„Eule“ widmet sich seit 25 Jahren in Schwarme der Kultur, Umwelt und Geschichte

Ein echter Dorfverein

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Das Domizil der „Eule“: Robberts Huus.

Schwarme - Von Mareike Hahn. Die „Eule“ ist ein Tausendsassa. Ein echter Dorfverein – im positiven Sinne. Seit 25 Jahren widmet sie sich den Themenbereichen Heimat, Umwelt und Kultur und gibt dabei allen Einwohnern von Schwarme die Möglichkeit, sich einzubringen.

Rund 150 sind Mitglied, unzählige mehr nutzen die Angebote rund ums „Eule“-Domizil Robberts Huus. „Wir sind ein sehr vielfältig aufgestellter Verein“, sagt der Vorsitzende Hermann Schröder.

Schröder ist ein Mann der ersten Stunde. Seit der Gründung im Jahr 1992 leitet er den Heimat-, Umwelt- und Kulturverein. Damals bildeten sich in vielen Orten hierzulande Heimatvereine mit dem Ziel, die Ortsgeschichte aufzuarbeiten und die dörflich-ländliche Tradition zu pflegen. „Mit ähnlichen Ambitionen und doch etwas anders“ trafen sich zu dieser Zeit circa 35 Schwarmer im ehemaligen Gasthaus Schmidt, erinnert sich Schröder. Sie wollten neue Akzente im Dorfleben setzen. „Die Interessen waren auf Heimatpflege, Umweltschutz und die Entwicklung eines reicheren kulturellen Angebots gerichtet.“ Wohlgemerkt als Ergänzung der Aktivitäten der bestehenden Vereine, nicht als Konkurrenz.

Der Vereinsvorstand: (von links) Joachim Lühr, Bernd Diekmann, Karin Trautmann, Heike Dormann und Hermann Schröder.

Da die Teilnehmer der Zusammenkunft unterschiedliche Interessen vertraten, beschlossen sie, dies auch im Namen des neuen Vereins deutlich zu machen. Bei einem Wettbewerb setzte sich die Idee von Karin Schröder durch: Heimat-, Umwelt- und KuLturVerein. Innerhalb der „Eule“ bildeten sich sechs Arbeitsgruppen.

Zu den ersten Aktivitäten gehörten laut Hermann Schröder die Organisation einer Wasserdisco im Freibad und der Einbau einer Bühne in der Grundschule, auf der die Theatergruppe des Vereins auftreten konnte. „De Uhlenspeelers“ begeistern bis heute zahlreiche Fans des plattdeutschen Theaters. Dank ihnen ist auch bekannt, warum manche Schwarmer Frauen schwarze statt weiße Unterwäsche tragen. Nämlich? „Weil man sie nicht so oft waschen muss“, sagt Hermann Schröder lachend.

Einige Vereinsmitglieder brachten 1997 unter der Leitung von Erich Hillmann-Apmann eine umfangreiche, noch immer gefragte „Chronik der alten Haus- und Hofstellen“ heraus. Ein kritisches Buch über Schwarme in der Zeit des Nationalsozialismus‘ folgte ebenso wie die Ortschronik „800 Jahre Schwarme – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ 2014.

Robberts Huus war ein Geschenk

Die Umweltgruppe erregte Aufsehen, als sie auf Initiative von Liselotte Kunkel an vielen Straßen im Ort zentnerweise Narzissen pflanzte.

Die Suche nach einem Raum für Kulturveranstaltungen gestaltete sich zunächst schwierig. Bis die „Eule“ 1997, vermittelt vom Ehepaar Karin und Heiner Trautmann, von der kinderlosen Seniorin Gesine Robbert deren Anwesen an der Hoyaer Straße 2 geschenkt bekam. Der Verein verpflichtete sich, das 1695 errichtete Gebäude – genannt Robberts Huus – zu renovieren, zu erhalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Gesagt, getan: Viele Arbeitsstunden und viel Geld flossen in die Sanierung des denkmalgeschützen Hauses. In mehreren Abschnitten wurde das Gebäude unter der Leitung des Architekten Ulrich Dunker umgebaut und renoviert. Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Karin Trautmann denkt zurück: „Man kann sich nicht mehr vorstellen, wie es da zuerst aussah.“ Am 24. Februar 2001 wurde Robberts Huus feierlich eröffnet.

Weitere Gebäude werden von „Eule“ renoviert

Seitdem finden dort regelmäßig Konzerte, Lesungen und die plattdeutschen Theaterabende der „Uhlenspeelers“ statt. Fünf bis zehn Paare heiraten jedes Jahr standesamtlich in dem ehemaligen Bauernhaus, seit zehn Jahren ist es zudem Proberaum des Orchesters „Sinfonietta Aller-Weser“. Auch der Gemeinderat tagt regelmäßig zwischen den alten Mauern. Im Dachgeschoss befindet sich eine Wohnung für die Hausverwalterin Heike Dormann.

Neben dem Haupthaus renovierte die „Eule“ nach und nach weitere Gebäude auf dem zentral in Schwarme gelegenen Grundstück, darunter 2005 das Backhaus, in dem im Sommer regelmäßig Butterkuchen für die beliebten Backtage gebacken wird. Auch dort können Verliebte sich das Ja-Wort geben.

Die Ideen gehen dem Verein nicht aus

Die Ideen gehen dem Heimat-, Umwelt- und Kulturverein bis heute nicht aus. So hat er jüngst ein altes Transformatorhaus an der Straße Im Fleut übernommen, das ein Nistplatz für Vögel werden soll. Außerdem ist geplant, ein offenes Bücherregal in eine Remise auf dem Grundstück von Robberts Huus zu integrieren. Und aktuell wird auf Initiative von Hermann Schröder ein Lokalkrimi namens „Monaco ermittelt“ in Schwarme gedreht – samt Mord in Robberts Huus.

„In den kommenden Jahren wird sich die ,Eule‘ verstärkt um Mitmachangebote für Kinder und Familien bemühen“, sagt Schröder, der bisher nicht ans Aufhören denkt. Der Verein könne durchaus noch mehr junge Mitglieder vertragen. Um diese Zielgruppe anzusprechen, spielt Schröder schon länger mit dem Gedanken, mal ein Rockkonzert zu organisieren.

Ausflug statt Fest zum Jubiläum

Finanziell ist der Verein nach Schröders Angaben gut aufgestellt. „Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, unabhängig zu sein. Die kulturellen Veranstaltungen müssen sich unter dem Strich tragen.“ Die Mitgliedschaft kostet 20 Euro pro Person im Jahr, Familien zahlen 35 Euro.

Das Jubiläum feiert der Schwarmer Verein übrigens im August: „Wir haben letztes Jahr bei der Jahreshauptversammlung beschlossen, kein Fest auszurichten, mit dem Arbeit verbunden ist, sondern einen Ausflug zu machen“, erzählt der Vorsitzende. Es geht zum „Europäischen Fachzentrum Moor und Klima“ in Wagenfeld und an den Dümmer.

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