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Mehrere Kita-Gruppen in Bruchhausen-Vilsen wegen Corona geschlossen

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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menschenleerer Spielplatz
Auch der Kindergarten in Uenzen ist vom hohen Infektionsstand betroffen. © Oliver Siedenberg

Samtgemeinde – „In einer Kita in Schwarme gibt es einen bestätigten Fall von Corona“, teilte der Landkreis dieser Tage mit. Ebenso: „In einer Einrichtung in Bruchhausen-Vilsen gibt es fünf Fälle“.

Im Bezug auf die aktuell gemeldeten 128 Fälle in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen sollten diese Mitteilungen nicht aufschrecken. Was die tägliche Meldung aus dem Kreishaus aber nicht aussagt: Die Lage ist sehr viel schlimmer. Ganze Kita-Gruppen sind geschlossen. Einen aktuellen Überblick zu liefern, fällt Fachdienstleiterin Cattrin Siemers schwer. Die Lage ändere sich mehrmals täglich.

Fest stehe: Von Corona betroffen seien Kinder wie Erzieherinnen. „Wie viele Erzieherinnen heute tatsächlich fehlen, kann ich nicht sagen. Es sind aber viele“, antwortet sie auf eine Anfrage der Redaktion. Einige seien in Quarantäne, andere anderweitig erkrankt. „,Normale‘ Erkrankungen gibt es ja auch noch“, richtet sie den Blick darauf, dass mitten im Winter unter anderem Hochsaison für Erkältungen ist. Die Folge: Mehrere Gruppen sind geschlossen.

Fünf Gruppen in vier kommunalen Kindergärten mussten ihren Betrieb wegen Quarantäne vollständig einstellen (Stand: Mittwochnachmittag). Betroffen waren zu diesem Zeitpunkt die Kindergärten in Uenzen, Bruchhausen-Vilsen, Martfeld und Schwarme, heißt es aus dem Rathaus. Weitere Gruppen mussten in den Notdienst wechseln. Eine Gruppe war Mittwoch komplett geschlossen, „weil Personal erkrankt ist“, schildert Cattrin Siemers die Situation.

„Momentan ist da wirklich sehr viel Bewegung. Wenn eine Gruppe wieder öffnen kann, muss eine andere Gruppe schließen, weil ein neuer Fall aufgetreten ist“, berichtet sie. Und: „Insofern haben wir täglich Änderungen.“

„Mittlerweile sind viele Eltern sehr ungehalten“, weiß sie. „Unser Personal in den Kitas hat Einiges auszuhalten“, ist der Fachdienstleiterin bewusst. Sie sind die erste Anlaufstelle für Eltern, die ohne Vorwarnung eine eigene Betreuung für ihr Kind organisieren müssen. „Die Eltern sind wirklich zu bedauern“, sagt sie zur Situation.

Bei allem Verständnis für „die Not der Eltern“ gebe es ein Aber: „Leider können weder das Kita-Personal noch die Samtgemeinde als Träger etwas für die hohen Fallzahlen.“

128 sind es nach offiziellen Angaben in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. So viele, wie seit Beginn der Pandemie noch nicht. „Es gibt nach wie vor keinen ,HotSpot‘“, sagt Kreisrätin Ulrike Tammen zur Situation in der Samtgemeinde. Also keinen Massenausbruch in einer einzelnen Firma oder Einrichtung. Mittlerweile seien viele Familien im Landkreis betroffen, meint sie. „Ein genauer Überblick oder die Erforschung von Infektionsquellen ist in der momentanen Situation nicht möglich“, führt sie aus. „Das Gesundheitsamt ist überlastet“, verhehlt sie nicht.

Auch die Labore kämen mit dem Auswerten nicht hinterher. „Laborbestätigte PCR-Testergebnisse werden dem Gesundheitsamt teilweise mit großem zeitlichen Verzug gemeldet“, beschreibt sie die Situation. Erst dann aber könne die Behörde die Zahlen veröffentlichen.

Am Beispiel des Gymnasiums wird das Ausmaß dieser Verzögerung deutlich. Am Montag hatte die Schule die Eltern darüber informiert, dass es 15 bestätigte Fälle an der Schule gebe. Zum selben Zeitpunkt hatte der Landkreis aber erst drei Fälle melden können. Mittwoch folgten weitere sieben Meldungen. Während in der Statistik des Landkreises bisher zehn bestätigte Fälle für das Gymnasium auftauchen, entwickelt sich dort die Lage täglich weiter; neue Fälle kamen bereits hinzu.

An den Schulen gilt mittlerweile: Ist ein Fall bekannt, muss das Umfeld nicht mehr automatisch in Isolation. Vielmehr testen sich dann alle Mitglieder der Klasse oder Lerngruppe an fünf aufeinanderfolgenden Tagen selbst. Diese Vorgehensweise nennt sich „Arbit“, anlassbezogenes Intensivtesten. Die Tests stellt die Schule zur Verfügung. Schüler sind aufgefordert, sich morgens zu Hause zu testen und nur mit negativem Ergebnis zur Schule zu kommen. Die Eltern bestätigen ein negatives Testergebnis mit ihrer Unterschrift.

Besserung scheint nicht in Sicht: Die veröffentlichten Zahlen hinken der Realität mittlerweile um mindestens zehn Tage hinterher. Und den Höhepunkt der Omikron-Welle kündigen Experten erst für Mitte Februar an. Dass Corona-Infizierte auch gesunden, ist den Zahlen derzeit nicht anzusehen. „Infizierte werden aktuell nach zehn Tagen Quarantäne aus dem System als ‚positiv‘ entlassen“, erklärt Kreisrätin Tammen jedoch. Dieser Zeitraum basiere auf den jeweils gültigen Regelungen der Absonderungs-Verordnung.

Sollte sich jemand vorzeitig freitesten, werde auch diese Person im System auf ‚entlassen’ gesetzt und nicht mehr als positiv gezählt. „In diesem Fall ‚verschwinden‘ die Personen also schon eher als zehn Tage aus der Aufstellung“, erläutert Ulrike Tammen.

Bei allem Zeitverzug im Test- und Meldesystem: Es stecken sich derzeit sehr viel mehr Menschen mit dem Virus an als genesen.

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