Finanzielle Stabilität wankt

Corona verhindert erneut Saisonstart der Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen am 1. Mai

Dampfeisenbahn mit historischen Gepäck am Bahnsteig
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Reise wie zur Jahrhundertwende – das sorgt im Schnitt für 30 000 Fahrten mit der Museumseisenbahn pro Jahr. Im Corona-Jahr waren es gerade noch gut 7 000. Finanziell eine Herausforderung.

Br.-Vilsen – „Es sind herausfordernde Zeiten“, informierte Wolf-Jobst Siedler die Mitglieder des Deutschen Eisenbahn-Vereins (DEV) während ihrer Jahreshauptversammlung, die traditionell am Wochenende vor dem Saisonstart abgehalten wird. Aus dem ersten Jahr der Corona-Pandemie ging der Verein mit 60 Prozent weniger Fahrgeldeinnahmen als erwartet und kalkuliert heraus.

Und auch die Saison 2021 kann nicht wie geplant am 1. Mai beginnen – die Schutzmaßnahmen von Bund und Land erlauben dieses Freizeitvergnügen derzeit nicht. Ein Team aus erfahrenen Mitgliedern will und darf den DEV durch diese Zeit führen.

Nahezu alle der 90 stimmberechtigten Mitglieder sprachen in einer Online-Versammlung Wolf-Jobst Siedler das Vertrauen aus und bestätigten ihn als ersten Vorsitzenden. Seine Stellvertreter bleiben Dirk Lonscher und Gunther Meckmann. Die in diesen Zeiten undankbare Aufgabe des Schatzmeisters bleibt in den Händen von Walter Stricks. Er habe ungezählte Anträge gestellt, um den corona-bedingten Ausfall der Fahrschein-Einnahmen aufzufangen. „Wir sind nicht im Minus gelandet“, stellte er den Geschäftsbericht vor. Doch die finanzielle Situation bleibe angespannt.

Die fehlenden Einnahmen führten dazu, dass der Verein keine neuen Projekte beginne. Denn vor allem die Werkstatt habe von den besucherstarken Nikolausfahrten profitiert. „Sie sorgten bisher für unsere finanzielle Stabilität“, erinnerte Stricks. „Wir konzentrieren jetzt alle Kräfte auf die Erhaltung der Substanz“, führte Siedler aus. Lediglich an der Komplettsanierung des künftigen Buffetwagens werde festgehalten. Wie sein Vorgänger, soll er als Publikumsliebling in keinem der Regelzüge fehlen. Noch sei er allerdings nicht einsatzbereit, mussten die Mitglieder hören. „Es kann nur besser werden, wir gucken positiv in die Zukunft“, gab Siedler als Marschrichtung aus.

Wohl wissend, dass das vergangene Jahr nicht nur an der finanziellen Substanz des Vereins gerüttelt habe. „Die Sommersaison war ein enormer Kraftakt und hat das Personal aufs Äußerste strapaziert“, blickte er zurück. Er befürchte einen Motivationsverlust der Mitglieder, weil sie durch die Schutzmaßnahmen nicht so tatkräftig mitarbeiten können wie sie es gerne würden. In diesem Zusammenhang mag sich die Berufung von Karl-Heinrich Waack in den Vorstand bewähren. Als Pastor im Ruhestand sei er geschult, Menschen in Krisen zu begleiten, stellte sich der neue Schriftführer vor.

Doch nicht nur psychischem Beistand darf sich der Verein sicher sein. „Gemeinde und Samtgemeinde werden alles dafür tun, dass der Slogan ,Luftkurort mit Pfiff‘ für die Ewigkeit gelte“, sicherten die Bürgermeister Lars Bierfischer und Bernd Bormann in einer Grußbotschaft zu. Für die politischen Entscheider gehöre die Museumsbahn zu Bruchhausen-Vilsen wie das Brandenburger Tor zu Berlin, ließen sie die Mitglieder wissen und bedankten sich bei ihnen ausdrücklich dafür, dass sie im Krisenjahr zur Stange gehalten hätten. „Wir hoffen, dass das Geräusch der Dampfloks bald wieder zur Kulisse von Bruchhausen-Vilsen gehören kann“, wünschten sie sich. Eine Anerkennung, über die sich der Vorstand im Namen der etwa 1 000 Mitglieder bedankte.

Obwohl völlig offen sei, wann die Museumsbahn ihren Betrieb aufnehmen dürfe, sei alles vorbereitet, um die historischen Züge zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf auf die Reise schicken zu können. Auch die beliebten Mottotage wie Inselbahn- oder historisches Wochenende stünden bereits im Fahrplan. Durchschnittlich 30 000 Fahrten zählt der Verein nach Auskunft von Dirk Lonscher im Jahr. Mit 44 000 Fahrten war 2016 eine Ausnahmesaison, ebenso wie 2021 mit 7 452. „Wir verfallen nicht in Trübsal, sondern sind startklar“, bewertete er diesen Part der Statistik.

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