Berit Kirschner fürchtet durch Direktvergabe um 80 Prozent ihres Umsatzes

Busunternehmerin in Angst: „Ich werde enteignet!“

Berit Kirschner aus Martfeld hat große Angst um ihren Betrieb, weil der ZVBN (Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) ihre Linien künftig direkt vergeben will – an ein Verkehrsunternehmen in öffentlicher Hand. - Foto: Seidel

Martfeld - Von Anke Seidel. Der Satz klingt trocken. Doch Busunternehmerin Berit Kirschner lässt er schier verzweifeln: Von der „Direktvergabe eines öffentlichen Dienstleistungsauftrags über Busverkehrsleistungen im Linienbündel Diepholz Nordost“ hängen 80 Prozent ihres Umsatzes ab, sagt die 57-Jährige – und klagt: „Ich werde enteignet!“

Sollten sich ihre Befürchtungen bestätigen, wäre für Omnibus und Taxi Kirschner, Martfeld, nach vier Jahrzehnten Schluss mit dem Schülertransport Martfeld/Bruchhausen-Vilsen und Schwarme/Bruchhausen-Vilsen. Genau der ist heute als Linien 164 und 165 in den Öffentlichen Personennahverkehr eingebunden. Will heißen: Alle Bürger können sie nutzen.

Künftig aber sind laut dem Willen der Kreistagspolitik diese beiden Linien Teil des Bündels Diepholz Nordost – und genau das wollen Landkreis und ZVBN (Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) zum 1. August 2018 direkt vergeben. Berit Kirschner ist sicher: Die VGH (Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya) soll ihre Linien bekommen. Denn Direktvergaben sind in der Regel nur an Unternehmen in öffentlicher Hand möglich – und ein solches Unternehmen ist die VGH.

Der Landkreis Diepholz hält – ebenso wie der Landkreis Nienburg – knapp zehn Prozent der Gesellschafter-Anteile, die Stadt Hoya 20 Prozent und die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen 18 Prozent. Auch die Stadt Syke gehört mit einem Anteil von neun Prozent zu den Gesellschaftern.

Für die Vergabe an die VGH spricht laut Berit Kirschner ebenso die Tatsache, dass dieses kommunale Unternehmen bereits fünf von zehn Linien im Bündel Diepholz Nordost betreibt – und damit die Hälfte. Drei weitere Linien sind in der Hand von Buspunkt Diehl, Asendorf.

„Meine Linien sind ein Geschenk an die VGH“, klagt Berit Kirschner mit Blick auf die europaweit veröffentlichte „Vorabinformation ohne Aufruf zum Wettbewerb“. Darin hat der ZVBN als Aufgabenträger die Direktvergabe angekündigt. An wen, steht allerdings nicht in dem Papier, der Name VGH taucht darin nicht auf. „Ein Fehler bei der Ausschreibung“, glaubt Berit Kirschner.

Das sieht Erster Kreisrat Wolfram van Lessen jedoch anders. Nach eingehender rechtlicher Prüfung sei die europaweite Vorab-Ausschreibung korrekt veröffentlicht worden, erklärte der Erste Kreisrat auf Anfrage. Die Vergabe der Kirschner-Linien an die VGH wollte Wolfram van Lessen weder bestätigen noch dementieren.

Aber er erläuterte die Rechtslage: Nach der Veröffentlichung der Vorab-Ausschreibung hätten Verkehrsbetriebe jetzt drei Monate Zeit, bei der Landesnahverkehrsgesellschaft eine „eigenwirtschaftliche Konzession“ zu beantragen. Will heißen: Ihre Bereitschaft bekunden, das Linienbündel Diepholz Nordost ohne öffentliche Zuschüsse zu betreiben.

Für Berit Kirschner ist das keine Option: „Früher haben wir den Schülertransport zu unserem Haustarif direkt mit dem Landkreis abgerechnet“, blickt sie zurück. Seit dem Beitritt zum Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen 1989 sei der Fahrpreis jedoch niedriger als der Haustarif, weil der Landkreis den Öffentlichen Personennahverkehr bezuschusse. Im Klartext: Die Eigenwirtschaftlichkeit wäre ein Verlustgeschäft.

Die 57-Jährige möchte ihren Auftrag wie gehabt weiterführen. „Eine Direktvergabe könnte auch an mich gemacht werden“, sagt die Busunternehmerin. Sie gehöre immerhin zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die weniger als 23 Fahrzeuge haben.

„Aber wenn der Landkreis mich nicht willl...“, fügt sie enttäuscht hinzu. „Würden die Linien öffentlich ausgeschrieben, dann hätte ich wenigstens eine Chance.“ Doch genau die sei durch die Direktvergabe ja zunichte gemacht.

Fünf Busse hat die Martfelderin auf den Linien 164 und 165 im Einsatz. „Es geht auch um fünf Arbeitsplätze“, sagt sie. Und es gehe um den Verlust von Erfahrung und Flexibilität vor Ort: „Wir kennen die Gegebenheiten hier!“

Zukünftig als Auftragnehmerin für ein kommunales Unternehmen zu fahren, ist für sie alles andere als ein schönes Szenario: „Das ist eine Frage des Geldes und der Länge der Verträge. Die laufen in der Regel nur ein Jahr.“

Bitter sei der drohende Verlust der Linien vor allem deshalb, „weil wir als Unternehmen ja nichts falsch gemacht haben“. Beim jüngsten Qualitätstest im VBN habe Omnibus und Taxi Kirschner mit 91,8 Prozent einen der besten Plätze belegt.

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