Heiraten trotz Virus-Einschränkungen

Die eigene Hochzeit in der Corona-Pandemie: Plötzlich sind sämtliche Planungen dahin

Die Planung steht, der Saal ist reserviert, der Mann für die Musik gebucht. Dann kommt das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen – und machen die Hochzeits-Planungen erst einmal zunichte.

  • Hochzeitsplanung vieler Paare durch Coronavirus zunichte gemacht.
  • Die erlaubte Anzahl der Gäste einer Hochzeit wird laufend angepasst.
  • Schließung der Geschäfte durch Coronavirus macht Hochzeits-Shopping schwierig.

Bruchhausen-Vilsen - Regine Suling-Williges will am 5. Juni in der Nolteschen Mühle standesamtlich heiraten, am 13. Juni mit rund 120 Gästen feiern. Für sie, wie viele andere Paare, macht das Coronavirus die aufwendigen Planungen einer Hochzeit zunichte. „Für einige wurde dadurch sogar die komplette Lebensplanung über den Haufen geworfen“, sagt Sara Terveen.

Landkreis:Diepholz
Bevölkerung:6.005 (31. Dez. 2008)
Postleitzahl:27305
Bürgermeister:Peter Schmitz

Sara Terveen ist Hochzeitsplanerin und Brautmoden-Ausstatterin aus Bruchhausen-Vilsen. Sie wisse aus ihrer Erfahrung, dass nach der Hochzeit oft das erste Kind und noch ein Hausbau vorgesehen sind. Bei einem Verschieben des großen Tages gerät genau diese Planung ins Wanken.

„Zum Glück ist das bei uns nicht der Fall. Ein Haus haben wir schon. Unsere Tochter ist vier Jahre alt und freut sich sehr auf die Hochzeit. Doch wie soll die aussehen? Als Corona das öffentliche Leben lahmlegt, vertagen wir unsere große Hochzeitsfeier erst einmal direkt auf Ende September“, sagt die Braut. Immer in der Hoffnung, dass dann wieder Partys in der von ihr vorgesehenen Größenordnung möglich sein würden.

Geschlossen Geschäfte durch Corona: Woher kommt der passende Anzug?

„Den 5. Juni halten wir als Termin für die standesamtliche Trauung fest. Das nächste Problem: Wie kommen wir an das passende Outfit, wie an die richtigen Ringe? Der Lockdown macht eine Klamotten-Shopping-Tour unmöglich“, berichtet Regine Suling-Williges. So geht Woche für Woche ins Land.

Als Ende April die Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern wieder öffnen dürfen, begibt sie sich direkt auf die Suche nach einem Brautkleid und wird auf Anhieb fündig. „Meinem zukünftigen Ehemann ergeht es ähnlich, auch er findet vor Ort einen passenden Anzug. Und auch Eheringe kann man sich in Bruchhausen-Vilsen ab Ende April wieder prima schmieden lassen“ sagt sie.

Coronavirus: Keine großen Feiern oder opulente Kleider

Auch auf Hochzeitsfeiern muss Abstand gehalten werden. Viele Paare verschieben daher die große Feier und heiraten zunächst nur standesamtlich.

Manche Braut aber verzichtet in diesen Tagen auf ein opulentes Kleid, weiß Sara Terveen. „Ich habe auch schon Anrufe von Bräuten bekommen, die ihre Kleider zurückgeben wollen“, sagt die Inhaberin von „Braut im Glück“ im Luftkurort. Das gehe aber nicht, immerhin seien die Kleider extra für die Bräute bestellt worden.

Viele Paare heiraten derzeit nur standesamtlich. Statt eines Brautkleides sei dann eher ein schlichteres Outfit für die Trauung angesagt. Zudem seien viele angehende Ehepaare aktuell auch in Kurzarbeit und wollten deshalb kleiner heiraten, berichtet die Expertin. Die Corona-Einschränkungen sind ein weiterer Grund.

Gästezahl eingeschränkt: Zu Beginn dürfen nur vier Personen mitkommen

„Derweil fangen wir an zu kalkulieren, wie viele Gäste bei unserer Trauung dabei sein dürfen. Als wir uns Ende April zum Gespräch mit Standesbeamtin Angelika Leder treffen, sind es ganze vier Menschen, die wir mitbringen dürfen. Unsere Tochter und unsere Trauzeugen sind gesetzt. Nach und nach aber werden diese Zahlen in Niedersachsen aufgestockt. Erst auf zehn, dann auf 20 Gäste. Aber immer angepasst an den Trauort“, erzählt die Braut.

20 Personen feiern mit Regine Suling-Williges und ihrem Mann Hochzeit.

„Wir entscheiden uns, im Freien vor der Nolteschen Mühle zu heiraten. Dann darf unsere Hochzeitsgesellschaft – uns eingeschlossen – 20 Menschen umfasse“, sagt Suling-Williges. Das reiche für Trauzeugen mit Partner, Eltern, Geschwister und Fotografin. „Am Ende sind wir 19 Personen und führen akribisch eine Liste, wer bei der Trauung und wer beim anschließenden Essen im Lokal dabei ist. Als spontan eine Freundin aus Bremen auftaucht, sind wir 20“, sagt sie. Das passt, die Corona-Rechnung geht auf.

Wenige Tage später ist mehr als die doppelte Gästeanzahl erlaubt

„Hätten wir nur drei Tage später geheiratet, hätten wir bei der Trauung sogar 50 Personen sein dürfen. Die ständigen Veränderungen brachten nicht nur für uns einiges an Koordinationsarbeit, auch auf dem Standesamt Bruchhausen-Vilsen kostete das viele Telefonate“, berichtet Regine Suling-Williges.

„Wir hatten und haben mit vielen Terminänderungen und Verlegungen der Trauorte zu tun, weil unsere Brautpaare natürlich versucht haben, ihre Hochzeit neu und anders zu planen“, sagt Standesbeamtin Angelika Leder. Auf die eigentliche Trauung hätten nur wenige Paare verzichtet.

Coronavirus: Viele Paare verschieben große Hochzeitsfeier

„In der Zeit vom 13. März bis zum 30. Juni haben insgesamt 27 Trauungen stattgefunden. Das entspricht in etwa dem Niveau der Vorjahre“, sagt Angelika Leder. Sie weiß aber auch, dass viele Brautpaare ihre große Hochzeitsfeier auf das nächste Jahr gelegt haben. Vier Brautpaare haben ihre für April und Mai geplante Trauung in den Herbst verschoben. „Sieben weitere Paare haben sich entschieden, ihre standesamtliche Trauung und die Hochzeitsfeier erst im nächsten Jahr stattfinden zu lassen“, sagt Angelika Leder.

Regine Suling-Williges und ihr Mann aber seien froh, dass sie beim 5. Juni geblieben sind. „Das Wetter macht mit, die Kulisse vor der Nolteschen Mühle ist wunderschön. Wäre das Wetter schlecht gewesen, hätten wir in der Mühle heiraten müssen – mit einer Hochzeitsgesellschaft von zehn Personen, uns eingeschlossen", sagt sie.

Corona macht die Planung schwierig, aber nicht unmöglich

„Zum Glück scheint die Sonne, und der Regen lässt sich noch ein paar Stunden Zeit. Die Damen vom „Süster Kring“ haben ganze Arbeit geleistet, um Paaren wie uns auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten eine Hochzeit nach Wunsch zu ermöglichen. Weil wir draußen sind, muss niemand eine Maske tragen“ erzählt Suling-Williges.

„Sicher, Corona habe die Planung schwierig gemacht, aber ihre Hochzeit nicht unmöglich“, sagt die Braut, „da die Pandemie noch lange nicht ausgestanden zu sein scheint, haben wir unseren Hochzeitsparty-Termin noch einmal verlegt. Groß gefeiert wird im nächsten Jahr, zum ersten Hochzeitstag im Juni 2021.“

Rubriklistenbild: © Peter Byrne / picture alliance / dpa

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