Festakt am Pfingstsonntag

Bischöfin weiht Schweringer Glocke: Ein Echo auf die Geschichte

Landesbischöfin Dr. Petra Bahr und Professor Dr. Thorsten Albrecht enthüllen vor der Kreuzkirche in Schweringen die Skulptur „Hörmal“. Foto: Horst Friedrichs
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Landesbischöfin Dr. Petra Bahr und Professor Dr. Thorsten Albrecht enthüllen vor der Kreuzkirche in Schweringen die Skulptur „Hörmal“.

Schweringen – „Hörmal“ heißt das Kunstwerk. Und wie man hineinruft, so schallt es heraus: Vor der Schweringer Kirche steht jetzt die mannshohe quaderförmige Skulptur, aus gemahlenem Klinker gebrannt und mit einem ganz speziellen akustischen Effekt. Am Pfingstsonntag wurden der quaderförmige Monolith und die künstlerisch neugestaltete Glocke eingeweiht. Letztere war zuvor wegen einer Gravur aus ihrem Entstehungsjahr 1934 stillgelegt worden. Die Einweihung vollzog Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr wegen der derzeitigen Corona-Krisensituation im Rahmen eines kleinen nichtöffentlichen Festakts vor geladenen Gästen.

Die rote Steinskulptur enthält einen „Schalltrichter“ in seitenverkehrter Form. In die obere Hälfte des Quaders wurde jener Trichter eingearbeitet, der an die Gussform der Glocke erinnert. Damit schufen die Nürnberger Künstler Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler ein Werk, das den Betrachter zur Aktion ermuntert. Landesbischöfin Petra Bahr aus Hannover und Nienburgs Superintendent Martin Lechler probierten es am Pfingstsonntag gleich einmal aus und staunten über den Klang ihrer Stimme, der aus dem steinernen Trichter zurückkam.

Nun haben alle Einwohner Schweringens die Möglichkeit, den Vorplatz der Kreuzkirche aufzusuchen und einen eigenen Hörtest am Hörmal zu unternehmen – ob mit gesprochenem Wort, mit lautem Rufen oder auch mit Gesang. Sicher ist jedem ein Echo. Eher kurz und bündig klingt es, nicht so weithallend wie in den Bergen, aber nichtsdestoweniger Freude auslösend – zugleich als Bestandteil der künstlerischen Intention, den Betrachter aufzufordern, seine Position zur Geschichte zu bedenken.

Vor kleinem Publikum enthüllten die Regionalbischöfin und Professor Dr. Thorsten Albrecht, Leiter des Kunstreferats der Landeskirche Hannover, das Hörmal, das den offiziellen Titel „Piaculum“, lateinisch für Versöhnungsmittel, trägt. Professor Albrecht ging in seiner Festansprache auf die Entscheidungsfindung der Jury ein, die sich unter seiner Leitung einstimmig für das Werk des Künstler-Duos „Arnold+Eichler“ entschieden hatte. In einem kurzen Vortrag erinnerte Hannes Arnold daran, dass auch Steine, die Schweringer Einwohner beigesteuert haben, in der Skulptur enthalten seien.

Nachdem Pastorin Tineke Jarecki den Festgottesdienst eingeleitet hatte, weihte Regionalbischöfin Bahr die erneuerte Glocke. Danach erklang die von den Künstlern neu gestaltete Glocke im Turm der Kreuzkirche zunächst allein. Anschließend stimmten die beiden jüngeren Glocken mit ein, und so durften die Schweringer zum ersten Mal wieder den vollen Klang des Kirchengeläuts erleben.

Christiane Noltemeier, Vorsitzende der Kapellengemeinde Schweringen: „Wir haben deshalb vorher alle aufgerufen, die Fenster am Nachmittag des Pfingstsonntags weit zu öffnen.“

Schweringen sei ein völlig normales Dorf, betonte Regionalbischöfin Bahr in ihrer Predigt. „Lasst uns miteinander wachsam sein, wenn wieder Menschen meinen, die ganze Welt gewinnen zu wollen“, rief sie der Gemeinde zu und nahm Bezug auf den biblischen Vers aus dem Neuen Testament (Matthäus-Evangelium 16,26): „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“, mit dem die Künstler die Glocke neu gestalteten. „Die Kirche kann ein Ort der Flucht in die Zuversicht sein“, sagte die Bischöfin.

„Das eigentlich zur Einweihung vorgesehene Gemeindefest wird später stattfinden, sobald es die krisenbedingte Lage erlaubt“, kündigte Christiane Noltemeier am Rande der Einweihungsfeier im Gespräch mit der Kreiszeitung an. In der Zwischenzeit, so Noltemeier, fertige ein Arbeitskreis eine Infotafel zur Kirchengeschichte und zur Geschichte der nunmehr erneuerten Schweringer Glocke an. Während des für später geplanten Gemeindefests soll dann die Einweihung der Infotafel stattfinden.

Filmaufnahmen von Hartmut Riepe, der die Einweihung am Pfingstsonntag mit seiner Kamera begleitete, sind unter seiner Webadresse „TV2020.de“ zu sehen.

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