudem oft Nägel ein.

Der eigenwillige Esel

ist ihr Lieblingstier

Doch die beiden werkeln nicht nur in ihrem stillen Kämmerlein, sondern auch draußen auf ihrem Grundstück. Dort haben sie vor einiger Zeit angefangen, einen Kunst-Wald zu schaffen. Besucher laufen auf einem Rundweg durch das Gehölz und entdecken Holz-, Töpfer- und viele andere Arbeiten des Duos.

Wer sich die Werke anschauen möchte, hat traditionell am Pfingstmontag Gelegenheit dazu. Wer an dem Tag keine Zeit hat oder nicht so lange warten möchte, kann mit Familie Wilke auch individuelle Termine vereinbaren, Telefon 0174/3555289 und 04253/801176.

Wenn die Zwei neben ihren vielen Aufgaben – demnächst verkaufen sie an den vier Adventswochenenden auf dem Nienburger Weihnachtsmarkt ihre Erzeugnisse – noch Zeit haben, rufen sie sich gerne die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten in Erinnerung. „Ich musste das Märchen oft meinen Enkelkindern, aber auch den Besuchern des Markts an der Liebfrauen-Kirche in Bremen erzählen. Dort habe ich jahrelang Miniaturbilder und von Hand angemalte Tassen verkauft, auf denen unter anderem das meiner Fantasie entsprungene Räuberhaus und die vier Tiere zu sehen waren“, sagt Gisela Wilke. Sie finde den Esel und die Katze am besten. Das seien eigenwillige Tiere, die immer ihr eigener Herr blieben, im Gegensatz zum Hund, der seinem Herrchen hörig sei.

Auch ihr Mann Klaus hat eine Vorliebe für den Esel: „Der ähnelt mir sehr“, sagt der 76-Jährige schmunzelnd.

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