Supermarkt-Pläne in Martfeld

Muss das Haus von Hollen für Edeka weichen?

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Wird dieser denkmalgeschützte Hof im Martfelder Ortskern abgebaut, um einem Edeka-Neubau zu weichen? 

Martfeld - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Das Anwesen der Familie von Hollen, ein Fachwerkhof aus dem Jahr 1802, der unter Denkmalschutz steht, soll verkauft werden.

Maria von Hollen, eins der drei Mitglieder einer Erbengemeinschaft, bestätigt das: „Ja, wir wollen verkaufen“, erklärt die Miteigentümerin. An wen das Gebäude verkauft werden soll, dazu äußert sie sich indes nicht. Wird das Haus an eine andere Stelle versetzt, damit Edeka auf der Fläche bauen kann? Wird das Haus zum Dorfgemeinschaftshaus – an seiner jetzigen oder an anderer Stelle? Die Gerüchteküche brodelt.

Der Gemeinderat hat zuletzt am Donnerstagabend in einer nichtöffentlichen Sitzung über das Thema gesprochen. „Es ist richtig, dass die Eigentümer des Gebäudes Hauptstraße 27 in Martfeld beabsichtigen, das Flurstück zu veräußern und Kontakt zur Gemeinde Martfeld aufgenommen haben. Der Rat hat die Verwaltung beauftragt, die Gespräche mit den Eigentümern zum Erwerb des Grundstücks zum Abschluss zu bringen. Ein entsprechender Kaufvertrag konnte bisher jedoch nicht unterzeichnet werden, weil das erforderliche Gutachten erst seit Kurzem vorliegt“, erklärt Gemeindedirektor Bernd Bormann. 

Und weiter: „Ziel der Gemeinde Martfeld ist es, gemeinsam mit den örtlichen Vereinen und Institutionen das Gebäude zu einem Dorfgemeinschaftshaus umzubauen, wenn es finanziell machbar ist. Die erforderlichen Gespräche laufen derzeit. Ob, und wenn ja an welche Stelle, das Gebäude eventuell versetzt werden muss, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesagt werden, weil die Gesamtplanung noch nicht abgeschlossen ist. Grundsätzlich verfolgt die Gemeinde Martfeld das Ziel, das Gebäude am jetzigen Standort zu belassen.“

„Hier will Edeka einen neuen Supermarkt bauen“

Die derzeitigen Nachbarn des Hofs in Martfeld, die Familie Knirsch, haben schon vor Monaten von den Verkaufsplänen gehört. Und mehr noch: „Hier will Edeka einen neuen Supermarkt bauen“, haben Stefan Knirsch und seine Frau Linda Voss-Knirsch erfahren. Bürgermeisterin Marlies Plate, Gemeindedirektor Bernd Bormann, Ratsvertreter und nicht zuletzt Klaus-Peter Klausen, Inhaber des „Edeka Kööp-In“ in Martfeld, hätten das in Gesprächen bestätigt.

„Leider wurden wir als Nachbarn überhaupt nicht offiziell informiert“, zeigt sich das Ehepaar ungehalten über die Informationspolitik der Gemeinde. „Die Gemeinde will den Hof von Hollen kaufen, denn dieser steht unter Denkmalschutz. Für ein Unternehmen wie Edeka wäre ein solcher Kauf fast unmöglich“, meint Stefan Knirsch. Eine Gemeinde habe, anders als eine Firma, rechtlich die Möglichkeit, ein denkmalgeschütztes Haus abzubauen und an anderer Stelle wieder zu errichten. Martfeld könnte das also tun und das Haus von Hollen auch anderswo zum Dorfgemeinschaftshaus umfunktionieren.

Tatsache ist: Für den Erwerb eines Dorfgemeinschaftshauses stehen 270.000 Euro im Haushalt 2018. Für 2019 sind zu diesem Zweck 1,2 Millionen Euro eingeplant, über deren Bereitstellung der Rat allerdings noch nicht abschließend abgestimmt hat. Was konkret mit dem Geld passieren soll, darüber sprachen die Politiker öffentlich bisher nicht.

„Es gibt keinerlei Konzept“ für DGH

Stefan Knirsch hält die Pläne für die Einrichtung eines Dorfgemeinschaftshauses für unrealistisch: „Es gibt keinerlei Konzept. Wer soll es nutzen, was kostet das, wer bezahlt es?“ Für ihn stellt sich auch die Frage, „warum man nicht die ehemalige Gaststätte Soller erworben hat, die im Dezember geschlossen wurde. Da ist alles vorhanden, eine Bühne, eine Küche, sanitäre Anlagen.“

Bürgermeisterin Marlies Plate erklärt nur so viel: „Wir haben im Haushalt Mittel für die Dorfentwicklung eingestellt, aber wir können erst etwas öffentlich sagen, wenn es in trockenen Tüchern ist.“ Geplant ist also etwas – aber was? „Wenn wir Klarheit haben, reden wir mit allen Anliegern“, verspricht Plate.

Besorgt ist das Ehepaar Linda Voss-Knirsch und Stefan Knirsch über den möglicherweise geplanten Neubau eines Edeka-Supermarkts. „Klaus-Peter Klausen ist 58 Jahre alt, warum sollte er noch einmal neu bauen wollen? Sein Markt hat schon fast 1 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und läuft sehr gut“, sagen die beiden. Auf Nachfrage erklärt Klausen: „Zurzeit ist da überhaupt noch nichts geplant.“ Auch die Pressesprecherin der „Edeka Minden-Hannover Stiftung & Co. KG“, Miriam Pöttker, bestätigt die Gerüchte nicht: „Aktuell gibt es keine neuen Infos zum Standort Martfeld.“

Bernd Bormann lässt dagegen im Namen der Gemeinde verlauten: „Es ist richtig, dass die Firma Edeka ihren Standort im Ortskern von Martfeld langfristig sichern möchte. Dieses Ziel wird von der Gemeinde Martfeld ausdrücklich unterstützt. Zu diesem Zweck ist ein neues, den heutigen Anforderungen gerecht werdendes Gebäude mit einer deutlich größeren Verkaufsfläche geplant. Ob dieses Gebäude in der beabsichtigten Form umgesetzt werden kann, wird sich im Laufe der erforderlichen Bauleitplanung insbesondere auf Basis von Fachgutachten klären.“

Ehepaar will an Planungen teilhaben

Das Ehepaar Knirsch, das möglicherweise künftig direkt neben einem neuen, größeren Edeka-Bau wohnen wird, wünscht sich, in die Planungen einbezogen zu werden: „Bekommen wir erst Gelegenheit, etwas zu sagen, wenn ein Bebauungsplan aufgelegt wird?“, fragt es sich. Die beiden Martfelder betonen, dass sie keinesfalls etwas gegen einen Supermarkt haben – nur eben an dieser Stelle. „Warum reißt man nicht den alten Markt ab, der zugegebenermaßen nicht mehr sehr neu ist. Der Verkauf könnte im leer stehenden ehemaligen Netto-Markt weitergehen und der Neubau auf der Ecke des jetzigen ,Kööp-In‘ entstehen“, sagen sie.

Eine Option, die nach Aussage einiger Ratsvertreter weder von Edeka noch vom derzeitigen Marktbetreiber gesehen wird. Gemeindedirektor Bormann: „Aufgrund der beabsichtigten Vergrößerung und vor dem Hintergrund, dass das neue Gebäude den heutigen Anforderungen gerecht werden soll, ist die vorhandene Fläche für eine Verwirklichung nicht ausreichend.“

Wer bei den Ratsmitgliedern nachfragt, stößt auf eine Mauer des Schweigens und bekommt immer wieder zu hören: „Wir sind der Verschwiegenheit verpflichtet.“ In einer Sache sind sich alle einig: „Martfeld ohne Edeka ist nicht vorstellbar.“

Bernd Bormann kritisiert die in Umlauf gebrachten Gerüchte: „Es ist bedauerlich, wenn aus nicht-öffentlichen Besprechungen Dinge nach außen getragen werden. Das ist dem ganzen Verfahren nicht zuträglich.“

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