Lars Pump hält informativen Vortrag vor etwa 40 Gästen des Hundesportvereins

„Der Mensch gehört nicht zum Beutespektrum des Wolfs“

Lars Pump aus Syke referierte auf Einladung des Hundesportvereins Wöbser Berg zum Thema Wolf in Kleinenborstel. - Foto: Campe

Kleinenborstel - Von Uwe Campe. Aus Anlass der in jüngster Zeit in unserer Gegend vorgekommenen Wolfsbeobachtungen hatte der Hundesportverein Wöbser Berg am Freitag zu einer Infoveranstaltung zum Thema Wolf eingeladen. Vorsitzender Christoph Bergstedt freute sich, Lars Pump aus Syke als Referenten in der Gaststätte „Zur Post“ in Kleinenborstel zu begrüßen. Pump ist einer von vier ehrenamtlichen Wolfsberatern im Landkreis Diepholz.

Zu Beginn seines Vortrags, zu dem etwa 40 Gäste erschienen waren, erklärte Pump, dass das Hauptaugenmerk seiner Tätigkeit auf dem Monitoring (Ermittlung der Bestandsentwicklung), in der Begutachtung von Nutztierrissen und in der Beratung zu Herdenschutzmaßnahmen liegt. Er überprüft alle gemeldeten Nachweise auf ihre Echtheit. Das heißt, er macht zum Beispiel Fotos von gerissenen Tieren und untersucht die genaue Todesursache – der Wolf tötet durch einen typischen Kehlbiss. Pump wies darauf hin, dass längst nicht für alle Taten der Wolf verantwortlich sei. Es gebe eine beträchtliche Zahl von Verwechslungen, etwa mit dem Wolfshund.

Anschließend ging der Referent auf ökologische, biologische und historische Aspekte zum Thema Wolf ein. Während die alten Germanen dem Tier eine gewisse Verehrung entgegenbrachten – Göttervater Wotan wurde in Begleitung seiner beiden Wölfe Geri und Freki dargestellt – kam es im Mittelalter zu einer intensiven Bejagung des zunehmend als Nahrungskonkurrenten betrachteten Tiers. Offiziell wurde der letzte Wolf in Deutschland 1904 erlegt. Später wurden immer wieder einzelne, vermutlich aus Polen eingewanderte Tiere, erschossen. Heute ist der Wolf durch das Washingtoner Artenschutzabkommen, durch EU-Gesetze und durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt und darf nicht bejagt werden.

Im Jahr 2000 wurde in der Lausitz (Brandenburg) die erste Ansiedlung eines offenbar aus Polen eingewanderten Wolfsrudels festgestellt. Von dort aus kam es zu einer raschen Südost-Nordwest-Ausbreitung. In Niedersachsen gibt es aktuell sieben Wolfrudel, wobei ein Rudel im Durchschnitt acht Tiere umfasst. Hinzu kommen Einzelpaare und Einzeltiere, sodass der Gesamtbestand etwa 70 bis 80 Individuen umfasst.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand das Verhältnis zwischen Wolf und Mensch. Pump machte deutlich, dass der Mensch nicht zum Beutespektrum des Wolfs zähle und es gemäß einer Studie aus dem Jahre 2002 zwischen 1950 und 2000 in Europa nur vier Übergriffe mit für den Menschen tödlichem Ausgang gegeben habe – alle in Spanien. Aggressive Attacken seien in der Bundesrepublik bislang nicht bekannt, könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. Grundsätzlich gälten Wölfe als vorsichtige Wildtiere, die Begegnungen mit dem Menschen meiden würden. Allerdings seien Jungwölfe neugierig und zeigten wenig Scheu gegenüber dem Menschen. Sofern es zu einer Begegnung komme, sollte man sich keinesfalls dem Tier nähern, etwa um es zu fotografieren. Auch sollte man nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Man könne einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspreche, in die Hände klatschte oder mit den Armen winke.

Pump ging auch auf die von Wölfen angerichteten Schäden bei Nutztieren ein, insbesondere bei Schafen. Diese seien in den vergangenen Jahren auch im Kreis Diepholz vermehrt vorgekommen. Offenbar hätten zumindest einzelne Wölfe gelernt, dass Schafe einfacher als Wildtiere zu erbeuten seien. Der Referent zeigte Verständnis für die aufgrund der Ausbreitung des Wolfs zunehmend schwieriger werdende Situation der Schaf- und Weidetierhalter. Grundsätzlich bekämen diese zwar Entschädigungen für nachweislich vom Wolf gerissene Tiere, allerdings seien diese an bestimmte Auflagen, etwa durch Zäune mit Untergrabungsschutz, gebunden.

Pump wies abschließend darauf hin, dass das Thema Wolf sicherlich auch in den kommenden Jahren brisant bleibe. Gegenwärtig sei alles recht neu und es müssten im Umgang mit dem Wolf noch viele Erfahrungen gesammelt werden.

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