Reiner Dietz hat fast 40 Jahre in der Polizeistation Bruchhausen-Vilsen gearbeitet

Der „Dorfsheriff“ geht in den Ruhestand

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Reiner „Lui“ Dietz verbringt gerne Zeit im Garten. 

Br.-Vilsen/Hoyerhagen - Von Mareike Hahn. Reiner „Lui“ Dietz war nie einer dieser Polizisten, die jedes noch so kleine Vergehen mit aller Härte ahnden. „Man muss auch mal alle Fünfe gerade sein lassen“, sagt der 63-Jährige. Für ihn steht die Menschlichkeit im Vordergrund. „Ich wollte ein Freund und Helfer sein. Wenn sich Oma Müller bei mir bedankt hat, bin ich zufrieden nach Hause gefahren.“ Am Dienstag geht Bruchhausen-Vilsens „Dorfsheriff“ in den Ruhestand. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn er Bilanz zieht: „Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht.“

„Das war doch der Ernst“, sagt Dietz und schüttelt gespielt missbilligend den Kopf. Ernst Garlisch, Vorsitzender des Turnvereins Bruchhausen-Vilsen und einstiger Tennispartner des Polizisten, hat der Presse den Tipp gegeben. Dabei wollte Dietz doch eigentlich gar kein großes Aufheben von seinem Abschied machen. „Ich hab es immer so gehalten, dass ich nicht im Mittelpunkt stand“, sagt der Hoyerhäger, der bis heute in seinem Heimatort wohnt. Dazu gehörte für ihn auch, unaufgeregt und ohne viel Wirbel seinen Job zu erledigen.

Als Dietz 1972 den Realschulabschluss in der Tasche hatte, suchte die Polizei gerade Leute. „Das war die Baader-Meinhof-Zeit. Da gab es große Anzeigen in der Zeitung. Neue Polizisten sollten gleich 642 Mark Gehalt kriegen, damals viel Geld“, erzählt der 63-Jährige. „Der Beruf hat mich interessiert, ich hab mich beworben und wurde angenommen.“

Nach der siebenmonatigen Grundausbildung in Hannoversch-Münden war Dietz zwei Jahre bei der Bereitschaftspolizei in Hannover. „Dann hatte ich das Glück, nach Syke zu kommen.“ Weitere zwei Jahre später, am 1. April 1978, wechselte er nach Bruchhausen-Vilsen. Und blieb bis heute. „Da wollte ich nicht mehr weg.“

Fast in Berlin hängen geblieben 

Nur Anfang der 80-er, da war er doch mal weg, für ein paar Monate. Solange arbeitete Dietz in Berlin in einer Fahndungsgruppe am Bahnhof Zoo mit. „Eine schöne Zeit“, sagt der Vater zweier Kinder. „Fast wäre ich da hängen geblieben. Ich habe einen Versetzungsantrag gestellt, ihn dann aber doch wieder zurückgezogen. Der Innensenator konnte mir nicht garantieren, dass ich genau bei meiner Truppe bleiben könnte.“ Also ging Dietz zurück nach Bruchhausen-Vilsen. „Das hab ich nie bereut.“

Weil ihm sein Beruf Freude bereitet, ist Dietz nicht, wie bei der Polizei üblich, mit 62 in Rente gegangen, sondern hat noch ein Jahr drangehängt. „Viele sagen: ,Wenn du im Ruhestand bist, dann hast du‘s geschafft.‘ Aber wenn ich ganz ehrlich bin, fällt mir der Abschied schon schwer. Ich bin immer gut mit den Leuten ausgekommen.“

Die Leute wird Dietz am meisten vermissen. „Wenn man fast 40 Jahre in einer Samtgemeinde gearbeitet hat, kennt man jeden Hans und Franz“, sagt er. „Auch die Strolche.“ Seine Bekanntschaften hätten ihm in vielen beruflichen Situationen geholfen. „Selbst wenn ich mal mit Randalierern zu tun hatte: Ich konnte immer alles mit Worten und Gesabbel regeln.“ Wichtig sei, auf die Leute zuzugehen, statt sie „anzuscheißen“.

„Nur am Schreibtisch zu sitzen, wäre nichts für mich“

Im Mittelpunkt der Arbeit des Bruchhausen-Vilser Teams stehen Körperverletzungen, Verkehrsunfälle, Streitigkeiten und Hilfeleistungen. „Wenn das Telefon geklingelt hat, mussten wir los. Nur am Schreibtisch zu sitzen, wäre nichts für mich.“

Am schlimmsten fand Dietz immer die Unfälle mit tödlichem Ausgang: „Wenn ein Mensch sein Leben lassen muss, geht einem das schon nah. Gott sei Dank ist das nicht an der Tagesordnung.“

Mit dem Geschehen in Kriminalfilmen hatte sein Berufsalltag nicht viel zu tun, sagt Dietz und spricht vom „Tatort-Quatsch“. „Deshalb guck ich auch nicht gerne Krimis“, ergänzt er. „Nur das ,Großstadtrevier‘ ist ein bisschen lustig.“

Der Beruf des Polizisten habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Allein schon die ganze Technik. „Früher sind wir mit einem Käfer durch die Gegend gefahren, und Funkgeräte gab es nicht.“

Zukünftige Frau rausgewunken 

Auf Streife lernte er übrigens auch seine Frau kennen. „Wir fuhren durch den Ort. Ich hab sie gesehen, und sie hat mir gefallen. Ein hübsches Mädchen. Wir sind hinterhergefahren, Kelle raus, und dann wusste ich, wer sie war.“ Mittlerweile sind die Zwei über 30 Jahre verheiratet.

Im Ruhestand wird Dietz mehr Zeit für seine Ehefrau haben. Zusammen mit einem befreundeten Paar fahren die beiden schon lange im Sommer regelmäßig nach Österreich an den Achensee. „Wandern und Obstler trinken“, sagt Dietz und lacht. Er hat sich vorgenommen, künftig auch mal im Winter dort Urlaub zu machen.

Ansonsten will er die neu gewonnene Freizeit für sein großes, liebevoll angelegtes Grundstück nutzen. „Andere gehen in die Kneipe, ich gehe in den Garten.“ Und er plant, oft Rad zu fahren, „sicher auch mal nach Vilsen und Asendorf“. Außerdem gehört Dietz dem Klub „Werder-Freunde Hoyerhagen“ an, die Mitglieder gucken zusammen Fußball. Auch einen kleinen Nebenjob will sich Dietz suchen. Am liebsten als Aushilfsfahrer. „Durch die schöne Landschaft zu fahren, macht mir einfach Spaß.“

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