Warten auf Förderzusage

Initiatoren des Schlachthofs in Schwarme planen Baubeginn 2023

Drei Personen beugen sich über Bauplan
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Die Pläne für den Schlachthof sind fertig. Nun warten Johanna Böse-Hartje, Elisabeth Böse und Wolfgang Golasowski (von links) auf die Zusage der Fördermittel.

Schwarme / Thedinghausen – „Das ist wie ein Jonglieren mit acht Bällen. Man weiß nicht, welchen man in der Luft halten soll“, sagt Wolfgang Golasowski über die Herausforderungen, die die Planungen für den Schwarmer Schlachthof mit sich bringen (wir berichteten). Gemeinsam mit den Schwestern Elisabeth Böse und Johanna Böse-Hartje beugt sich der Bremer Staatsrat a.

D. in der Diele des Hofes Böse-Hartje über die Zeichnungen, die im Detail zeigen, wie der Schlachthof in Schwarme aussehen soll, in dem dann pro Woche bis zu 50 Rinder sowie einige Schafe geschlachtet werden sollen.

Dass die Zusage für das Grundstück im Schwarmer Gewerbegebiet „An der Rennbahn“ seitens der Gemeinde Schwarme steht, freut das Trio ungemein. „Denn ohne Grundstück kann man nichts planen“, sagt Wolfgang Golasowski. Die Pläne stehen dank des Ingenieurbüros von Arno Thalmann, jetzt rücken diverse Genehmigungsverfahren auf der Agenda. Das erste ist die Genehmigung des Schlachthofs nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Was gut ist: „Der Bebauungsplan ist aus dem Jahr 2000, da ist in dieser Hinsicht schon viel untersucht worden. Jetzt kommt die betriebsbezogene Prüfung – und die ist sehr aufwendig“, weiß Wolfgang Golasowski. Welche Umwelt-Auswirkungen der Schlachthof auf die Umgebung haben wird, wird in diesem Zusammenhang im Detail geprüft.

Der zweite Schritt ist die Zulassung des Schlachthofs nach EU-Recht. Diese wird vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) erteilt. Auch hier habe es schon Gespräche gegeben. Genau wie mit den Banken, die ihre Zusage für Kredite an die Bedingung knüpfen, dass die beantragten Fördermittel fließen. „Dazu stehen wir mit der Landwirtschaftskammer und dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium in Kontakt“, sagt Wolfgang Golasowski. „So ein Antrag ist ein Fall für Juristen“, findet Elisabeth Böse und wisse einen solchen „zum Glück“ mit Wolfgang Golasowski an ihrer Seite.

Im Jahr 2022 wollen sie gemeinsam alle laufenden Genehmigungsverfahren vorantreiben und soweit abschließen, dass 2023 die Bodenplatte gegossen werden könnte. „Wenn die Baugenehmigung da ist, geht das ratzfatz“, ist Elisabeth Böse zuversichtlich.

Für Wolfgang Golasowski ist das ein Herzensprojekt, für das er sich gerne engagiert: „Ich mache mit, weil ich es für vernünftig halte.“ Denn die noch zu gründende „Regionalbauern und Fleischerhandwerk eG“, so der Arbeitstitel der geplanten Genossenschaft, will in dem Schlachthof in Schwarme Tiere aus der Region schlachten und weiterverarbeiten.

Mindestens 50 Prozent Tiere aus Bio-Erzeugung müssen hier geschlachtet werden, so sehen es die Förderrichtlinien vor. Generell aber steht der Schlachthof ökologisch und konventionell wirtschaftenden Landwirten gleichermaßen offen, die ihre Tiere wohnortnah verarbeiten und vermarkten wollen. „Das Tierwohl fängt zwar im Stall an, aber es hört dort nicht auf“, findet Wolfgang Golasowski.

Das sieht auch Elisabeth Böse so, die sich von der EU-Verordnung, Weideschlachtungen zu erleichtern, einiges erhofft. Denn gerade die Tiere aus ihrer Ammenviehherde kennen keine Transporte und auch keinen Stall, berichtet Elisabeth Böse. Könnte man sie direkt auf der Weide töten, den Stich zum Entbluten setzen und sie dann in den Schlachthof nach Schwarme transportieren, diene das gleichzeitig dem Tierwohl und auch der Fleischqualität. „Man muss dann innerhalb von maximal zwei Stunden den Schlachthof erreichen“, sagt Elisabeth Böse. Trotzdem: Das Schlachten auf der Weide wird eher die Ausnahme darstellen, ist sich das Trio sicher.

Das ist aktuell auf der Suche nach weiteren ökologisch und konventionell wirtschaftenden Landwirten, die sich an der Genossenschaft beteiligen wollen. Geplant ist die Gründung für das erste Quartal 2022. Ein Genossenschaftsanteil kostet 5 000 Euro. Was die Bauern dafür bekommen? „Bevorzugte Schlachttermine“, sagt Johanna Böse-Hartje.

Auf rund 150 Kilometer schätzen sie das Einzugsgebiet ihres geplanten Schlachthofs. Auch Endverbraucher sollen sich mit einer Art Genussaktie an der Genossenschaft beteiligen können. Als Mindest-Investment haben die Gründerinnen 500 Euro angesetzt. „Das ist für uns Bauern eine Form der Kundenbindung“, findet Johanna Böse-Hartje, die mit diesen Plänen bei den Kunden auf ihrem Bioland-Hof in Thedinghausen-Eißel bereits auf gute Resonanz gestoßen sei. „Statt Dividenden könnten es zum Beispiel ein Fleischpaket geben“, sagt die Landwirtin.

Apropos: Fleisch und Wurst werden Verbrauchern im Schwarmer Gewerbegebiet nicht kaufen können, weil ein Einzelhandel an dieser Stelle nicht vorgesehen ist. Es ist aber geplant, Kooperationen mit lokalen Hofläden einzugehen, über die das Fleisch bezogen werden kann. Gastronomen und Caterer hingegen können sich vor Ort ihre Produkte abholen.

Für die beteiligten Landwirte bietet sich die Möglichkeit, das Fleisch ihrer Tiere in einem eigens dafür vorgesehenen Raum selbst weiter zu verarbeiten. „Diese Dienstleistung kann man aber auch bei unseren beiden Schlachtern einkaufen“, sagt Elisabeth Böse.

„Das rund fünf Millionen Euro schwere Projekt ist gut durchdacht“, befindet sie. Jetzt gehe es darum, weitere Menschen zum Mitmachen zu finden.

Kontakt

Wolfgang Golasowski E-Mail-Adresse: info@ regionalbauern.de

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