„Dezentrale Impfzentren effektiv“

Landrat kündigt Impfangebot für Gruppe ü60 in Bruchhausen-Vilsen an

Nur eine kurze Pause: Im lokalen Impfzentrum in der Mensahalle kommt es kaum zu Wartezeiten.
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Nur eine kurze Pause: Im lokalen Impfzentrum in der Mensahalle kommt es kaum zu Wartezeiten.

Bruchhausen-Vilsen – „Schönen guten Tag, dann kommen Sie mal mit.“ Wer am Freitag mit einem mulmigen Gefühl zum Impfzentrum nach Bruchhausen-Vilsen gefahren ist, konnte schon bei der Begrüßung einmal entspannt durchatmen. Andreas Schnichels und sein Team vom Bürgerservice im Rathaus nahmen die über 70-Jährigen aus der Samtgemeinde nicht nur freundlich im Empfang, sie hatten vorab auch dafür gesorgt, dass einem reibungslosen Ablauf nichts im Wege stehen sollte.

Keine 30 Minuten brauchte es, um einen weiteren Menschen gegen das Corona-Virus zu impfen. 720 weitere Einwohner der Samtgemeinde haben seit gestern ihre erste Impfung hinter sich.

Landkreisweit wurden diese Woche 8 500 Menschen geimpft. „Bis Ende April werden wir unser Ziel erreichen und 20 Prozent der Bevölkerung erstmals geimpft haben“, informierte Landrat Cord Bockhop, der sich in Bruchhausen-Vilsen einen Eindruck vom lokalen Impfzentrum machte. Nahezu die Hälfte dieser 8 500 Personen sei nicht in Bassum, sondern dezentral in ihren Heimatkommunen geimpft worden. „Wir können so effizient sein, weil wir vor Ort die Strukturen kennen. Das hat uns schon bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise geholfen“, erinnerte er bei seinem Besuch. Auch für die Gruppe der über 60-Jährigen werde es daher vor Ort ein Impfangebot geben, kündigte er an. Ende Mai, Anfang Juni werde das nach jetzigem Stand möglich sein.

Als eine der ersten Kommune im Landkreis hatte sich Bruchhausen-Vilsen ins Gespräch gebracht, das Impfen dezentral fortsetzen zu wollen. „Der Aufwand ist immens“, gibt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann einen Einblick in die Vorbereitungen. Mittlerweile gehörten sechs Mitarbeiter der Verwaltung dem Team an. Die „durchweg positiven Rückmeldungen“ motivierten jedoch alle Beteiligten, nach etwa 1 000 über 80-Jährigen und jetzt etwa 1 100 über 70-Jährigen auch die etwa 2 500 über 60-Jährigen in Bruchhausen-Vilsen wohnortnah impfen zu lassen.

Mehr als 1000 Impfungen am Tag möglich

„Wir werden noch erfahrener und eingespielter im Ablauf sein, einige von ihnen werden bereits über ihre Berufsgruppen geimpft sein, auf Mobilitätseinschränkungen oder Vorerkrankungen muss wohl weniger Rücksicht genommen werden“, zählte Cord Bockhop Faktoren auf, die ein Impfangebot an eine so große Gruppe auch lokal möglich machen sollten.

„Wir haben mittlerweile so viel Erfahrung, dass wir weit mehr als 1 000 Menschen an einem Tag impfen können“, teilte Theres Mattke vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) mit. Sie und ihr Kollege Simon Becker organisieren alle Impfstationen im Landkreis. Das DRK setzte 140 hauptamtliche Kräfte als „Pandemieteam“ ein. In zwei Schichten bewältigten am Freitag je zwölf von ihnen sowie vier Ärzte den Termin im Flecken. „Wir sind spezialisiert darauf, in besonderen Situationen zu helfen“, verwies Theres Mattke auf den Auftrag an das DRK. „Und die Dankbarkeit der Menschen motiviert uns sehr“, ergänzte sie.

„Das DRK ist für uns die Hausnummer, eine solche Herausforderung zu stemmen“, sagte Cord Bockhop und sprach von einer unkomplizierten, flexiblen und vertrauensvollen Zusammenarbeit. „Das läuft sehr gut“, bewertete auch Bernd Bormann. Dass bisher etwa 42 500 Menschen im Landkreis die erste und 12 500 die zweite Impfung erhalten hätten, sei eine gemeinsame Leistung der Kommunen und des Landkreises mit dem DRK, betonte Bockhop. „Bis Ende Mai möchte ich die 30 Prozent-Marke gerissen haben“, kündigte er an.

Er vertraue darauf, dass entsprechende Impfstoffmengen vorhanden sein werden. „Die Lieferung, um die Grundlast abzudecken, läuft jetzt stabil“, sagte er. Zudem gehe er davon aus, dass der Impfstoff der Firma Johnson und Johnson als zusätzliches Vakzin auf den Markt komme und das Impftempo damit erhöht werden könne. „Im Landkreis verimpfen wir die uns zugewiesenen Lieferungen vollständig“, sagte er in diesem Zusammenhang und betonte, überzählige Dosen würden entsprechend der bundeseinheitlichen Prioritäten in einer festgelegten Reihenfolge an Personen auf der Warteliste verteilt. Bis gestern Nachmittag hatten sich in Bruchhausen-Vilsen vier der 720 Teilnehmer kurzfristig vom Termin abgemeldet. Andreas Schnichels informierte an ihrer Stelle Menschen, die für den Termin im Mai eingeteilt waren. „Hier bleibt keine Dosis zurück“, sicherte er zu.

„Die Impfbereitschaft unter den Einwohnern des Landkreises ist deutlich höher als erwartet“, berichtet der Landrat. Er gehe bisher von 80 bis 90 Prozent aus. Ein Wert, der sich in der Samtgemeinde bisher bestätige. „Etwa 80 Prozent der über 70-Jährigen hat sich bei uns angemeldet, schätzungsweise weitere zehn Prozent sind über die Hausärzte geimpft worden“, gab Bernd Bormann seinen Wissensstand weiter.

Ilse Wicke aus Hollen hatten die Einladung aus dem Rathaus zum Impftermin ohne zu zögern angenommen. „Das ist doch keine Frage, wenn man die Berichte über die Intensivstationen sieht“, sagte die 76-Jährige, während sie nach ihrer ersten Impfung im bestuhlten Wartebereich noch 15 Minuten verweilte. Sollte es zu Nebenwirkungen kommen, wäre ein Arzt sofort zur Stelle. „Mir geht es gut“, erzählte sie, obwohl: „Die letzten beiden Nächte habe ich nicht gut geschlafen“, verrät Ilse Wicke. „Man hört ja so viel… .“ Das Hin und Her mit den Impfstoffen habe auch sie verwirrt, letzte Bedenken habe sie im Gespräch mit dem Arzt angesprochen. „Das ist bestens gelaufen“, war ihr Fazit vom Besuch im lokalen Impfzentrum.

Schon am Parkplatz hatte sie jemand eingewiesen. Unter Warnweste und Schutzmaske kaum zu erkennen, hatten die Hausmeister diese Aufgabe übernommen. „Viele Ältere kennen sich ja hier auf dem Schulgelände nicht aus“, hatte Michael Ullmann angenommen. Mit seinen Kollegen setzte er in der Mensahalle außerdem alle Wünsche und Vorgaben des DRK um. „Am Eingang liegt ein Teppich“, war dem Landrat beim Betreten der Mensa aufgefallen. Die Hausmeister hatten ihn als Schmutzfänger ausgelegt, der gleichzeitig eine kleine Schwelle überbrückte, an der Rollatoren hätten hängen bleiben können. „So etwas kann man weder in Berlin noch in Hannover am Schreibtisch vorbereiten“, verpasste der Landrat Bund und Land einen Seitenhieb, alles überregional regeln zu wollen. „Die kommunale Struktur ist unsere Stärke. Hier lösen wir Krisen. Das ist eine fantastische Sache“, zeigte er sich mit der Kampagne im Landkreis und dessen 15 Kommunen zufrieden.

Lokale Impfhotline endet

Antje Alberts und Imke Dirks (von rechts) von „Lebenswege begleiten“ berichten Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann über die Impfhotline.

Weit mehr als 600 Anrufe sind bei der lokalen Impfhotline eingegangen, die die Samtgemeinde in Zusammenarbeit mit dem Verein „Lebenswege begleiten“ im Januar ins Leben gerufen hatte. Erst die über 80-Jährigen, dann die über 70-Jährigen seien dankbar gewesen, direkt eine Person erreichen zu können, berichten Imke Dirks und Antje Alberts, zwei von vier Hauptamtlichen, die die Anrufe entgegengenommen haben. „Das war arbeitsintensiver, als wir uns das vorgestellt hatten“, räumt Imke Dirks ein. Die vielen positiven Rückmeldungen hätten jedoch Kraft und Energie zurückgegeben. „Das Angebot ist wahnsinnig gut angenommen worden und hat viele Menschen sehr zufrieden gemacht“, gibt sie an Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann weiter, der die Idee zu dieser ersten lokalen Hotline im Kreis hatte. „Das Band zwischen Verein und Samtgemeinde ist dadurch noch enger geworden“, bescheinigt Bormann, während Imke Dirks betont, für „besonderen Bedarf“ jederzeit wieder gerne zur Verfügung zu stehen. Nachdem jetzt alle Menschen ab 70 Jahren mit einem Termin ausgestattet sind, stellt die Hotline ihren Service zum 30. April ein.

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