Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas begeistern die Gäste der „Kastanie“

„Es darf gelacht werden“

Jonas und seine Mutter Doro Zachmann bei ihrer gemeinsamen Lesung in der „Kastanie“ in Martfeld-Hollen. Im Hintergrund der Zuschauerraum, der sich noch während der letzten Minuten vor Veranstaltungsbeginn komplett füllte. Foto: HORST FRIEDRICHS

Hollen - Von Horst Friedrichs. „Hallo, willkommen. Ich bin Jonas, ich bin Chef von Mama.“ Und unverblümt setzte der 26-Jährige seine Vorstellung fort: „Ich bin Down-Syndrom“. Was er sonst noch über sich zu erzählen hatte, las er am Donnerstagabend abwechselnd mit seiner Mutter Doro Zachmann aus einem der Bücher vor, die beide gemeinsam verfasst haben. „Es darf gelacht werden“, hatte Volker Hinte, Geschäftsführer der veranstaltenden Lebenshilfe Syke, zuvor ausdrücklich gesagt. Und von ebendieser Möglichkeit machten die Zuhörer in der ausgebuchten „Kastanie“ im Martfelder Ortsteil Hollen ausgiebig Gebrauch.

Denn Jonas verblüffte und begeisterte sein Publikum gleichermaßen mit einem Humor, der nicht selten Qualitäten der britisch-trockenen Art aufwies. Mit seiner markigen, wandlungsfähigen Stimme versetzte Jonas die Zuhörer in einen Zustand freudig gespannter Erwartung der nächsten Pointe, etwa, wenn er eine Textpassage zitierte. „Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?“ wurde er da gefragt, und die knappe, treffsichere Antwort garnierte er mit einem verschmitzten Zwinkern zum Saal hin: „Mama ärgern.“ Auf welch subtile Weise das geschah, erfuhren die Zuhörer von der Zielperson selbst. „Eigentlich bin ich für Jonas immer ,Mama‘“, erläuterte Doro Zachmann schmunzelnd. „Aber mit geradezu diebischer Freude ändert er beim Lesen der Textvorgabe auf dem Laptop jedes vorkommende ,Mama’ in ,Mutti’.“ Mit welcher Sicherheit und Selbstverständlichkeit Jonas diese kleinen Raffinessen in die Tat umsetzte, konnten die Zuschauer auf der großen Anzeigetafel nachlesen. Jedes geschrieben „Mama“ verwandelte sich ohne einen Moment des Zögerns in „Mutti“.

Die kleinen Gesten sind es, die die besondere Beziehung des Autorenpaars Doro und Jonas auch und gerade auf der Bühne offenbaren. Mit einem schelmischen Lächeln in ihre Richtung unterstreicht er so manchen Witz, mit dem er das Publikum gerade wieder zum Lachen gebracht hat. Und seine Augen leuchten, wenn er hört, wie Doro seine Gags beschreibt – etwa den, als er seine Familie zu Hause, in der Umgebung von Karlsruhe, besuchte, nachdem er in eine Wohngemeinschaft umgezogen war. Auf ihre Frage, warum er sich denn nicht mehr am Tellerabräumen beteiligte, lautete seine Antwort kurz und knapp: „Mama, ich bin Gäste!“ Mit Familienfotos auf der Leinwand untermalte Doro Zachmann den „geschichtlichen“ Teil der Lesung, in dem sie schilderte, wie Jonas mit dem Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler geboren wurde und damit zu leben lernte. Nach zwei Herzoperationen, die er gut überstanden hat, steht ihm mittlerweile eine dritte bevor.

„Auf diesen Abend habe ich mich schon lange gefreut“, erklärte Lebenshilfe-Geschäftsführer Volker Hinte in seiner Begrüßungsansprache. „Eine solche Möglichkeit, sich dem Thema ‘Menschen mit Behinderungen auf leichte, lockere und humorvolle Art zu widmen, kommt in unserem Land leider viel zu kurz.“ Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas seien wahre Wegbereiter der Inklusion, fügte Hinte hinzu.

Wie begründet die anfängliche Aufforderung zum Lachen war, zeigte sich im Verlauf des zweieinhalbstündigen Programms nur allzu deutlich. Immer wieder war es Jonas, der auf herzerfrischende Weise Lacher auslöste. Dabei diente ihm und seiner Mama das gemeinsam geschriebene Buch „Bin kein Star, bin ich“ als Vorlage.

Ein Büchertisch, von Jonas und Doro Zachmann in Eigenregie erstellt, dokumentierte eine mittlerweile umfangreiche schriftstellerische Leistungsbilanz, die Doro gemeinsam mit Jonas, aber auch allein erbracht hat. 1998 hatte sie mit dem Schreiben angefangen und ein Jahr später ihr erstes Buch mit dem Titel „... mit der Stimme des Herzens“ herausgebracht. Inzwischen ist daraus eine stattliche Zahl von Buchtiteln geworden, wie die Stapel auf dem Büchertisch in der „Kastanie“ eindrucksvoll dokumentierten. Viele Gäste des Abends nutzten die Gelegenheit, sich mit einem oder mehreren Zachmann-Büchern zu versorgen und gleichzeitig ein Autogramm zu erhaschen.

Weitere Informationen unter:

www.doro-zachmann.de

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