Hilfe für die über 80-Jährigen

Der Weg zum rettenden Piks: Taxi-Service und Impf-Telefon ziehen Zwischenbilanz

Bianka Hrabowski vom Verein „Lebenswege Begleiten“ aus Bruchhausen-Vilsen nimmt die Anrufe der lokalen Impf-Hotline entgegen.
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Bianka Hrabowski vom Verein „Lebenswege Begleiten“ aus Bruchhausen-Vilsen nimmt die Anrufe der lokalen Impf-Hotline entgegen.

Br.-Vilsen – Es ist jetzt mehr als einen Monat her, seitdem die Samtgemeinde mit dem Verein „Lebenswege Begleiten“ das lokale Impf-Telefon ins Leben gerufen und gemeinsam mit den regionalen Taxiunternehmen die Impf-Fahrten auf die Beine gestellt hat. Nun ist es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die Kreiszeitung hat bei Günter Schweers, dem Inhaber des Taxiunternehmens Schweers in Bruchhausen-Vilsen, und Antje Alberts von „Lebenswege Begleiten“ nachgefragt.

Die Möglichkeiten für die über 80-Jährigen, zum Impfzentrum nach Bassum zu gelangen, sind vielfältig. Aktuell gibt es vier Varianten, wovon bei drei die gesamten Kosten für die Fahrten oder zumindest einen Teil davon übernommen werden. „Wir organisieren die Fahrten hier aktuell über Variante vier, wobei wir die älteren Herrschaften abholen und ins Impfzentrum bringen. In Bezug auf die Kosten haben wir sowie das Team vom Taxi Ruf Asendorf und die Kollegen vom Taxi Kirschner für Martfeld und Schwarme mit der Samtgemeinde einen Pauschalpreis vereinbart.

Diese trägt 50 Prozent der Kosten, die andere Hälfte übernehmen die Senioren selbst“, erklärt Günter Schweers. Sein Betrieb sei für Fahrten aus dem Flecken verantwortlich. „Mittlerweile gab es um die 20, und wir haben Senioren sowohl aus dem Ortskern Bruchhausen-Vilsen als auch aus den kleineren Gemeinden wie Süstedt abgeholt.“

Am Impfzentrum angekommen, könnten die Fahrgäste direkt vor der Tür aussteigen, das Taxi warte in der Zeit und stehe für die Rückfahrt bereit. „Das lief alles bisher einwandfrei und hat gut funktioniert“, lautet Günter Schweers Fazit. Die Frage, ob sich die Fahrten für seinen Betrieb rentieren würden, stellt sich ihm erst gar nicht. „Es geht mir viel mehr darum, dass die Menschen jetzt geimpft werden. Ob da ein, zwei Euro oder eben gar nichts übrig bleibt, ist nicht entscheidend.“

Für die sichere Beförderung hält sich das Taxiunternehmen akribisch an die vorgeschriebenen Corona-Maßnahmen. 15 Fahrzeuge seien mit einer Plexiglasscheibe zwischen Fahrer und Fahrgast ausgestattet. Darüber hinaus tragen neben den Gästen auch die Fahrer ausnahmslos medizinische Masken. „Jeder Millimeter schützt“, ist sich Günter Schweers sicher.

Nach seiner Einschätzung müsse das Angebot noch bis in den April hinein bestehen bleiben, denn es gebe noch viele Menschen, die eine Impfung erhalten müssten. „Wir bekommen nach wie vor Aufträge“, berichtet er.

Die Fahrten zum Impfzentrum bieten der Taxi Ruf Asendorf sowie das Taxi Kirschner und das Taxiunternehmen Schweers an. Archiv

Doch nicht alle über 80-Jährigen würden den Service in Anspruch nehmen. Einigen ist es auch möglich, selbst zum Impfzentrum zu fahren oder sich von Angehörigen bringen zu lassen. „Das zeichnet Variante drei aus: die eigene Organisation der Beförderung. Hier werden keine Kosten erstattet“, erklärt der Unternehmensinhaber. Allen, denen das nicht möglich ist, könnten den genannten Taxiservice in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus gebe es noch eine weitere Variante, zum Impfzentrum nach Bassum zu gelangen. „Jede Person, die mit dem Pflegegrad drei eingestuft ist, erhält einen sogenannten Taxischein. Dieser wird vom Arzt über ein Rezept ausgestellt, und damit können die Kosten über die jeweilige Krankenkasse abgerechnet werden“, erklärt Günter Schweers.

Jedoch bleiben dann immer noch Personen der vulnerablen Gruppe übrig. Für die hat das Land Niedersachsen gemeinsam mit dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), der die örtlichen Taxiunternehmen vertritt, die Variante zwei entwickelt. Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gibt dafür niedersachsenweit eine einheitliche Regelung zur Kostenübernahme für Impffahrten mit dem Taxi- oder Mietwagen für mobilitätseingeschränkte Personen zu den Impfzentren vor.

„Das bedeutet, dass Senioren, die von ihrem Hausarzt eine Mobilitätseinschränkung attestiert bekommen, weil sie beispielsweise nicht mehr Auto fahren können, Anspruch auf eine Beförderung mit dem Taxi haben. Die Kosten dafür werden über die Krankenversicherung abgedeckt“, erklärt Günter Schweers.

Über diese neue Regelung informiere aktuell die Kassenärztliche Vereinigung die niedergelassenen Ärzte mit Hochdruck. „Wir informieren rund um die Uhr über Neuerungen, beispielsweise per E-Mail“, meint Michael Schmitz, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Verden/Stade.

Zudem seien alle Informationen über die niedersachsenweite Regelung auf der Homepage zu finden. Eine weitere Möglichkeit für Ärzte, sich zu informieren, sei die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese werde auch permanent in Anspruch genommen, gibt Michael Schmitz an. „Falls es diesbezüglich vonseiten der Ärzte noch Unklarheiten geben sollte, stehen wir als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung“, versichert er. 

Das Impfzentrum für Personen aus dem Landkreis Diepholz befindet sich in Bassum. ARCHIV

Aber um überhaupt befördert werden zu können, benötigen die über 80-Jährigen erst einmal einen Impftermin. Und der ist schwierig zu bekommen. Hilfe bei der Vereinbarung bietet die lokale Impf-Hotline, die von der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gemeinsam mit dem Verein „Lebenswege Begleiten“ ins Leben gerufen wurde. Die vier Vereins-Mitarbeiter hängen seit dem 28. Januar täglich an der Strippe und nehmen Anrufe entgegen.

„Wir werden immer noch stark frequentiert, aber die Telefone glühen nicht mehr ganz so heiß wie am Anfang. Das Ohr hat auch mal Pause“, sagt Antje Alberts. Sie geht davon aus, dass viele Menschen auf die lokale Impf-Hotline zurückgreifen, da die Hotline des Landes Niedersachsen ständig besetzt sei. Die Gespräche würden sich allerdings nicht ausschließlich auf die Vereinbarung eines Impftermins beschränken. Anrufer würden auch Fragen rund um das Coronavirus stellen.

In Bezug auf die Terminvergabe gestalte sich die Situation laut Alberts immer noch schwierig: „Seit eineinhalb Wochen gibt es einfach keine Termine, und wir müssen die Senioren auf die Warteliste setzen.“ Wer sich dort einmal registriert hat, erhält automatisch einen Termin, sobald wieder welche zur Verfügung stehen. „Manchmal führt das zu Unmut, da beispielsweise Ehepaare nicht immer einen gemeinsamen Termin zugewiesen bekommen.

Darauf haben wir aber leider keinen Einfluss“, so Antje Alberts. Aktuell habe das Team viele Anrufer am Telefon, die bereits auf der Warteliste stehen, nun aber wissen möchten, wann sie ihren Termin erhalten. Darüber hinaus könnten viele nicht verstehen, warum keine Termine frei seien, wenn doch durch die Medien verbreitet werde, dass es genug Impfstoff gebe. „Wir schauen fast stündlich, ob es freie Termine gibt. Zwischendurch gibt es dann auch mal eine Stunde, in der es Lücken gibt. Das ist aber nicht kalkulierbar“, verrät Antje Alberts. Insgesamt sei die Stimmung jedoch gut. Die meisten Senioren sind erleichtert, dass sie überhaupt jemanden telefonisch erreichen. Andere wiederum würden sich nach der Impfung sogar erneut bei dem Hotline-Team melden und sich für die Unterstützung bedanken.

Kontakte

.  Lokale Impfhotline: 04252/9098329

.  Taxi Schweers: 04252/2359

.  Taxi Ruf Asendorf: 04253/292

.  Taxi Kirschner: 04255/982156

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