Vorwürfe gegen Nabu, BUND und Politik

Düngeverordnung: Regelungen behindern Eule, Bussard und Co. bei der Futtersuche

Eine verendete Schleiereule: Kürzlich fand ein Asendorfer das verhungerte Tier auf seiner Terrasse.
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Eine verendete Schleiereule: Kürzlich fand ein Asendorfer das verhungerte Tier auf seiner Terrasse.

Asendorf/Stuhr –  Das Eulensterben sowie der Fund einer verendeten Schleiereule in Asendorf sorgte für eine rege Diskussion unter dem Facebook-Beitrag der Kreiszeitung. Im Fokus stand dabei die neue Düngeverordnung, die Landwirte dazu verpflichtet, ihre Misthaufen abzudecken. Außer dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellten Leser auch die Politik dafür an den Pranger, „die den Landwirten immer mehr, völlig übertriebene Auflagen verpasst“, heißt es in einem Kommentar.

Auch Landwirt Volkmar Katenkamp aus Stuhr beteiligt sich an dieser Diskussion. Er kenne das Problem mit der neuen Düngeverordnung nur zu gut. Im Gespräch verrät er, inwiefern deren Regelungen auf das Leben der Eulen und Greifvögel Einfluss nehmen.

Wie die Kreiszeitung kürzlich berichtete, hatten diese Tiere aufgrund des Wintereinbruchs und der dicken Schneedecke kürzlich Probleme, Beute zu finden. Einige von ihnen sind daher kläglich verhungert. Diese Tatsache bestätigte ein Fund eines Asendorfers, der auf seiner Terrasse eine verendete und völlig abgemagerte Schleiereule entdeckte.

Mäuse, die die Hauptnahrung der Tiere ausmachen, seien aber nicht nur aufgrund der Witterungsverhältnisse Mangelware gewesen. Eine weitere Begründung für deren aktuell geringen Bestand sei, dass tierische Hinterlassenschaften aus den Ställen hermetisch abgeriegelt und quasi doppelt gesichert gelagert werden müssen, hieß es in einem weiteren Kommentar. Ein Misthaufen sei „ein gedeckter Tisch während des Winters“ für Nager und somit auch für Greifvögel. Dieser Meinung ist auch Landwirt Volkmar Katenkamp. „Seit Anfang 2020 müssen fast alle Misthaufen abdeckt werden“, sagt er.

Grund dafür sei die mögliche Versickerung des Nitrats, welches sich im Mist befindet, in das Grundwasser. Deswegen habe der Stuhrer nun auch seinen Misthaufen mit einem Vlies abdecken müssen. „Das ist fatal, denn darunter tummeln sich geradezu die Mäuse und Ratten. Doch durch die Abdeckung kommen Eule, Bussard und Co. nicht an sie heran.“ Seiner Meinung nach würden die meisten Landwirte diesbezüglich jedoch sowieso mitdenken und den Haufen jedes Jahr an einer anderen Stelle oder auf der Mistplatte auf dem Hof auffahren. So könne das Risiko für eine Versickerung minimiert werden.

Darüber hinaus seien auch die Sperrzeiten für die Ausbringung organischer Düngemittel in die Feldflur länger geworden, merkte ein anderer Leser an. Nach Angaben von Volkmar Katenkamp gebe es aktuell eine gesetzliche Sperrzeit vom 1. Dezember bis zum 15. Januar. „In dieser Zeit herrscht absolute Vegetationsruhe. Dann passiert in der Natur relativ wenig und die Pflanzen nehmen keine Nährstoffe auf, stattdessen würden diese bei einer Düngung dann ins Grundwasser gelangen“, erklärt er.

Abgedeckt mit einem Rübenvlies: Darunter tummeln sich laut Angaben von Landwirt Volkmar Katenkamp Mäuse und Ratten. Doch Greifvögel hätten keine Chance, diese zu erwischen.

Darüber hinaus dürfe auch kein Mist auf die Felder gefahren werden, wenn eine geschlossene Schneedecke den Boden überziehe oder dieser vereist sei. Diese Maßnahme wirkt sich jedoch negativ auf die Futtersuche von Vögeln aus. „Früher wurde im Winter Mist aufs Feld gefahren. Da gab es dann Futterreste und Insekten zu fressen“, erläuterte ein Leser das Thema in seinem Facebook-Kommentar. Die Tiere hätten sich vor der strengeren Regelung noch die restlichen Körner und Würmer herauspicken können, um im Winter zu überleben, so der Stuhrer Landwirt.

Sein Lösungsvorschlag: „Es muss Ausnahmen geben, die uns Landwirten das Leben mit der Natur ermöglichen.“ Beispielsweise solle das Auffahren von Mist auf die Felder bei einer Schneedecke möglich gemacht werden, damit die Vögel wieder etwas zu fressen finden. „Der Gesetzesgeber fordert sterilen Mist, dieser schadet der Natur allerdings eher, als dass er etwas bringt. Die Gesetze werden an der Praxis vorbei gemacht.“

Um den Tieren beim Überleben im Winter zu helfen, brachte ein Leser das Anlegen von Mäuseburgen in die Diskussion ein. „Bei Schneelage wird rundherum unter Kieferngeäst Weizen ausgebracht. Die Mäuse wollen an den Weizen und die Greife kommen an die Mäuse. Das hilft den Kleintieren und den Tag- und Nachtgreifen“, erklärte er. Volkmar Katenkamp hält von dieser Idee allerdings nicht viel. „Mäuse sind nicht doof. Die sitzen jetzt alle unter den abgedeckten Misthaufen, fressen dort und sind geschützt.

Sie ziehen diesen Standort sicherlich einer Mäuseburg vor, bei der sie schnell Beute eines Greifvogels werden.“ Wenn es um Hilfe für die Tiere geht, seien ihm momentan die Hände gebunden. „Wir füttern die Vögel – wie viele andere in ihrem Garten wahrscheinlich auch – und lassen ein Fenster im Stall offen, damit Eulen dort Schutz finden können. Aber nahrungstechnisch haben sie es genauso wie Bussarde und Füchse momentan schwer“, sagt er.

Neben der Politik gerieten auch der Nabu sowie der BUND bei den Lesern ins Kreuzfeuer. Einige meinten beispielsweise, dass es ebenso das Verschulden der beiden Organisationen sei, dass es keine zugänglichen Misthaufen mehr gebe. Andere behaupteten, dass der Nabu sowie der BUND zu viel Einfluss auf das Bundesumweltministerium nehmen könnten und dass sie keine Zusammenhänge verstehen würden. Zudem warf ein Leser den beiden Organisationen vor: „Hauptsache es gibt Spendengelder!“.

Karin Bellingrodt, Vorsitzende der BUND Kreisgruppe Diepholz, rechtfertigt auf Nachfrage: „Jeder tut sein Bestes, und der Job des Landesverbands Hannover ist es nun mal, für die Natur das Beste herauszuholen.“ Darüber hinaus seien auch nicht die Misthaufen der Grund dafür, warum Eulen und Greifvögel keine Nahrung gefunden hätten, sondern die allgemein geringe Mäusepopulation in diesem Jahr: „Im vergangenen Winter konnte man noch etliche Mäuselöcher überall im Boden entdecken, momentan sieht man jedoch kaum eines.“

Als es um die Spendengenerierung ging, meint sie zudem, dass diese sehr wichtig für die Organisation sei, um überhaupt Aktionen starten zu können. Dem stimmt Ornithologe Jürgen Behrens zu, der sich für den BUND sowie den Nabu engagiert und in dem vorangegangenen Artikel bereits zu Wort kam. „Ohne Spenden könnten keine Flächen gekauft werden, auf denen sich die Natur erholen kann.“

Er ist auch der Meinung, dass die Umweltverbände verstärkt angegriffen werden, da diese Forderungen stellen würden, die in das Metier der Landwirte eingreifen. Weiterhin spricht Jürgen Behrens den „Niedersächsischen Weg“ an, eine Vereinbarung, die Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie Natur- und Umweltverbände getroffen haben. In diesem Vertrag verpflichten sich alle Beteiligten zu großen Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Ressource Landschaft. „Da gibt es bereits sehr gute gemeinsame Ansätze“, hebt er hervor.

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