Drei Stunden Blues mit Dreifach-Premiere

„Martfeld Blues Band“ spielt energiegeladen in der „Kastanie“

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Zum Jahresausklang sorgte die „Martfeld Blues Band“ (MBB) in der „Kastanie“ in Hollen einmal mehr für Stimmung (von links): Willy Blank-Toppe, Joachim von Lingen, Alasdair Paterson und Horst Ziegler sowie am Mikrofon Norbert Ohrt.

Hollen - Von Horst Friedrichs. Wenn der Boden bebt, und die Balken vibrieren – ja, dann ist MBB-Time in der „Kastanie“ in Hollen. Am Freitagabend war es wieder so weit: Die Vollblutmusiker der „Martfeld Blues Band“ zündeten erneut ihre Sound-Rakete und bewiesen gewohnt energiegeladen, dass sie nicht nur den Blues, sondern auch den dazugehörigen Rhythmus im Blut haben.

Und wenn nötig, liefern sie sogar einen lupenreinen Dreivierteltakt ab. Das war am Freitag der Fall, als „Kastanien“-Inhaber Erwing Rau „Que será, será“ sang. Die Musiker unterstützten ihn als Begleitband der Zeilen, die auf Deutsch „Was sein wird, wird sein“ bedeuten. In seiner Begrüßung vor vollem Haus mit mehr als hundert Gästen blickte Erwing Rau zugleich in die Zukunft: Im April werde für seine Ehefrau Barbara Stadler und ihn die Zeit in der „Kastanie“ zu Ende gehen.

Die Band sorgte für Blues-Bewältigung und schaffte es, die Stimmung innerhalb der Fachwerkwände des altehrwürdigen Hauses abermals in den gewohnt hohen Wellengang zu versetzen. Mit dem vertrauten Opener „Riders On The Storm“ begann das Drei-Stunden-Programm der Band. Auch nach dieser Zeit zeigte sich, dass ihre und die Energie des Publikums auf den zum Tanzen leergeräumten Bodenbrettern noch lange nicht verbraucht waren.

Sänger lässt sich von Multipler Sklerose nicht bremsen

Ohne zwei Zugaben ließen die begeisterten Zuhörer und Tänzer die Band, bestehend aus Willy Blank-Toppe (Gitarre), Norbert Ohrt (Gesang), Alasdair Paterson (Schlagzeug), Horst Ziegler (Bass), Joachim von Lingen (Keyboard) und René Gebauer (Harfe, Gesang), nicht davonkommen. Solchermaßen überredet, beschlossen die Musiker den Abend mit „Country Morning“ und „Going Down“. 

Den letzteren Titel setzte Sänger Norbert Ohrt in Bezug zur Multiplen Sklerose, an der er seit 30 Jahren leidet: „Mit MS geht es immer abwärts, nie aufwärts.“ Dass er sich dennoch nicht unterkriegen lässt und seinen Part als Sänger der MBB mit ungebrochenem Elan ausfüllt, zeigte er am Freitag von Neuem. Zugleich blickte der Bremer Norbert Ohrt, der seit 30 Jahren Martfelder ist, auf 50 Jahre als Sänger zurück: „Mit 15 habe ich angefangen.“

Spezialsitz mit Raketenbauteil

Eine Dreifach-Premiere gab es in der „Kastanie“ auch noch: Drei neue Stücke der „Martfeld Blues Band“, „Burlesque“ von Family, „Goin’ Up The Country“ von Canned Heat und „Sunshine Of Your Love“ von Cream, wurden vom Publikum mit Fast-Endlos-Applaus aufgenommen. Entsprechend belohnt wurden auch all die anderen Erfolgstitel der MBB, darunter das eigene Stück „Take Me To The Moon“, das auf „Ariane“ gemünzt ist, wie sie den Spezialsitz mit Mikroständer nennen, den sie für Norbert Ohrt bauten – aus einem Originalteil der Trägerrakete Ariane 1. Der Vater eines der Bluesmusiker, beschäftigt beim Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern „Messerschmitt-Bölkow-Blohm“, hatte es mit nach Hause gebracht.

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