Auftritt in Hollen

Drei Künstler, drei Liederzyklen

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Barbara Hache (links) und Mezzosopranistin Gabriele-Betty Klein standen als Zofe und „Madame“ auf der Bühne der „Kastanie“.

Hollen – Einen anspruchsvollen und intensiven, nicht alltäglichen Musikgenuss beinhaltenden Abend bot die Kulturplattform Martfeld anlässlich des zweiten Konzerts ihrer diesjährigen Klassik-Reihe an. Frauke Toppe, Vorsitzende der Kulturplattform, begrüßte dazu neben der Mezzosopranistin Gabriele-Betty Klein, dem Pianisten Moshe Landsberg und der als Puppenschwester bekannten Barbara Hache am Sonntagabend etwa 70 Gäste in der voll besetzten „Kastanie“ in Martfeld-Hollen. Das aus drei Liederzyklen von Maurice Ravel, Gustav Mahler und Hector Berlioz bestehende Programm des Liederabends erlebte in der „Kastanie“ seine Premiere. Es stellte sich als maßgeschneidert für den Mezzosopran dar.

Da die meisten der vorgetragenen Lieder auf Französisch gesungen wurden und die Verantwortlichen den Zuhörern nicht einfach eine deutsche Übersetzung in die Hände drücken wollten, haben sie sich entschlossen, einzelne Szenen durch ein entsprechendes Bühnenbild visuell zu untermalen, erklärte die aus Martfeld stammende Sängerin. Ein, wie sich im Verlauf des Abends zeigte, durchaus gelungener Ansatz, zu dem sie Barbara Hache aus Martfeld gewonnen hatte, die nicht nur für die farbenprächtige Kulisse im Salon von „Madame“ zuständig war, sondern in kurzen Dialogen mit „Madame“ als deren Zofe auch manch Erhellendes zu den jeweiligen Liedern beitrug.

Zum Auftakt entführten die Künstler das Publikum mit dem sich aus den Liedern „Asié“ (Asien), „La flúte enchantée“ (Zauberflöte) und „L’indifferent“ (Der Gleichgültige) zusammensetzenden Zyklus „Shéhérazade“ des französischen Komponisten Maurice Ravel (1875-1937) in die Geschichtenwelt von Tausendundeiner Nacht. Schon an dieser Stelle machte die Sängerin mit ihrer schönen und wandlungsfähigen, über einen großen Umfang verfügenden Stimme deutlich, weshalb sie schon seit 25 Jahren ein Engagement im NDR-Chor in Hamburg innehat. Moshe Landsberg begleitete sie am Klavier. Der Professor an der Hochschule für Musik in Hamburg, mit dem Gabriele-Betty Klein schon wiederholt aufgetreten ist, ließ wie sie musikalisch keine Wünsche offen.

Nach einer Pause wurde das Konzert mit den zwischen 1884 und 1885 komponierten „Liedern eines fahrenden Gesellen“ fortgesetzt. Der österreichische Komponist und Dirigent Gustav Mahler (1860-1911) hatte seinerzeit vier Gedichte vertont, die von ihm aus Anlass einer nicht erwiderten Liebe zu der Sopranistin Johanna Richter verfasst worden waren. Die Werke schildern die Gedanken eines Gesellen, der in der Zeit der Wanderschaft eine unglückliche Liebe aufarbeitet und geben mit Titeln wie beispielsweise „Wenn mein Schatz Hochzeit macht“ oder „Die zwei blauen Augen von meinem Schatz“ dessen Stimmungslage wieder. Der inzwischen in schlichtem Schwarz auftretenden Sängerin gelang es hervorragend, genau diese einzufangen und zum Ausdruck zu bringen.

Den Abschluss des Konzerts lieferten der aus sechs Liedern bestehende Zyklus „Sommernächte“ (Les Nuits d’eté) des französischen Komponisten Hector Berlioz (1803-1869), in dem es thematisch ebenfalls um die Liebe geht, vom fröhlich verspielten Beginn, vom Tod des Geliebten, von der Trauer und schließlich der Bereitschaft, sich wieder neu zu verlieben. Zwischen den einzelnen Liedern las Barbara Hache aus Briefen des Verflossenen. Auch an dieser Stelle wusste Gabriele-Betty Klein erneut stimmlich sowie mit behutsam eingesetzter Gestik und Mimik zu überzeugen.

War der Beifall des Publikums zunächst noch etwas verhalten ausgefallen, setzte nach dem letzten Lied doch lautstarker, langanhaltender und nach einer Zugabe verlangender Applaus ein, die mit dem Lied „L’île inconnue“ aus den „Sommernächten“ auch bereitwillig gewährt wurde.

Egbert Oest von der Kulturplattform, der nebenbei auch Pianist Landsberg assistiert hatte, zeigte sich hinterher – ebenso wie die befragten Besucher – angetan von der ausgezeichneten Darbietung der Akteure und der prächtigen Stimmung in der „Kastanie“. Auch die nach Konzertschluss sichtlich gelöste Gabriele-Betty Klein zog ein positives Fazit, nicht zuletzt wegen des nach ihren Worten liebevollen Publikums. Davon, dass sie, wie sie verriet, den ganzen Abend mit einer erkältungsbedingten Heiserkeit zu kämpfen gehabt hatte, war jedenfalls während des sehr gelungenen Auftritts nichts zu spüren.

Das nächste Konzert:

Die dreiteilige, klassische Musikreihe der Kulturplattform Martfeld schließt am Sonntag, 12. Januar, mit einem Neujahrskonzert mit Sektempfang. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr in der Gaststätte „Zur Post“ (Kleinenborstel 7) . Auf der Bühne steht das Streichquartett „Northern Lights“. Karten gibt es ab Montag im Vorverkauf für 15 Euro bei der Geschäftsstelle Martfeld der Kreissparkasse an der Hauptstraße.

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