Neulinge verblüffen die Routiniers

Bundestagsabgeordnete sind begeistert von Kandidaten des Jugendrats

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Bürgermeister Henning Onkes dankte den Teilnehmern des Arbeitsforums Jugendpolitik bei dem Treffen im Ratssaal mit einer Urkunde und einem kleinen Präsent.

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Wenn angehende Jungpolitiker zwei Bundestagsabgeordneten gegenübersitzen, könnte man vermuten, dass der Nachwuchs ziemlich beeindruckt von den Routiniers ist. Doch bei dem letzten Treffen des Arbeitsforums Jugendpolitik am Dienstag im Ratssaal der Stadt Nienburg war es eher umgekehrt.

„Bei solchen jungen Leuten muss man sich um die Zukunft keine Sorgen machen“, bemerkte Grünen-Politikerin Katja Keul, die gemeinsam mit Maik Beermann (CDU) und der Bundestagskandidatin Marja-Liisa Völlers (SPD), Bürgermeister Henning Onkes und ein paar Mitgliedern des Stadtrates zu dem Treffen gekommen war.

Aufbruchstimmung und Vorfreude

Von Abschiedsschmerz war dort wenig zu spüren, dafür mehr von Aufbruchstimmung und Vorfreude. Denn aus dem Arbeitsforum wird nun mehr oder weniger der Jugendrat der Stadt Nienburg hervorgehen, der vom 8. bis 12. Mai gewählt wird (wir berichteten). So waren im Ratssaal nicht nur die Mitglieder des Arbeitsforums vertreten, sondern auch die zehn Kandidaten, die sich bislang zur Wahl stellen.

Sebastian Meyer vom Fachbereich Bildung, Soziales und Sport, der das Projekt Jugendrat gemeinsam mit Leonie Stöver betreut, nutzte die Veranstaltung sowohl um zurückzublicken, als auch um in die Zukunft zu schauen. „Als vor knapp zwei Jahren das Arbeitsforum gegründet wurde, um den Jugendrat vorzubereiten, gab es Stimmen, die sagten: ,Das kann doch gar nicht klappen, sowas funktioniert doch nur in Großstädten.’ Diese Stimmen sind nun weniger geworden, denn wir sehen: Es kann funktionieren.“

„Eins in Politik ist keine Voraussetzung“

Stöver stellte die Homepage des Jugendrates vor. Dort werden die abgeschlossenen und die geplanten Projekte des Gremiums aufgelistet. Außerdem erfahren Interessierte, wer sich für den Jugendrat aufstellen lassen kann und was er dafür mitbringen muss. „Eine Eins in Politik ist zum Beispiel keine notwendige Voraussetzung“, erklärte Stöver und Beermann warf schmunzelnd ein: „Die hatte ich auch nie.“ Ebenso finden sich dort Steckbriefe der zehn Kandidaten, in denen diese sich, ihre Motivation und ihre Ziele kurz vorstellen.

Insgesamt sind neun Plätze zu vergeben. Noch bis zum 23. April können sich Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren aus der Stadt Nienburg aufstellen lassen. Und Meyer und Stöver hoffen, dass sich noch ein paar Interessenten melden werden – besonders junge Frauen, denn von denen kandidieren bisher nur zwei.

Antworten zu sozialen Netzwerken überraschen

„Was glaubt ihr, warum bewerben sich so wenig Mädchen?“, wollte Völlers beim anschließenden Gespräch mit den Jugendlichen wissen. „Viele, die wollten, wohnen nicht in der Stadt oder sind in ihrer Freizeit schon sehr eingespannt“, erklärte eine der Teilnehmerinnen des Forums. Einer der Jungen vermutete, dass viele Mädchen vielleicht auch zu schüchtern seien, und eine der Kandidatinnen meinte trocken: „Ich glaube, es interessieren sich generell mehr Männer für Politik, weil sie einfach immer das Wort haben wollen.“ Eine Aussage, die für Gelächter sorgte, die Beermann sogleich korrigieren wollte und Keul schmunzelnd bestätigte.

Doch die Jugendlichen zeigten, dass mögliche Kandidatinnen auf keine „Machos“, sondern auf aufgeschlossene junge Männer treffen werden, die gern mit Frauen zusammenarbeiten möchten. „Wenn sich gar keine Mädchen melden, können wir bei der nächsten Wahl auch über eine Frauenquote nachdenken“, sagte ein Teilnehmer.

Für Verblüffung sorgten die Jugendlichen, als es um die Themen soziale Netzwerke und den Jugendbürgermeister ging. „Nutzt ihr die sozialen Medien, um euch und die Wahl bekannt zu machen?“, fragte Beermann. „Ich bin nicht bei Facebook, weil es mir zu unpersönlich ist und ich lieber direkt mit Menschen spreche. Statt sich auf die Netzwerke zu verlassen, möchte ich, dass die Leute sich erzählen, dass ich das, was ich verspreche, auch einhalte“, sagte eine Kandidatin, und ihr Mitstreiter fügte hinzu: „In sozialen Netzwerken entstehen auch oft falsche Bilder.“

„Wir entscheiden gemeinsam“

Die Bundestagsabgeordneten staunten ebenso, als Beermann fragte, warum sich die Jugendlichen bewusst gegen einen Jugendbürgermeister entschieden haben, der dem Rat vorsteht. „Wir sind eine Gruppe und entscheiden gemeinsam, demokratisch und tragen auch zusammen die Last. Wir wollen nicht, dass ein Jugendbürgermeister unter der Verantwortung zerbricht. Außerdem klingt das so hochgestellt.“ „Das ist toll, dass es bei euch nicht um Posten geht“, lobte Beermann, und auch Keul sagte angesichts von so viel Empathie und Demokratie-Verständnis: „Ich bin begeistert von diesen Jugendlichen.“

Am Ende stellten auch die Nachwuchs-Politiker den Gästen noch ein paar Fragen: Verdient man als Politiker Geld oder ist das ein Hobby? Wieso wolltet ihr Politiker werden? Habt ihr Tipps für uns? „Ihr müsst mit einer Stimme sprechen, um Ziele zu erreichen“, sagte Beermann. „Sucht euch Verbündete und stellt euch darauf ein, dass ihr nicht alle Wünsche erfüllen könnt“, meinte Völlers, und Keul schloss mit den Worten: „Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr immer in unsere Wahlkreisbüros kommen.“

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