Historisches Gebäude komplett freigelegt

Das Alte Pastorenhaus von 1535 in Martfeld soll im Dezember an seinen neuen Standort verbracht werden

Das Alte Pastorenhaus von 1535 hat seine äußere Hülle verloren. Der Giebel stellt sich bereits so dar, wie er später aussehen soll.
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Das Alte Pastorenhaus von 1535 hat seine äußere Hülle verloren. Der Giebel stellt sich bereits so dar, wie er später aussehen soll.

Martfeld – „Der Giebel stellt sich jetzt so dar, wie er später einmal aussehen soll“, sagt Martin Tolksdorf und blickt auf das Alte Pastorenhaus von 1535, das mittlerweile komplett freigelegt ist und seine äußere Hülle verloren hat. Auch die nebenliegende Scheune ist bereits abgerissen. Nur ein großer Schuttberg zeugt noch von ihrer einstigen Existenz. Damit ist der Blick freigegeben auf das Alte Pastorenhaus. „Das ist schon ein imposantes Gebäude“, meint der Architekt. Das sei aber auch gut so. Schließlich müsse das Haus auch etwas hermachen, wenn es erst einmal an seinem neuen Platz direkt an der Hauptstraße ankommen werde.

Bis es so weit ist, muss Diplom-Ingenieur Tassilo Turner gemeinsam mit seinen Mitarbeitern noch einiges tun. „Aktuell werden die Seitenwände und beim rückwärtigen Giebel die Lehmsteine ergänzt. Dann werden unten die Schwellhölzer montiert“, berichtet Martin Tolksdorf vom Plan. Es sei wichtig, dem aufgrund seiner Eichenkonstruktion zwischen 15 und 20 Tonnen schweren Gebäude auch durch zusätzliche Verstrebungen die nötige Stabilität für den Transport zu geben, denn in wenigen Wochen stehe die Verrollung des Gebäudes an.

Die war eigentlich für den 25. November vorgesehen, wird jetzt aber auf einen Termin im Dezember verschoben, um den Handwerkern noch mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. An seinem derzeitigen Standort werde das Gebäude dann zunächst gedreht, um es in die richtige Verrollungsposition zu bringen.

„Denn an seinem neuen Standort soll das Gebäude so stehen, dass die Eingangstür zur Straße weist.“ Über die Straße wird das Haus dann auf das Grundstück neben dem Gemeindehaus gezogen. Diesem Transport über gerade einmal etwas mehr als 100 Meter fiebern alle Beteiligten mit großer Spannung entgegen. „Bislang gibt es nur wenige Gebäude, mit denen so etwas schon einmal gemacht wurde“, weiß Martin Tolksdorf.

Dass dem Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) Martfeld mit dem Alten Pastorenhaus von 1535, kurz nur Pastorshus genannt, ein besonderer Fang gelungen ist, davon zeugt die Herdstelle, die unlängst gefunden wurde. Ein Balken mit einem sogenannten Kopfband, der Teil der Ursprungskonstruktion gewesen ist, weise darauf hin, dass sich an der rückwärtigen Wand des Ein-Raum-Hauses die Herdstelle befunden habe, berichtet Martin Tolksdorf. „Um so etwas zu erkennen, muss man gutes Fachwissen haben“, sagt er und freut sich über die Unterstützung von Heinz Riepshoff und Bernd Kunze von der IG Bauernhaus.

Um ganz sicher zu sein, wie alt das Holz sei, sei es zudem dendrochronologisch untersucht worden. Dendrochronologie ist – vereinfacht gesagt – die Lehre vom Baumalter. Dabei werden die Jahresringe von Holz gezählt, um wissenschaftlich fundierte Aussagen über deren Alter machen zu können.

Überdies begaben sich die Zimmerleute auf Spurensuche nach Zapfenlöchern, um zu rekonstruieren, wie die Fassade des Pastorshus einst ausgesehen haben könnte. Im Dezember soll, wenn alles klappt, das Haus dann an prominenter Stelle und für alle sichtbar an der Hauptstraße stehen.

Von Regine Suling-williges

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