Dr. Jan Busse zu Gast in Dille

Es mangelt nicht an kreativen Ideen zur Lösung des Nahost-Konflikts

+
Dr. Jan Busse

Dille - Von Vivian Krause. Es ist unmöglich, in zwei Stunden den Nahostkonflikt zu erklären. Es ist ebenso unmöglich, einen zweistündigen Vortrag über den Nahostkonflikt in rund 3 500 Zeichen wiederzugeben. Es ist allerdings möglich, das Fazit des Referenten Dr. Jan Busse in wenigen Worten zu schildern: Es mangelt nicht an kreativen Ideen zur Lösung des Konflikts, sondern an der Kompromissbereitschaft und dem politischen Willen. „Es bleibt auf jeden Fall spannend!“, sagte er.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Professur für internationale Politik und Konfliktforschung der Universität der Bundeswehr in München hielt besagten Vortrag auf Einladung des Lions Club Grafschaft Hoya im Gasthaus Dillertal. Der Titel: „Im Nahen Osten nichts Neues? Der arabisch-israelische Konflikt inmitten regionaler und globaler Turbulenzen.“

„Die Thematik hält sich seit Jahrzehnten in der öffentlichen Berichterstattung“, sagte Busse. Und: Sie wird auch weiterhin nicht an Aktualität verlieren. Zuletzt ließ Donald Trump das Thema mit seiner Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, wieder aufkochen. Am 7. Dezember 2017 kündigte er an, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Trump wird laut Busse oft als sonderbare Person dargestellt. Doch der Inhalt seiner Worte sei vielleicht nicht immer sonderbar. Denn Trump habe eine Entscheidung des Kongresses von 1995 umgesetzt. Robert Joseph „Bob“ Dole habe damals das Gesetz eingebracht, dass die Vereinigten Staaten die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen sollen. „Man könnte sagen, Trump hat sich dem Wunsch des Kongresses gebeugt“, sagte Busse. Trump denke, dadurch einen neuen Ansatz für den Frieden im Nahen Osten eingeleitet zu haben.

Im Zentrum des Vortrags standen die zentralen Streitfragen des Nahostkonflikts. Dieser meint laut Busse sowohl den isrealisch-palästinensischen Konflikt als auch den israelisch-arabischen Konflikt. Beide würden sich beim Nahostkonflikt oft überlagern. Bei dem Vortrag standen die Palästinenser und Israelis im Fokus.

Es geht um mehr als Religion

Im Nahostkonflikt geht es um mehr als nur Religion. „Juden gegen Muslime – das ist eine verkürzte Darstellung“, sagte Busse. Es gehe zudem um das Territorium, es gehe darum, dass zwei unterschiedliche nationale und ethnische Gruppen um Unabhängigkeit streiten.

Dabei spielen die Grenzziehung und der Mauerbau, die Siedlungen in den besetzten Gebieten, die Rolle von Jerusalem und die palästinensischen Flüchtlinge eine Rolle.

Zum Thema Grenze und Mauer führte Busse folgendes aus: Ausgangspunkt für jegliche Diskussion darüber ist die Grüne Linie, die Green Line. Das ist nichts anderes als die „Waffenstillstandslinie des arabisch-israelischen Kriegs 1949, die mit einem grünen Stift gezogen wurde“, sagte Busse. Das Interessante: Rund 85 Prozent der Mauer – die übrigens ein bisschen höher als die Berliner Mauer ist – sind nicht im Sinne der Grünen Linie gebaut. Warum ist die Mauer noch ein Streitpunkt? Isreal ist der Meinung, sie dient der Sicherheit. Palästina ist der Meinung, sie schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Immerhin ist sie rund 700 Kilometer lang und bis zu acht Meter hoch.

Nicht nur die Mauer sorgt für eine räumliche Trennung. Auch auf den Straßen herrscht diese. „Israelis und Palästinenser begegnen sich in der Regel im Alltag nicht“, sagte Busse. In Israel zugelassene Fahrzeuge haben ein andersfarbiges Kennzeichen als palästinensische Wagen. Ein Beispiel ist ein getrenntes Straßensystem bei Bethlehem. Die Israelis fahren über eine Brücke, die Palästinenser unter ihr hindurch. Letztere brauchen dadurch viel länger für den Weg.

Wo der Weg bei diesem Konflikt hingeht? „Manchmal sind es Kleinigkeiten, die eine Veränderung bewirken können“, sagte Busse.

Ein Kommentar von Vivian Krause

B für Busse – oder Bildung

Intifada, A-, B- und C-Gebiete, Al-Quds – das sagt Ihnen etwas? Dann hoffe ich, Sie waren bei dem Vortrag. Die Begriffe sagen Ihnen nichts? Auch dann hätte Sie der Abend weitergebracht. Sicherlich zumindest so weit wie mich, die nach den Ausführungen ein Vokabelheft hätte füllen können oder ein Wörterbuch à la „Nahostkonflikt – Laie“, „Laie – Nahostkonflikt“. Denn ich habe weder Geschichte noch Politik studiert, und bin daher noch nie so tief in dieses Thema eingetaucht wie am Donnerstagabend. 

Wer also die Möglichkeit hat, Dr. Busse zu hören, sollte sie nutzen. Wer die Chance nicht hat, kann sich auch das Buch „Der Nahostkonflikt: Geschichte, Positionen, Perspektiven“, bei dem Busse als Co-Autor mitwirkte, als Lektüre bestellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Das Samsung Galaxy Note 9 im Test

Das Samsung Galaxy Note 9 im Test

Porsche 356 hat mit 70 Jahren noch viel Biss

Porsche 356 hat mit 70 Jahren noch viel Biss

Paketzustellung direkt ins parkende Auto

Paketzustellung direkt ins parkende Auto

Maas ruft nach Auschwitz-Besuch zu mehr Zivilcourage auf

Maas ruft nach Auschwitz-Besuch zu mehr Zivilcourage auf

Meistgelesene Artikel

Sattelzug gerät vor Baustellenbereich auf der A1 ins Schleudern - hoher Sachschaden 

Sattelzug gerät vor Baustellenbereich auf der A1 ins Schleudern - hoher Sachschaden 

AMC feiert Sonntag 60-jähriges Bestehen

AMC feiert Sonntag 60-jähriges Bestehen

Drei tolle Tage in Sulingen

Drei tolle Tage in Sulingen

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

Kommentare