Chancen und zugleich Risiken

Sozialarbeiterin referiert über „Grenzen“

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Ursula Koszudowski: „Ob eine Grenze uns beengt oder bereichert, hängt allein von uns ab.“

Asendorf - Von Jana Wohlers. „Über den Wolken, mag die Freiheit wohl grenzenlos sein“ – diese Zeile aus einem Lied von Reinhard Mey greift den vielleicht größten Menschheitstraum auf: die Grenzenlosigkeit.

Grenzenlos frei, grenzenlos glücklich, grenzenlos wohlhabend – wer wäre das nicht gerne? Über Grenzen und all ihre Facetten referierte am Freitagabend Ursula Koszudowski bei einer Veranstaltung vom „Frühstückstreffen für Frauen“ (FFF) vor rund 100 Besuchern im Gasthof Uhlhorn in Asendorf.

„Vom sinnvollen Umgang mit Grenzen“ hieß der Vortrag der Diplom-Sozialarbeiterin aus Cuxhaven. Grenzen gibt es viele, besonders im Alltag: Landes- und Zollgrenzen, Alters- und Geschwindigkeitsgrenzen oder historische Grenzen, wie die Berliner Mauer. „Natürlich kennen wir Grenzen. Aber viele Grenzen bemerken wir kaum, wir sind uns ihrer nicht bewusst“, leitete Koszudowski in ihren ebenso lehrreichen wie spannenden Vortrag ein.

„Es gibt unsichtbare, unfassbare Grenzen – wie die zwischen Arm und Reich, zwischen den Generationen und Kulturen“, sagte sie. Seit Jahrhunderten sind Grenzen Thema: in Politik, Gesellschaft, Philosophie. Und doch sind Grenzen so viel mehr, wie die Referentin eindrucksvoll aufzeigte. „Grenzen sind Chancen und Risiken zugleich.“

Die einen engen ein, die anderen schützen

Auf der einen Seite sind Grenzen das, was ihr Sprachgebrauch vermuten lässt: eine Begrenzung, die blind machen kann, einengt und schier erdrückend wirkt. Eben dann, wenn sie die persönliche Entfaltung hindert oder Gedankengänge bestimmt. Wie die letzte, und wohl meistgefürchtete Grenze im Leben: der Tod.

Auf der anderen Seite jedoch sind Grenzen laut Koszudowski positiv anzusehen. „Grenzen zeigen, wer und was wir sind und wohin wir gehören. Sie bieten uns Schutz, definieren unsere Zugehörigkeit.“

In einer Zeit des Höher-Schneller-Weiter und des Machbarkeits-Wahnsinns sei es wichtig, sich seiner eigenen Grenzen bewusst zu werden. Welche Grenzen möchte und muss ich setzen, damit es mir gut geht? Welche Grenzen verlangen Akzeptanz? Wo strebe ich eine Veränderung an und muss dazu eine Grenze überwinden? „Unterscheiden Sie zwischen Grenzen, die Sie einengen, und Grenzen, die Sie schützen“, riet die Referentin.

Für eine erste Hilfestellung zur Umsetzung ihrer Ratschläge hatte Ursula Koszudowski fünf „Haltepunkte“ mitgebracht:

1. „Machen Sie sich den Sinn von Grenzen bewusst: Wir sind alle unterschiedlich, und deshalb braucht jeder einzelne ganz individuelle Grenzen. Erst wenn wir unsere Grenzen an- und erkennen, können wir sie akzeptieren oder ändern.“

2. Grenzen akzeptieren: „Ob eine Grenze uns beengt oder bereichert, hängt allein von uns ab. Erst wenn wir auf eine Grenze zugehen, wissen wir, ob wir sie überwinden können und wollen.“

3. Grenzen setzen: „Wer keine Grenzen setzen kann, kann auch keine Grenzen überwinden.“

4. Eigene Grenzen aufzeigen: „Haben Sie den Mut, einfach mal Stopp zu sagen. Stehen Sie zu Ihren eigenen Grenzen, und zeigen Sie Grenzüberschreitern die Rote Karte!“

5. Freiheit gewinnen: „Wo denken Sie oft genau das, was andere von Ihnen wollen? Freiheit ist nicht unbedingt das, was wir uns als Grenzenlosigkeit vorstellen. Vielmehr ist es ein Stück Selbstakzeptanz, Grenzen zu setzen, zu akzeptieren und – wenn nötig – zu überwinden.“

Auch wenn Grenzenlosigkeit demnach gar nicht so vorteilhaft ist, wie sie klingt, so zeigten sich die Zuhörer des Vortrags doch grenzenlos begeistert von Koszudowskis Vortrag. Ihre Beispiele direkt aus dem Leben forderten zum Nachdenken über die eigenen Grenzen auf.

Am Samstag stand die Referentin vor rund 160 Frauen noch einmal auf der Bühne – mit dem Vortrag „Mein Leben findet heute statt“. „Die kleine Dorfkapelle“ untermalte beide Veranstaltungen.

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