„Deutsche sind ichbezogener“

Nina Steffens aus Martfeld reist für ein Praktikum nach Sansibar

Nina Steffens (hintere Reihe, links) absolvierte ein Praktikum auf der Insel Sansibar.

Martfeld – „Was kann ich nach der Schule machen?“ Diese Frage stellte sich auch Nina Steffens im vergangenen Jahr. Die damals 18-Jährige verwarf bei Altersgenossen gefragte Ziele wie Australien und die USA – und stieß auf die Insel Sansibar. „Afrika, das ist mal etwas anderes“, dachte sie sich. „Außerdem haben mich die Traumstrände dorthin gelockt“, sagt die Martfelderin, die über die Organisation „Praktikawelten“ mit Sitz in München schließlich ein Praktikum an einer Schule machte. Dort unterrichtete sie.

Der Aufenthalt auf der Insel war eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte. „Obwohl es anfangs schon ein Schock war, wie die Menschen dort leben“, erzählt Nina Steffens. „Wenn man sich aber dran gewöhnt hat, versteht man, dass es ein viel freundlicheres Leben ist. Die Menschen sind offener, sie teilen das Wenige, was sie haben, miteinander. Und jeder unterstützt den anderen“, hat Nina Steffens beobachtet. „Bei uns in Deutschland ist alles viel ichbezogener, das ist in Tansania ganz anders“, findet die 19-Jährige.

Zehn Wochen verbrachte sie von Ende September bis Anfang Dezember 2018 zusammen mit ihrer Freundin Susann Becker aus Asendorf auf Sansibar, für vier Wochen kam auch ihre Schwester Pia Steffens dazu. Gemeinsam mit ihnen waren auch viele weitere Freiwillige auf der Insel.

Unter der Woche unterrichteten Nina Steffens und weitere Praktikanten vormittags in einer Privatschule. Dort habe nur der Lehrer ein Buch gehabt, die Schüler mussten die Aufgaben von der Tafel in ihre Hefte abschreiben. „Wir durften alles unterrichten, außer Kisuaheli – die Landessprache mussten wir ja selbst erst einmal lernen“, sagt Nina Steffens. So galt es, in der ersten und zweiten Klasse Englisch, Sport, Naturwissenschaften (Science), Kunst und Mathe zu lehren.

„Am Anfang haben wir nur geholfen“, erinnert Nina Steffens sich. Dann stiegen die Praktikanten komplett in den Unterricht ein. Und das war mitunter gar nicht so einfach: „In Science mussten die Kinder Sachen lernen, obwohl sie die englischen Vokabeln noch gar nicht kannten.“ Denn: Alle Fächer wurden auf Englisch unterrichtet. „Teilweise hatten wir zu dritt vollkommen die Verantwortung für den Unterricht in der ersten Klasse übernommen“, sagt die Martfelderin.

Die Nachmittage verbrachte die 19-Jährige oft am Strand. Denn sie wohnte mit insgesamt 22 Leuten in einer gemeinsamen Unterkunft. „Das waren viele Freiwillige. Und wir wollen alle auf jeden Fall nochmal wiederkommen.“ Denn neben den Menschen faszinierte sie vor allem die Natur, die Strände. „An den Wochenenden sind wir immer über die Insel gereist.“ Rund drei bis vier Stunden brauche man von einem Ende Sansibars zum anderen.

Die paradiesischen Zustände hatten aber auch Schattenseiten: „Die Direktorin unserer Schule hat schon gut verdient – und das waren gerade einmal 200 Euro im Monat“, sagt die 19-Jährige. Die Privatschule, auf der ein Schulgeld für Uniform und Material fällig wurde, war nach Nina Steffens Ansicht aus deutscher Perspektive schon eine arme Schule – „aber viele von uns Freiwilligen haben an noch ärmeren Schulen gearbeitet“. Ab und zu gab es für ein bis zwei Tage keinen Strom. „Bei uns in Deutschland nimmt man Strom und Wasser für selbstverständlich“, sagt Nina Steffens, die in Tansania das Leben von einer ganz anderen Seite kennengelernt hat. Und genau das war es auch, was ihr gefallen hat: „Es ist schön, so eine Erfahrung fürs Leben mitzunehmen“, findet sie.

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