Sozialausschuss informiert sich über Tagespflege und „Stolperstein-Initiative“

„Die Betreuung der Kinder liegt mir sehr am Herzen“

Br.-Vilsen - Von Anne Schmidtke. „Die Kinderbetreuung gewinnt in unserer Gesellschaft stetig an Bedeutung“, sagte Mavrou-Claudia Franke, Tagesmutter aus Asendorf, am Dienstagabend während der Sitzung des Sozialausschusses im Rathaus in Bruchhausen-Vilsen. Sie informierte die Ausschussmitglieder zusammen mit zwei Kolleginnen und Gisela Ravens, Fachberatung Kindertagespflege, über die Kindertagespflege in der Samtgemeinde.

Heutzutage seien oftmals beide Elternteile berufstätig, da ein Gehalt für den Unterhalt der Familie nicht ausreiche, berichtete Franke. Manche Mütter und Väter hätten Schichtdienst, zahlreiche seien alleinerziehend. Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder bekämen Eltern bei Kindertagespflegepersonen. „Die Kindertagespflegepersonen bieten sieben Tage die Woche rund um die Uhr eine Betreuung an. Sie schließen somit die zeitliche Lücke, in der Kita und Krippe geschlossen haben“, sagte Franke.

Zurzeit kümmern sich in der Samtgemeinde 26 Kindertagespflegepersonen um circa 80 Kinder. „Kindertagespflegepersonen bilden sich ständig fort, da sie eine große Verantwortung gegenüber den Kindern haben“, informierte die Fachfrau. Sie erklärte, dass die Kindertagespflege sich in mehrere Modelle gliedern lasse.

Margret Thalmann, Tagesmutter aus Bruchhausen-Vilsen, berichtete von ihren Erfahrungen in der integrativen Betreuung. Sie habe während ihrer bisherigen 23-jährigen Tätigkeit bereits mehr als 70 Familien und deren Kinder, von denen einige körperliche, kognitive oder soziale Einschränkungen mitgebracht haben, begleitet. „Die Betreuung der Kinder liegt mir sehr am Herzen“, sagte Thalmann. Ihr Beruf sei nicht immer ganz einfach. Schließlich vermische sie Privates und Berufliches sehr stark, weil sie sich um die Mädchen und Jungen bei sich zu Hause kümmere.

Tagesmutter Gabriele Fuhrmann betreut die Kinder der Mitarbeiter der Therapie- und Pflegeeinrichtung Gut Retzen in Süstedt. Die Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, ihre Kinder unter drei Jahren in der zum Haus gehörenden Betriebskindertagespflegestelle unterzubringen. In der Einrichtung können aber auch Eltern, die nicht in dem Unternehmen arbeiten, ihren Nachwuchs betreuen lassen. „Ich hoffe, dass mehr Betriebe Kindertagespflegestellen einrichten“, sagte Fuhrmann.

Mavrou-Claudia Franke stellte dann noch die Tätigkeit einer Kinderfrau/eines Kindermanns vor. Die Person geht in den Haushalt einer Familie und kümmert sich dort um den Nachwuchs. Sie ist weisungsgebunden, dass heißt, sie führt aus, was die Eltern wünschen. Nach der Vorstellung dieser drei Konzepte erklärte Gisela Ravens: „Wir suchen händeringend neue Tagespflegepersonen.“ Interessierte melden sich bei ihr unter Telefon 04252/391115.

Während der Sitzung des Sozialausschusses stellten zudem Schüler des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen ihre „Stolperstein-Initiative“ vor, die auf dem Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig beruht. „Wir empfinden es als wichtig, dass die NS-Zeit nicht in Vergessenheit gerät“, erklärte Schülerin Jalain Scharbert. Es sei allerdings gar nicht so einfach herauszufinden, wie viele Bruchhausen-Vilser Opfer der Nazis geworden seien. Sie und ihre Mitstreiter hätten bisher unter anderem rausgefunden, was mit Familie Hanau passiert sei, deren Mitglieder alle an verschiedene Orte deportiert worden seien. Ilze Ha-nau starb zum Beispiel im Konzentrationslager in Auschwitz.

Auf den Stolpersteinen werden Name, Geburtsdatum, wenn bekannt das Schicksal der Person sowie das Todesdatum und der Todesort notiert. Ein Stein kostet 120 Euro. Er wird im Gehweg vor dem Wohnhaus des NS-Opfers verlegt.

Die Schüler baten den Ausschuss um finanzielle Hilfe für ihr Projekt, die ihnen zugesagt wurde.

Kindertagespflege 

Die Kindertagespflege beinhaltet die Betreuung von Kindern bis 14 Jahren durch eine qualifizierte Tagespflegeperson. Die Tagespflegeperson darf maximal bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Sie durchläuft einen Eignungsprozess, nimmt regelmäßig an „Erste Hilfe am Kind“-Kursen teil und verfügt über eine Pflegeerlaubnis des Landkreises Diepholz. Ihr gesetzlicher Auftrag umfasst die Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes. Sie vermittelt Mädchen und Jungen unter anderem Werte und Regeln und achtet auf die soziale, geistige, körperliche und emotionale Entwicklung.

Rubriklistenbild: © dpa /Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

IAA 2017: Diese 12 Traumautos können Sie jetzt schon kaufen

IAA 2017: Diese 12 Traumautos können Sie jetzt schon kaufen

Sommerabend des Kirchenkreises Walsrode

Sommerabend des Kirchenkreises Walsrode

Suu Kyi bietet Rohingya Rückkehr nach Myanmar an

Suu Kyi bietet Rohingya Rückkehr nach Myanmar an

Diese neuen Kreuzfahrtschiffe starten 2018

Diese neuen Kreuzfahrtschiffe starten 2018

Meistgelesene Artikel

637. Großmarkt: Viel Spaß und ein nasses Ende

637. Großmarkt: Viel Spaß und ein nasses Ende

Barnstorf und Goldenstedt in Not: „Wolfsrudel muss entfernt werden“

Barnstorf und Goldenstedt in Not: „Wolfsrudel muss entfernt werden“

Barrierin betreibt Blog über ihre behinderte Tochter

Barrierin betreibt Blog über ihre behinderte Tochter

Ein ganzes Dorf feiert Erntefest

Ein ganzes Dorf feiert Erntefest

Kommentare