Bürgerbeteiligung nach den Herbstferien

Grundstück und Haus von Hollen: „Edeka gehört zu Martfeld“

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Die Bürger können Ideen für die Nutzung des Grundstücks und Hauses von Hollen bei einem geplanten Infoabend einbringen.

Martfeld - Von Vivian Krause. Was passiert mit dem von der Gemeinde gekauften Grundstück und dem Haus der Familie von Hollen im Ortskern von Martfeld? Diese Frage beschäftigte den Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend.

Eine Antwort gab er nicht. Diese soll in einer Diskussion mit Bürgern gefunden werden. Der Termin für ein gemeinsames Treffen von Martfeldern und Ratsmitgliedern werde noch bekannt gegeben, sagte Gemeindedirektor Bernd Bormann. Angepeilt werde ein Tag nach den Herbstferien. „Vielleicht hat ja irgendeiner eine ganz tolle Idee“, sagte er.

Bevor also in die Zukunft geblickt wird, gab Bürgermeisterin Marlies Plate (Grüne) den rund 50 Zuhörern im Dorfgemeinschaftshaus in Hustedt einen Überblick über die bisherigen Ereignisse (siehe unten) rund um das Grundstück an der Hauptstraße 27, ein Fachwerkhof aus dem Jahr 1802, der unter Denkmalschutz steht.

Zuletzt war diskutiert worden, ob dort ein Edeka-Markt entstehen soll. Denn der Konzern würde sich gerne vergrößern. Plate betonte, dass der grundsätzliche Verbleib von Edeka in Martfeld höchste Priorität habe. Gespräche zwischen dem Unternehmen Edeka, Klaus-Peter Klausen, Inhaber des „Edeka Kööp In“ in Martfeld, und der Gemeinde laufen. Der aktuelle Stand sei, dass Edeka deutlich sage, dass der Standort für das Unternehmen im Moment nicht infrage komme, sagte Michael Albers (SPD). Ein Alternativstandort werde derzeit gesucht, sagte Bernd Bormann.

Das Grundstück von Hollen mit einer Größe von 10.500 Quadratmetern sei alternativlos für den Standort eines Edeka-Markts, sagte Heinrich Lackmann (Unabhängige Liste Martfeld, ULM). „Wenn es nicht gelingt, den Edeka-Markt dort zu platzieren, dann sehe ich die umliegenden Gewerbebetriebe gewaltig gefährdet“, sagte er. „Dann machen wir diesen Ortsmittelpunkt kaputt.“

„Strohhalm bis obenhin erklimmen“

Torsten Tobeck (ULM) sprach für seine Fraktion: Sie verfolge weiterhin das Ziel, den Edeka-Markt in der Ortsmitte anzusiedeln und gegebenenfalls dort auch ein Dorfgemeinschaftshaus zu betreiben. „Und sei der Strohhalm für die Ansiedlung oder Erweiterung eines Edeka-Markts in der Ortsmitte noch so dünn und noch so brüchig, so müssen wir doch diesen Strohhalm bis obenhin erklimmen. Wenn wir dann feststellen, es geht nicht mehr, dann müssen wir es akzeptieren.“

Wenn auf dem Grundstück von Hollen ein neuer Edeka-Markt entstünde, könnte das, laut Aussage eines Anwohners 1 200 Quadratmeter große Gebäude, in dem „Kööp In“ untergebracht ist, im schlimmsten Fall in Zukunft leer stehen.

Der Edeka-Markt gehöre zu Martfeld. Diese Meinung war größtenteils Konsens, sowohl im Rat als auch bei den Zuhörern. „Wenn wir den jetzigen Dorfmittelpunkt verlieren – einen neuen wird es meines Erachtens nicht geben“, sagte ein Zuhörer. Ein anderer Standpunkt war, dass es wichtig ist, einen Einkaufsmarkt im Ort zu haben, welcher dies sei, sei nicht relevant. „Für mich ist Edeka ein Interessent, vielleicht ein Investor, mehr aber auch nicht“, sagte Jürgen Lemke (CDU). „Es ist total egal, welcher Markt da ist“, sagte ein Bürger.

Rat hofft auf finanzielle Förderung

Ratsherr Michael Albers sprach von einer Summe von einer Million Euro, die für einen Umbau des Gebäudes von Hollen in ein DGH-ähnliches Gebäude investiert werden müsste. „Selbst wenn wir maximal 70 Prozent Zuschüsse kriegen können, bleiben bei der Gemeinde noch 300.000 Euro plus Folgekosten et cetera.“ Eine Einwohnerin sprach von „dekadent“ mit Blick auf diese Summe. Bormann machte deutlich, dass der Umbau etwa 600.000 Euro kosten würde. „Wir machen das nur dann, wenn wir aus dem Projekt Dorferneuerung oder ,Kleinere Städte und Gemeinden‘ einen Zuschuss von 63 Prozent kriegen.“ „Da muss irgendwas rein, was auch Geld reinbringt“, sagte die Anwohnerin. „Und wenn es ein Kulturzentrum ist oder Leute da Miete zahlen müssen.“

Zuhörer Anton Bartling, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Martfeld, wollte direkt Nägel mit Köpfen machen. Er sagte, es gebe konkrete Ideen für ein Dorfgemeinschaftshaus, innerhalb von 24 Stunden könne ein Antrag zur Förderung aus Dorferneuerungsmitteln beim Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Sulingen gestellt werden. „Ich glaube, der Antrag wird heute keine Mehrheit im Rat finden“, sagte Bormann.

Hollen-Arbeitsgruppe besteht seit 2017

Zur Erklärung: Auf Initiative des HVV haben sich die Vorsitzenden der Martfelder Vereine vergangenes Jahr getroffen und über die Planung eines Dorfgemeinschaftshauses auf dem Grundstück von Hollen gesprochen. Daraufhin bildete sich eine Arbeitsgruppe, und nicht etwa ein „Ausschuss des Rats“, wie manch ein Bürger während der Sitzung vermutete. Torsten Tobeck war laut Anton Bartling als Leiter der Sparte Tennis des TSV Martfeld bei den Treffen vertreten. Bartling trat am Donnerstagabend als Sprecher dieser Gruppe auf. Bei der für nach den Herbstferien geplanten Infoveranstaltung sollen ihre Ideen vorgestellt werden, sagte Bormann auf Nachfrage der Kreiszeitung.

„Bis eben wussten wir gar nicht, dass ihr daran überhaupt schon arbeitet“, merkte ein Zuhörer bei der Ratssitzung an. Ein anderer sagte mit Blick auf ein mögliches Dorfgemeinschaftshaus: „Wer soll es betreiben, hegen und pflegen?“ Man müsse sich in alle Richtungen mit dem Grundstück beschäftigen, sagte Pit Brandstätter (Grüne).

Man könnte laut Bormann ein paar Jahre ins Land gehen lassen, bevor die Gemeinde eine Entscheidung in Bezug auf die Nachnutzung des Grundstücks und Hauses von Hollen trifft. Es sei aber wichtig, sich jetzt Gedanken zu machen. Der nächste Termin zu dem ein Förderantrag beim ArL gestellt werden muss, ist der 15. September 2019. „Das ist genügend Zeit“, schloss der Gemeindedirektor. Das Thema wird die Martfelder also noch eine Weile beschäftigen.

Die Chronologie

2016: Grundstück von Hollen wird der Gemeinde angeboten

Ende 2016: Besichtigung des Gebäudes von Ratsmitgliedern, „Kööp In“-Inhaber Klaus-Peter Klausen und einem Architekten

2017: 200.000 Euro in den Haushalt für Dorfentwicklung eingestellt

Juni 2017: Gespräche mit Edeka und „Kööp In“-Inhaber Klausen über Markt-Weiterentwicklung

2018: 270.000 Euro für Ortsentwicklung im Haushalt bereitgestellt

April 2018: Standort Haus von Hollen ist für Edeka nicht die

erste Priorität, die Grundstückssuche mit Edeka läuft weiter

Juni 2018: Gemeinde kauft Von-Hollen-Grundstück

August 2018: Suche nach einem alternativen Edeka-Standort läuft weiter

*Diese Liste ist nur ein Ausschnitt der von Bürgermeisterin Marlies Plate in der Ratssitzung vorgetragenen Chronologie.

Kritik an der Arbeit des Rates

Der Rat sah sich, auch von Heinrich Lackmann aus den eigenen Reihen, mit Vorwürfen konfrontiert. Die Rede war von geheimen Sitzungen und geheimen Verhandlungen. Dem widersprach Bürgermeisterin Marlies Plate vehement. 

Pit Brandstätter machte deutlich, dass es nicht-öffentliche Sitzungen gebe, nicht aber geheime Treffen. Bestimmte Themen wie Kaufpreise könnten nicht öffentlich diskutiert werden, sagte Michael Albers. 

Jürgen Lemke bat um Vertrauen und nicht um Kritik. „Wir brauchen Unterstützer und nicht Leute, die uns kritisieren beziehungsweise Steine in den Weg legen wollen. Wir brauchen eine sachliche Beteiligung.“

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