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Für Bus und Bahn im Kreis Diepholz soll eine bessere Basis geschaffen werden

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Von: Anke Seidel

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Schulbusse bilden im Flächenlandkreis Diepholz das Rückgrat des ÖPNV. Wie er zukünftig gestaltet werden soll, darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Eine Arbeitsgruppe soll Verbesserungen ausloten.
Schulbusse bilden im Flächenlandkreis Diepholz das Rückgrat des ÖPNV. Wie er zukünftig gestaltet werden soll, darüber gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Eine Arbeitsgruppe soll Verbesserungen ausloten. © Sigi Schritt

Landkreis  Diepholz – Bessere Bedingungen soll es künftig für Bürger geben, wenn sie Bus oder Bahn nutzen möchten – sprich den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Doch dafür wollen die unterschiedlichen Fraktionen unterschiedliche Wege einschlagen. Nur in einem Punkt gibt es einen breiten Konsens: Eine Arbeitsgruppe soll Vorschläge und Ideen entwickeln.

Das beschloss der Kreistag im Montag während seiner Sitzung in der Mensa Bruchhausen-Vilsen. Kreistagsvorsitzende Susanne Cohrs (SPD) registrierte Einstimmigkeit in diesem Punkt – in anderen aber nicht.

So wollte Hermann Schröder (FWG) den Antrag der SPD-Kreistagsfraktion auf Einführung eines Sozialtickets von der Tagesordnung nehmen, damit die Arbeitsgruppe nicht schon festgelegt sei. Doch SPD-Fraktionschefin Astrid Schlegel empfand besagtes Ticket als „wesentlichen Teil“ ihrer Arbeit und wollte den Antrag behandelt wissen. 15 Kreistagsmitglieder (vor allem der FWG sowie der Grünen) stimmten für den Vorschlag von Hermann Schröder, die breite Mehrheit war jedoch dagegen.

Schon vor zwei Jahren hatte die SPD den Antrag auf das Sozialticket erarbeitet. „Aber dann kam uns Corona dazwischen“, begründete Astrid Schlegel die Verzögerung. Mittlerweile hat das Land die Einführung des 360-Euro-Jugendtickets, sprich für 30 Euro pro Monat, zum 1. August auf den Weg gebracht. „Wir wollen erstmal sehen, wie das angenommen wird“, erklärte Astrid Schlegel.

Erster Kreisrat Wolfram van Lessen berichtete, dass der Zweckverband des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (ZVBN) die Einführung des Jugendtickets für 30 Euro im Monat „heute beschlossen hat“.

Der Kreisschülerrat hatte jedoch die kostenlose Schülerbeförderung für die Sekundarstufe II beantragt (wir berichteten), er soll nun eine abschlägige Antwort erhalten. Verwundert zeigte sich Elke Oelmann (Grüne), dass sich die Arbeitsgruppe offenbar nicht mehr mit dem Antrag des Kreisschülerrats befassen solle. Wegen Bildungsgerechtigkeit sei das aber wichtig – und die kostenlose Schülerbeförderung eine langfristige Perspektive.

Finn Kortkamp (CDU) begrüßte das Jugendticket und wollte die Differenz zur kostenlosen Schülerbeförderung in Qualitätsverbesserungen des ÖPNV stecken.

Dagegen forderte Hermann Schröder (FWG) den kostenlosen ÖPNV. Wie beim geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien dürfe auch beim ÖPNV „nicht Klein-Klein“ gehandelt werden. Schon heute zahle die Öffentliche Hand 70 Prozent der ÖPNV-Kosten. Angesichts einer Förderung von 6000 Euro für jedes E-Auto sei der kostenlose ÖPNV durchaus finanzierbar. „Geiz ist geil“: Ganz sicher würden Bürger von ihrem Auto auf kostenlose öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Landrat Cord Bockhop hatte allerdings Bedenken, alles umsonst anzubieten und den Ausbau des ÖPNV womöglich verdoppeln zu müssen. Er fragte: „Wenn wir alles versprechen – können wir das alles finanzieren? Dauerhaft?“

Kein Thema war im Kreistag, dass die Verkehrsminister-Konferenz zumindest vorübergehend einen ÖPNV zum Nulltarif angeregt hatte – als Teil des energetischen Entlastungspakets der Bundesregierung. „Ob umsonst oder nicht: Es nutzt uns nichts, wenn keine Busse fahren“, erklärte Astrid Schlegel die Notwendigkeit, das Nahverkehrskonzept zu überdenken. Genau das soll die neue Arbeitsgruppe übernehmen, die auf Vorschlag von Finn Kortkamp aus den Mitgliedern des Schulausschusses und den Grundmandatsträgern bestehen soll. Möglichst bald soll die Beratung beginnen.

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