Covid-19 im Landkreis Diepholz

Corona-Krise bedroht Schausteller – Aktion für Brokser Heiratsmarkt

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus fürchten jetzt auch Schausteller um ihre Geschäfte. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt, jetzt stehen auch die Jahrmärkte auf der Kippe. Damit der 375. Brokser Heiratsmarkt in diesem Jahr stattfinden kann, wurde eine besondere Aktion gestartet.

  • Schausteller durch Coronavirus-Pandemie bedroht
  • Corona-Krise im Landkreis Diepholz: Schausteller wollen helfen
  • Covid-19-Pandemie: Aktion soll Brokser Heiratsmarkt retten

Br.-Vilsen - „Nicht wenige Kollegen fahren mit ihren letzten 200 Euro aus dem Sparstrumpf zur Osterwiese. Sie wissen nicht, wie sie jetzt Lebensmittel einkaufen sollen.“ Schausteller Henry Stummer jun.jun. ist in der Szene gut vernetzt. Seiner Branche droht nach dem Shutdown das finanzielle Aus. „Wir haben seit den Weihnachtsmärkten kein Geld verdienen können. Das Ostergeschäft ist für jeden einzelnen von uns existenziell.“ Stummer und seine Berufskollegen bieten sich jetzt als Helfer in der Not an.

„Wir Schausteller können nicht stillsitzen. Wir wollen helfen“, verbreiten sie über ihre Interessenvertretung, den Deutschen Schaustellerbund (DSB). Sie bieten der Allgemeinheit ihre „brachliegenden Kapazitäten in personeller und materieller Sicht“ an, sagt Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands.

Auch Familie Stummer, hier Henry, Alex und Henry, stellt Gerät und Personal zur Verfügung, weil die ersten Volksfeste abgesagt sind. 

Schausteller fordern wegen Coronavirus schnelle finanzielle Hilfen

„Unsere Betriebe verfügen über Lkw und Lieferwagen, mit denen wir lebenswichtige Güter transportieren können. Wir haben Kräne und Werkzeuge, mit denen wir Polizei und Feuerwehr unterstützen können“, bringt sich eine Zunft in Erinnerung, die jetzt die Sorge hat, „zu den ganz großen Verlierern der Krise“ zu gehören.

„Mit dem Angebot von günstigen Krediten können wir nicht viel anfangen. Wir brauchen Lebensmittel“, führt Henry Stummer jun.jun aus. Er und mit ihm die Branche hoffe auf eine schnelle wie unbürokratische Zusage einer finanziellen Unterstützung. „Eine Auszahlung von 450 bis 600 Euro ist für viele von uns überlebenswichtig“, betont er.

„Wir haben das passende Gerät, um zu helfen“, heißt es in einer Kampagne des Schaustellerbundes. Seine Mitglieder müssen jetzt nach alternativen Einkommensquellen suchen.

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Schausteller sind in Vorkasse gegangen

Die in Bruchhausen-Vilsen ansässige Großfamilie Stummer betreibt zahlreiche Markt-Geschäfte. Henry jun.jun verdient sein Geld mit dem Angebot von Dosenwerfen und verkauft Bonbons aus eigener Produktion. Seinem Bruder Alex gehört der bei Teenagern so beliebte „Hip Hop Jumper“, sein Onkel Lars ist der Betreiber des in Vilsen und Bremen bestens bekannten Fahrgeschäfts „Polyp“.

Sie alle haben die Vorbereitungen für die Saison 2020 nahezu abgeschlossen. „Lars hat im Winter alle Gondeln lackieren lassen, bei Alex fand die umfangreiche TÜV-Abnahme bereits statt, bei mir lagern die ersten Süßigkeiten. Wir alle hatten schon Kosten, und jetzt können wir die nicht reinspielen“, schildert er die Folgen der coronabedingten Veranstaltungsabsagen aus seiner Sicht nicht nur im Pressegespräch.

Brokser Heiratsmarkt zur Corona-Krise: Bürgermeister wird aktiv

Henry Stummer hatte Gelegenheit, die Not der Schausteller an höherer Stelle darzustellen. Er habe zunächst Samtgemeindebürgermeister Bormann angesprochen. Dem Mit-Gastgeber des Brokser Heiratsmarktes musste er die aktuelle Notlage der Schausteller nicht lange erklären. „Ich habe ans Finanzministerium in Hannover die dringende Bitte weitergegeben, dass man die Schausteller jetzt nicht vergessen soll“, sagt dieser. Mit einem ersten Erfolg: „Ich hatte einen Anruf aus dem Ministerium und konnte berichten, wo es jetzt kneift“, so Stummer.

Auch Familie Stummer, hier Henry, Alex und Henry, stellt Gerät und Personal zur Verfügung, weil die ersten Volksfeste abgesagt sind. 

Die Osterwiese in Bremen und das Frühlingsfest in Hannover müssen Stummers und ihre Kollegen bereits abschreiben. Die Familie hatte alle Hoffnungen aufs Schützenfest in Wolfsburg im Mai gesetzt, doch auch das ist mittlerweile abgesagt worden. „Ich habe den Führerschein Klasse 2 und könnte Güter fahren“, sucht nicht nur Henry Stummer jun.jun. nach einträglichen Alternativen.

Verwandte wie Kollegen halten nicht nur Geräte wie Fahrzeuge vor, um in dieser Zeit sinnvoll zu helfen. Sie wollen auch anpacken. „Ein Kollege in Schneverdingen arbeitet jetzt in der Landwirtschaft und fährt Radlader. Seine Mitarbeiter packten als Erntehelfer mit an“, weiß er.

Stummers waren sich ihrer jahrelangen rumänischen Mitarbeiter so sicher, dass sie sie nicht lang im Voraus verpflichten mussten. „Sie konnten zu Hause bleiben, haben dort aber natürlich jetzt keine Arbeit“, weiß Henry jun.jun. um die weitreichenden Folgen. Seine Cousine habe vier feste Mitarbeiter für ihr Riesenrad. „Die können nirgendwohin ausreisen, die verpflegt sie jetzt mit. Einige Kollegen haben ihre Mitarbeiter auf eigene Kosten nach Rumänien zurückfliegen lassen müssen.“

In der Corona-Krise: Aktion für 375. Brokser Heiratsmarkt 

In Bruchhausen-Vilsen macht seit dem Wochenende eine Werbeaktion des Marktteams die Runde durch die sozialen Netzwerke. „Damit wir im August das 375. Jubiläum des Brokser Heiratsmarktes feiern können: Bitte bleibt gesund und Zuhause“ ist auf einem Motiv zu sehen, das auch das Riesenrad als Wahrzeichen des Marktes zeigt.

Damit der 375. Brockser Heiratsmarkt überhaupt stattfinden kann, hat das Marktteam dieses Plakat entworfen (bitte vergrößern).

„Wir sorgen uns um die Gesundheit aller und wollen mit dieser Aktion Solidarität zeigen und dazu beitragen, dass sich möglichst viele jetzt an die strengen Auflagen halten. Wenn wir dann später gemeinsam umso fröhlicher feiern können, lohnt sich doch jetzt die Disziplin“, sagt Marktmeister Ralf Rohlfing. Das von Sarah Verheyhen aus seinem Team gestaltete Bild ist binnen kürzester Zeit ungezählte Male geteilt worden, beweise die Resonanz.

Im Rathaus liefen die Vorbereitungen auf den Jubiläumsmarkt im Team Ralf Rohlfing, Sarah Verheyen und Christina Wendt derweil weiter. „Im März/April müssen wir organisatorisch schon fast auf der Zielgeraden sein“, schildert er den üblichen Zeitplan vor der Großveranstaltung.

Rubriklistenbild: © Siedenberg

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