An der Martfelder Stührmühle ist noch viel zu tun

Ein Denkmal voller Löwenzahn

Bernd Kunze (von links), Anton Bartling und Heiner Hickmann bei der Begehung. J Foto: Katia Backhaus

martfeld - Von Katia Backhaus. Wer von der Bruchhauser Straße in Martfeld auf das Gelände von Marion Hofmann und Lothar Klerings einbiegt, steht direkt vor der imposanten, 23 Meter hohen und 140 Jahre alten Stührmühle. Was der Besucher wohl nicht ahnt: Selbst die Steine unter seinen Füßen, halb vom frischen Gras überdeckt, sind mehr als ein Jahrhundert alt. Denkmalgeschützt ist der Originalzufahrtsweg allerdings nicht – im Gegensatz zur Mühle.

Fünf Jahre, nachdem das Paar Hofmann/Klerings mit dem Traum vom Wohnen in der Mühle und seinen zwei Kindern im Gepäck nach Martfeld zog, kam ein Schreiben von der Denkmalbehörde. Seit dem 13. Mai 1995 steht das hohe, runde Gebäude neben dem lang gestreckten Wohnhaus unter Denkmalschutz. Nun geht es darum, wie die Stührmühle erhalten werden kann. Zu Gast sind deshalb Fachleute: Heiner Hickmann, Denkmalpfleger des Kreises Diepholz, Bernd Kunze, ehrenamtlicher Denkmalpfleger für den Nordkreis Diepholz, und Anton Bartling vom Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) Martfeld.

Er habe die Mühle bisher nur von der Straße aus gesehen, sagt Hickmann, der vor Ort ist, um sie endlich genauer in Augenschein zu nehmen. „Es gehört immer beides dazu: die Bauherren kennenzulernen und das Denkmal.“

Drinnen ist es kühl, die Wärme der Frühjahrssonne bleibt draußen, ihr Licht fällt auf die Flecken an den Innenwänden, die noch weiß verputzt sind. An manchen Stellen ist die Wand grün, an vielen sind die darunter liegenden Ziegelsteine zu sehen, aus denen die Mühle 1878 gebaut worden ist. Der Mörtel, der sie verbinden soll, ist bereits zurückgewichen und lässt sie aussehen wie lose Zähne.

Dicke Balken ziehen sich über Kopfhöhe quer durch den Raum, sie bilden den Boden für die sieben Geschosse der Mühle. Vom Erdgeschoss senkrecht nach oben ragen hölzerne Säulen, „fachmännisch gedrechselt“, die Fachleute nicken beifällig zu dieser Konstruktion. Ein besonderes Merkmal der Stührmühle, sagt Marion Hofmann, die den Traum vom Wohnen im alten Müllersheim noch nicht aufgegeben hat. Doch damals, in den 90er-Jahren, war das Geld nach der Renovierung des Wohnhauses nebenan erst einmal aufgebraucht. Ein Architekt schätzte in jener Zeit die Kosten für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands der Mühle auf etwa 600 000 DM (circa 300 000 Euro).

Über eine hölzerne Stiege – alles hier, was nicht die Außenhaut der Mühle ist, ist aus Holz – geht es nach oben. Ein offener, mannshoher Fenstersturz lässt tief blicken. „Das Glas ist noch original, das fällt hier so raus, es ist porös“, sagt Marion Hofmann. Die Denkmalpfleger machen Fotos, bewundern in einem der oberen Geschosse die beiden alten Mühlsteine und die größtenteils noch vorhandene Mahlkonstruktion. Der Boden ist nur noch halb, teilweise auch nur noch zu einem Drittel vorhanden. Im ersten Stock stehen Korbmöbel. Ein Freund sei mal einen Sommer lang dort untergekommen, erzählen Hofmann und Klerings.

In einem der oberen Mühlenfenster wächst ein Baum, von draußen sieht man den Löwenzahn, der auf den losen Ziegelsteinen blüht. Eine Holzkappe schützt das Innere der Mühle seit ein paar Jahren vor Regen. Die sei eigentlich gar nicht genehmigt vom Denkmalschutzamt, sagt Lothar Klerings. Aber man könne sie ja auch wieder abnehmen. Dabei wissen alle, Besitzer wie Denkmalpfleger, dass es Unsinn wäre, die alte Mühle der Witterung weiter auszusetzen als sie es ohnehin ist mit ihren offenen Fenstern und den Tauben, die sich dort hinein verirren.

„Ergebnis einer solchen Begehung ist immer, dass man etwas anschiebt“, sagt Hickmann. Der erste Schritt sei die Erhaltung des Denkmals, der zweite seien Ideen zu seiner Nutzung. Ein Konzept für die Zukunft der Stührmühle steht noch aus. Im HVV hat sich eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich damit befasst.

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