Ältestes Motiv von 1750

Eberhard Schumann sammelt die Geschichte der 29 Mühlen in Bruchhausen-Vilsen

Schwarz-weiß Aufnahme, Säcke aus Mühle werden auf Pferdegespann geladen.
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Ein Bild aus der Zeit, als die Süstedter Mühle noch als solche genutzt wurde. Im Buch von Eberhard Schumann finden sich viele historische Aufnahmen.

Br.-Vilsen – Die Fehsenfeldsche Mühle in Martfeld oder die Behlmer Mühle in Engeln sind über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Was vermutlich die Wenigsten wissen: Früher gab es auf dem Gebiet der heutigen Samtgemeinde 29 Wasser- und Windmühlen. Eberhard Schumann schreibt gerade ein Buch über sie. Im Sommer soll das rund 400 Seiten starke Werk fertig sein.

„Es ist kein Buch für Fachleute“, erklärt Eberhard Schumann die Zielsetzung. „Es ist garniert mit persönlichen Geschichten, leicht zu lesen und spannend aufgebaut.“ Seine Informationen hat Schumann von den Nachfolgern oder Verwandten der ehemaligen Besitzer oder Müller. „Teilweise wohnen sie gar nicht mehr in der Region. Die Entferntesten leben in Osnabrück und der Uckermark.“

Diese Recherche-Arbeit war für ihn im vergangenen Jahr ein Vollzeit-Job. Zu den Mühlenkundigen in der Region ist er hingefahren und hat ihre Kindheitserinnerungen und Anekdoten aufgeschrieben. Aber nicht nur das: Zu jeder einzelnen Mühle liefert das Buch Hintergrundinformationen. Eberhard Schumann ist Fragen zu Besitzern, Müllern und Verwaltern nachgegangen und hat Informationen darüber gesammelt, was mit der Mühle passierte. Pro Bauwerk plant er, 15 Seiten zu füllen. Neben den Texten garnieren viele alte und nicht ganz so alte Aufnahmen das Buch. Schumann: „Es sind viel Bilder dabei, die man nicht kennt.“ Sie stammen von seinen Informanten oder aus Schumanns eigenem umfangreichen Archiv. Seit 1977 ist er als Fotokünstler tätig.

Vorgenommen hatte er sich, ein Buch zu verfassen über die restaurierten Mühlen und die, die noch eine Bausubstanz haben. „Da wollte ich aufhören, doch dann habe ich Blut geleckt und gedacht, es gibt auch noch die verschwundenen Mühlen.“ Nun werden auch diese in dem Buch gewürdigt.

Seine Nachforschungen haben ergeben, dass es sieben restaurierte Mühlen gibt und neun mit vorhandener Bausubstanz, das heißt, sie sind als Mühle erkennbar, haben aber die Funktion nicht mehr. 13 Mühlen sind im Laufe der Zeit von der Bildfläche gänzlich verschwunden. „Es war positiv grausam, das alles zusammenzusuchen“, so Schumann zu den aufwendigen Recherchen. Vom Umfang her werden die verschwundenen Mühlen den kleineren Teil des Buches füllen.

Trotzdem haben diese Seiten ihre Hingucker. Die Mühle von Köster in Retzen wurde 1824 gebaut und 1876 abgerissen. Die damals zwölfjährige Anja Köster malte sie. Es ist das einzige bekannte Bild der Anlage. Ebenfalls einen Platz im Buch hat die Heidmühle in Schwarme gefunden. „Sie stand genau an der Grenze zu Thedinghausen“, weiß Schumann.

Einen entsprechend großen Raum nimmt die Vorstellung der Erbauer der Mühlen und Techniker ein. Laut Schumann war die Firma Fahlenkamp auf dem Gebiet sehr aktiv. Bei seinen Nachforschungen habe er jedoch auch festgestellt: „Chroniken stimmen nicht immer.“

Besonders wird das Buch auch durch eine Landkarte im Anhang. Auf ihr sind alle 29 Mühlen eingezeichnet. Die Gemeindegrenzen von vor 1974, dem Gründungsjahr der Samtgemeinde, dienen als Orientierungshilfe. In dieser Karte sind außerdem alle alten Siedlungsnamen notiert. „Jeder Ort, auch wenn er nur aus zwei Häuser besteht“, so Schumann. Teilweise gehen die Bezeichnungen auf das 13. Jahrhundert zurück. Diese Karte hat Eberhard Schumann in langwieriger Kleinarbeit am Computer zusammengestellt. Dazu hat der Autor zwei Karten digital übereinandergelegt. Eine stammt von 1945 und die weitere vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Neben der Karte hat Schumann auch alle anderen Seiten und Elemente gestaltet. Wie viele hundert oder gar tausend Stunden er bis jetzt in dieses Buchprojekt investiert hat, habe er nicht gezählt.

Im Sommer soll das Buch über die Mühlen in der Samtgemeinde gedruckt werden – die einzige Leistung am Gesamtwerk, die der Verfasser nicht selbst erbringt. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun: die Mühlen-Bildergeschichte von Wilhelm Busch beispielsweise soll einen Platz in diesem Werk finden. Genauso wie das vermutlich älteste Bilddokument, eine Mühlenzeichnung aus dem Jahr 1750.

Der Verkauf soll über den lokalen Buchhandel und die Kreiszeitung erfolgen. Sollte es den Brokser Heiratsmarkt in gewohnter Form geben können, wird Eberhard Schumann sein Buch auch an seinem Stand anbieten.

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