Spenden für das Ahrtal

Handwerksmeister Stefan Jacob und Dorfgemeinschaft Uenzen unterstützen Kita im Ahrtal

Ernteumzug
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Einen Ernteumzug haben sich die Uenzer trotz Pandemie nicht nehmen lassen. Die Erntekrone versteigerten sie zugunsten der Fluthilfe an der Ahr.

Uenzen – Aus den überregionalen Nachrichten ist das Thema Eifelflut weitgehend verschwunden. Ausgestanden sind die Folgen der Katastrophe aber nicht. „Noch lange nicht“, sagt Stefan Jacob aus Uenzen. Er weiß es aus erster Hand. Der Handwerksmeister war vor sechs Wochen an der Ahr, um zu helfen. Und er fährt an diesem Wochenende wieder hin. An Bord seines Kastenwagens hat er dann auch einen Umschlag voll Geld.

„Mit Sachspenden können die Leute da nicht viel anfangen“, sagt er. „Davon wurde so viel gespendet, dass sie immer noch nicht alle Kartons ausgepackt haben. Sie haben in den zerstörten Gebäuden einfach keinen Platz dafür“, schildert er seine Eindrücke. Bei seinen Nachbarn und Freunden in Uenzen haben sein Arbeitseinsatz und seine Erlebnisse eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Auf einem spontan eingerichteten Konto haben sich bisher 1 100 Euro angesammelt. „Das spenden wir dem Kindergarten St. Mauritius“, heißt Jacobs Vorschlag.

„Die Kita ist komplett abgesoffen“, erzählt Stefan Jacob und bemüht sich nicht, für die Folgen der Flut feine Worte zu finden. Selbst Vater weiß er, dass die Spende aus Uenzen eine sinnvolle Verwendung finden wird. Das Umfeld dieser Kita hat er im August persönlich kennengelernt.

In der größten Not mit anzupacken, diesen Gedanken hatte er bereits, als er die ersten Bilder von der Katastrophe sah, erzählt er. Hin- und hergerissen zwischen unmittelbarer Hilfsbereitschaft und dem Wissen, dass unkoordinierte Hilfe mehr schaden als nützen kann, hat er etwas Zeit verstreichen lassen, ist dann aber doch auf eigene Faust los. Die öffentlichen und offiziellen Stellen fand er seinerzeit nicht besonders hilfreich, um einen Helfer wie ihn einzusetzen. Er hat sich vor Ort durchgefragt und ist in der Gemeinde Gimmigen gelandet. Oberhalb der Ahr gab es eine funktionierende Infrastruktur. Seine Hilfe war willkommen, erzählt er.

„Ohne Verteilung geht nichts“, war dem Elektriker schon bei den ersten Bildern im Fernsehen klar. Sein Großhändler hatte ihm einen guten Preis für Material gemacht, gut 600 Euro investierte der im Nebenerwerb selbstständige Meister in alles mögliche, was man auf Putz montieren kann, vor allem Steckdosen. An einer privat organisierten Sammelstelle wurde er seine Sachspende mit Kusshand los. Bei der „Elektroseelsorge“ in einem der größten Helferdörfer konnte man ihn bestens für die Reparatur von Geräten und Maschinen einsetzen. Über Kontakte zu denen, die Übernachtung und Verpflegung organisierten, erfuhr er zudem, in welchen Häusern seine Fachkenntnis von Nutzen sein kann.

„Das Wasser hatte bis ins Obergeschoss gestanden“, schildert Stefan Jacob das Unfassbare. „Alles hin. Alles“, hat er seit seinem Einsatz in Uenzen schon so oft erzählen müssen. Den Gestank hat er noch in der Nase. „Wie nichts Gutes“, erspart er seinem Gegenüber nähere Details. Auch vom Kindergarten ist nichts als nasses Mauerwerk und verseuchte Einrichtung geblieben. „Der Betrieb läuft jetzt in einem Container“, hat er vor Ort gesehen. Zwei weitere Umzüge stehen den Kindern und ihren Familien noch bevor. Frühestens in drei Jahren werden sie wieder eine feste, voll funktionstüchtige Bleibe habe, so der Stand der Dinge.

Dass die Kinder so schnell wie möglich wieder mit mehr als nur dem Nötigsten zum Spielen und Toben sowie für die musikalische und sportliche frühkindliche Förderung ausgestattet werden, haben sich die Uenzer auf die Fahnen geschrieben. Bei ihrem Erntefest in kleinen Kreis hat die Dorfjugend spontan die Erntekrone unter den Hammer gebracht und bei einer amerikanischen Versteigerung 400 Euro für St. Mauritius erhalten. Auf das Spendenkonto der Initiative „Ich und mein Ort“ sind seitdem weitere 700 Euro geflossen. „Viele haben sich mit vielen kleinen Aktionen beteiligt“, freut sich Merle Runte als Mitglied dieser Dorfgemeinschaft.

Am Wochenende wird Stefan Jacob die finanzielle Unterstützung aus Uenzen symbolisch überreichen. Und wieder mit anpacken. „Aus Solidarität. Die würde man sich selbst doch auch wünschen.“

Spenden

an die Kita St. Mauritius:

E-Mail

ichundmeinort@gmail.com

Von Anne-katrin Schwarze

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