Eckehard Niemann referiert über Massentierhaltung / Schwarmer Bürgerinitiative sucht sich Rechtsbeistand

Die Hähnchenblase

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Eckehard Niemann mit Günter Bode und Hermann Schröder (von links).

Schwarme - Von Heiner Büntemeyer. „Sie haben uns nicht nur Hoffnung gemacht, sondern auch sachkundig informiert“, lobte Günter Bode von der Bürgerinitiative „Schützt das Schwarmer Bruch: Keine Mastställe“ am Donnerstagabend Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Niemann referierte bei einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative im Gewächshaus Hintze.

Bode betonte zu Beginn des Abends, dass sich die Initiative nicht gegen die Landwirtschaft, wohl aber gegen die agrarindustrielle Massentierhaltung engagiert. Die Mitglieder wollen verhindern, dass in Schwarme Am Uhlenbruchdamm ein Maststall für 84000 Hähnchen entsteht. Einen entsprechenden Bauantrag hat Landwirt Martin Loerke beim Landkreis eingereicht.

Ratsherr Hermann Schröder informierte über die Entstehung des Bruchs. Die dort geplante Flurbereinigung berücksichtige die Belange des Tourismus‘ und des Naturschutzes. „Mastställe passen nicht in dieses Konzept“, sagte er.

Über grundsätzliche Probleme bei der Massentierhaltung sprach Eckehard Niemann, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt. Vor allem bei den Hähnchenmästereien sei eine „ruinöse Überschussproduktion“ zu verzeichnen, sagte er und sprach von einer „Hähnchenblase“, die irgendwann platzen werde. Laut Niemann werden die Hähnchenmäster dann auf der Strecke bleiben. Er erläuterte die gängige Praxis: Durch ihre Verträge mit den Großschlachtereien würden die Bauern zu abhängigen Hähnchenmästern. Ihnen werde vorgeschrieben, wo sie die Küken und das Futter kaufen müssten und welcher Tierarzt für ihre Tiere zuständig sei. Zudem müssten sie in den Bau der Mastanlagen kräftig investieren. „Und wenn es zu Unregelmäßigkeiten kommt, ist immer der Mäster schuld“, sagte Niemann.

Er kritisierte die Landwirtschaftskammern, die in der Vergangenheit oft zu leichtfertig dem Bau von Mastanlagen zugestimmt hätten. Es gebe aber einen Bewusstseinswandel. Einzelne Proteste gegen die Massentierhaltung hätten sich zu einer großen Bewegung entwickelt. Zum bundesweiten Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ gehörten inzwischen rund 250 Initiativen, sodass es von der Politik nicht länger ignoriert werden könne. Zwar habe Deutschland die EU-Richtlinie zur „Artgerechten Haltung“ durch zahlreiche Ausnahmen verwässert, doch die Europäische Union werde das nicht länger dulden, behauptete Niemann. „Spätestens 2016 wird sich einiges ändern.“

Der Experte gab Tipps, wie die Bürger den Bau einer privilegierten Mastanlage verhindern können. Er nannte vier Bereiche, in denen sie ansetzen könnten: Belange des Naturschutzes, Flächennachweis, Erschließung und Brandschutzkonzept. Die niedersächsische Brandschutzverordnung verlange, dass im Brandfall Menschen und Tiere innerhalb von zehn Minuten gerettet werden können, erklärte er einen Ansatzpunkt.

Im Schwarmer Bruch, wo Loerke seinen Stall bauen will, witterte Niemann hinsichtlich der Zuwegung Schwierigkeiten. Auch beim Nachweis eines Stickstoff-empfindlichen Ökosystems im Bruch dürfte die Anlage nach seinen Worten nicht genehmigt werden.

Des Weiteren müsse der Investor laut Gesetz nachweisen, dass er mindestens 50 Prozent des benötigten Futters auf eigenen Flächen erzeugen kann. Die bisherige Berechnung basiere auf Mais, der die höchsten Nährstoffmengen leiste und ohne Rücksicht auf die Fruchtfolge angebaut werden könne. Bei Hähnchenställen müsse jedoch Weizen als Futterbasis herangezogen werden, bei dem ein dreijähriger Fruchtwechsel erforderlich sei. „Ob dann die nachgewiesene Fläche noch ausreicht?“, zweifelte Niemann.

Die Bürgerinitiative will sich nun um rechtlichen Beistand bemühen. Bode bat die anwesenden Vertreter aus Rat und Verwaltung um Unterstützung. Außerdem werde man sich um die Hilfe eines anerkannten Naturschutzverbands bemühen. Zusätzlich spricht auf Einladung der Stall-Gegner am Freitag, 27. Juni, Dr. Thomas Fein über multiresistente Keime, deren Entwicklung die Massentierhaltung begünstigt.

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