Wahl zum Samtgemeindebürgermeister

Bernd Bormann will in Bruchhausen-Vilsen weiter dicke Bretter bohren

Mann hinter seinem Schreibtisch
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Bernd Bormann steht zur Wahl des Samtgemeindebürgermeisters.

Samtgemeinde – Er lächelt von keinem Plakat am Straßenrand, im Briefkasten wird auch kein Flyer zu seinen Zielen landen. Bernd Bormann ist augenscheinlich nicht im Wahlkampfmodus. Dabei geht es am 12. September darum, ob er für weitere fünf Jahre hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen bleibt. „Wen ich in den vergangenen sieben Jahren nicht von meiner Arbeit überzeugt habe, den überzeuge ich auch zwei Wochen vor der Wahl nicht mehr“, sieht er es realistisch.

Ums pure Gewinnen geht es dem 59-Jährigen nicht, sagt er im Gespräch in seinem Büro. Er ist „innerlich überzeugt, das Richtige zu tun“, daher wurmt ihn jede Nein-Stimme. „Es wäre schön gewesen, wenn ich mich an einem Mitbewerber hätte reiben können“, meint der Amtsinhaber. Oder wenn er wenigstens vor Interessengruppen Rede und Antwort hätte stehen können, bei Vereinen, den Landwirten… Die Corona-Auflagen lassen das seit Monaten nicht zu.

Die Auswirkungen der Pandemie werden das Wahlergebnis beeinflussen, auch das seiner Wahl, nimmt er an. „Corona hat etwas mit den Leuten gemacht“, beobachtet er. Er spürt eine deutlich ablehnenden Haltung für alles, was von ganz oben kommt. „Vielleicht muss ich das mit einem schlechteren Ergebnis ausbaden“, macht er sich bewusst. „Aber das wäre in Ordnung.“ Letztes Mal wählten ihn 85,7 Prozent.

Bernd Bormann hat den Kopf so manches Mal hingehalten; wenn seine Mitarbeiter in die Schusslinie geraten sind, wenn es galt, Mehrheitsentscheidungen des Rates zu vertreten. Die Samtgemeinde zu führen, ist für ihn Teamarbeit. Weder ohne seine Kollegen noch ohne die Räte kann er agieren, sagt er bei vielen Gelegenheiten.

Und doch hat er eigene Ideen und Ziele, für die er in den vergangenen Monaten bei den Parteien geworben hat. Ein vollkommen autarkes Wohngebiet gehört dazu. Eine Ansiedlung von zunächst acht bis zehn Häusern, die sich vollständig selbst versorgen. „Außer Internet und Wasser wird es keine Versorgungsleitungen geben“, schwebt ihm vor. „Vielleicht kann das die Blaupause für etwas Großes werden“, hofft er. Wie das machbar ist, das ist seine erste Aufgabenstellung an den Klimamanager, kündigt er an. Diesen einzustellen, ist wiederum eines seiner Hauptanliegen an die nächste Legislatur.

Ähnlich wie ein Baugebiet ohne Strom und Gas bezeichnet er eine andere Idee für „möglicherweise spinnert“: Musik auf dem Kohlwührensee, soll es unter seiner Amtsführung geben. Die Menschen fahren in die Berge oder an die See, um sich zu erholen, „dieses Potenzial müssen wir nutzen“, meint er. Die nahe Weser ist dafür zu weit entfernt. Also will er vorhandene Möglichkeiten ausschöpfen.

Den Tourismus- und Kulturbetrieb nach zwei ausgefallen Saisons wiederzubeleben, „wird uns in den nächsten ein, zwei Jahren viel Kraft kosten“, ahnt er. Denn es ist kein „Selbstläufer, dass die Menschen gern nach Bruchhausen-Vilsen kommen.“ Ob Brokser Markt oder Sonntagskonzerte, um Besucher muss Bruchhausen-Vilsen werben, meint er.

Wenn es ihm um die Sicherung der ärztlichen Versorgung in allen Mitgliedsgemeinden geht, kann er sich auf eine breite Unterstützung verlassen. Für die aus seiner Sicht unerlässliche Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen der Samtgemeinde und den Mitgliedsgemeinden wird er allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. Ein Konzept zu stricken, das für alle die Gewähr bietet, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, hat er Kämmerer Hannes Homfeld beauftragt. „Um aus jedem Euro, der an eine Mitgliedsgemeinde oder die Samtgemeinde fließt, das Meiste rauszuholen, müssen wir einen neuen Ansatz finden“, kündigt er an. „Das wird ein dickes Brett, das wir bohren müssen“, ist er sich bewusst.

Wenn auch einer der größten Ausgabenpunkte, eine moderne Ausstattung der Feuerwehren ist für Bormann gesetzt. „Die Anschaffung insbesondere moderner Fahrzeuge werden wir forcieren; den bereits begonnenen kontinuierlichen Aus-, Neu- und Umbau der Feuerwehrgerätehäuser wollen wir weiter vorantreiben“, sagt er und weiß die große Mehrheit des Rates dafür hinter sich.

Die Kindergartenlandschaft in der Samtgemeinde hält Bormann hingegen derzeit für fertig gestaltet, auch wenn die Frage nach einem zentral gelegenen Neubau für Asendorf während der bevorstehenden Periode zu beantworten ist. „Jetzt müssen wir die Grundschulen anpacken“, steht auf seiner Agenda. Mittel für die Mensa in Martfeld sind jetzt bewilligt. In Schwarme und Bruchhausen-Vilsen stehen erhebliche Investitionen an. „Das wird ein finanzieller Kraftakt, aber wir sind guter Hoffnung, dass wir das mit Zuschüssen in den nächsten fünf Jahren gut hinbekommen“, so seine Einschätzung.

Neue Baugebiete macht er nämlich von der vorhandenen Infrastruktur abhängig. „Wir müssen gesund wachsen“, ist Ziel seiner Politik. „Wachsen um des Wachsens willen, dass kann die Samtgemeinde nicht stemmen.“ Denn die Einnahmequellen sind begrenzt. Für die Samtgemeinde sind das die Zuweisungen von Land und Bund, für die Mitgliedsgemeinden immerhin Anteile an der Gewerbe- und der Einkommenssteuer.

Bereits während der letzten Haushaltsberatungen hat der Samtgemeindebürgermeister vorgeschlagen, Mittel für den Erwerb weiterer Gewerbeflächen vorzuhalten. Im Flecken sind derzeit keine Flächen zu haben. „Daran krankt es“, berichtet er. Martfeld und Schwarme haben noch Kapazitäten. Die neuen Räte werden beraten müssen, ob es sinnvoll ist, Schwerpunkte zu setzen: Mehr Gewerbe in den Orten, die näher an Bremen und der Autobahn liegen, mehr Einwohnerentwicklung im Flecken, ohne die Mitgliedsgemeinden dabei zu vernachlässigen, heißt sein Denkanstoß.

In Asendorf lässt der fortgeschrittene Wegebau in den nächsten Jahren Luft für anderes, zum Beispiel die Aufwertung des Bahnhofsumfelds. In Martfeld sieht Bernd Bormann die Entwicklung der Ortsmitte auf einem guten Weg. Für Schwarme hält er eine Abrundung der Angebote rund um die Schule für wichtig. Auch, um den Bestand des Freibads zu sichern.

Visionen, für die die drei größten Parteien in der Samtgemeinde jetzt keine Alternative brauchen. CDU, SPD und Grüne haben Bernd Bormann frühzeitig öffentlich ihre Unterstützung für seine Kandidatur zugesagt.

Im Live-Ticker zur Kommunalwahl in Niedersachsen berichtet kreiszeitung.de am Sonntag, 12. September 2021, über die aktuellen Entwicklungen, die Ergebnisse, die gewählten Bürgermeister und Landräte.

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