Bürger wollen historisches Gebäude restaurieren / Infoabend am 6. Januar

Die Obermühle in Süstedt soll bald wieder klappern

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Jörg Peter Lammers (links) und Eberhard Schumann wollen die Obermühle zu einer touristischen Attraktion machen.

Süstedt - Von Mareike Hahn. Für Jörg Peter Lammers ist es eine Mühle wie aus dem Bilderbuch. „Wenn man einem Kind sagen würde, dass es eine Wassermühle malen soll – sie würde genauso aussehen“, meint der Ingenieur für Bodenwissenschaft. Die Rede ist von der Obermühle in Süstedt. Dass das 1738 errichtete Gebäude immer mehr verfällt, kann der Vechtaer nur schwer ertragen. Deshalb kämpft er darum, es wieder instand zu setzen. Einen Mitstreiter hat Lammers in Eberhard Schumann aus Bruchhausen-Vilsen gefunden. Die zwei Männer wollen ihr Vorhaben zusammen mit möglichst vielen Bürgern umsetzen.

Lammers und Schumann brennen für ihr Projekt, das ist unverkennbar. Wenn die Verbündeten über die Obermühle sprechen, leuchten ihre Augen. Und sie geizen nicht mit Emotionen: „Dass diese Mühle nicht restauriert ist, nervt mich dermaßen“, sagt Lammers und möchte sich „einen Jugendtraum erfüllen“. Immerhin interessiere er sich seit frühester Kindheit für alle Mühlen. Und seit er in den 1990er-Jahren die Süstedter Obermühle zum ersten Mal gesehen habe, sei sie ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Auch Schumann verbindet viele Erinnerungen mit dem Gebäude; als kleiner Junge, in den 50ern, verbrachte er dort viel Zeit: „Ich habe stets gerne zugesehen, wie sich das Wasserrad drehte.“

Bis in die 1980er-Jahre soll die unter Denkmalschutz stehende Wassermühle genutzt worden sein, seitdem nagt der Zahn der Zeit an ihr. Das könnte sich bald ändern. Seit anderthalb Jahren befassen sich Schumann und Lammers mit dem Thema, nach einer „positiven Klärung der Besitzverhältnisse sowie positiven Gesprächen mit der Besitzerin und der Samtgemeinde-Verwaltung“ wird es jetzt konkret. Als nächsten Schritt wollen die Mühlen-Fans den „Verein Obermühle Süstedt von 1738“ gründen. Alle Einwohner sind für Mittwoch, 6. Januar, um 19 Uhr in die Noltesche Scheune in Süstedt eingeladen. Dort werden Schumann und Lammers ihre Ideen vorstellen.

Die sprudeln nur so aus den beiden raus. „Wir möchten die Obermühle in ihren ursprünglichen Zustand versetzen“, sagt Lammers. Dazu gehört auch, das abgängige, oberschlächtige Wasserrad mit einem Durchmesser von 5,80 Meter zu erneuern. „Ein Alleinstellungsmerkmal“, erläutert Lammers. „Keine Mühle in der Gegend hat so ein großes Wasserrad.“

Die Feldstein-Pflasterung auf dem Platz vor der Mühle soll erhalten bleiben. Lammers: „Man kann sich richtig vorstellen, wie die Bauern früher da ihre Karren gewendet haben.“ Bemerkenswert sei auch die Aufzugsgaube im Obergeschoss, durch die der Müller einst Kornsäcke hochgezogen habe: „Die nächste ist erst in Düren, Westfalen zu finden.“

Im Gebäude sollen laut Schumann ein Museum, ein Café und ein Ausstellungsraum entstehen. „Ich würde gerne die erste Ausstellung mit meinen Mühlen-Bildern bestücken“, sagt der Bruchhausen-Vilser. Er hat in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr als 700 Wind- und Wassermühlen fotografiert.

Auch um den Außenbereich haben sich die Verbündeten schon viele Gedanken gemacht. Das noch heute genutzte Wohnhaus auf dem Gelände an der Harmisser Straße möchten sie vom Geschehen abtrennen.

Der „Verein Obermühle“ soll mit dem Heimatverein Süster Kring, der die Noltesche Mühle in Süstedt betreibt, zusammenarbeiten. „Die zwei Attraktionen werden sich gegenseitig befruchten“, erklärt Schumann. Daher sei ein Verbindungsweg zwischen den 700 Meter auseinander liegenden Gebäuden geplant. Einen „mühlenkundlichen Lehrpfad mit Infotafeln zu Recht, Technik und Art der Mühlen“ wünscht sich Lammers dort.

Rund um die Obermühle wollen die Männer Rad- und Wanderwege sowie mehrere Sitzbänke installieren. Schumann, der früher als Landschaftsgärtner gearbeitet hat, möchte einen Landschaftspark einrichten. In der Nähe der Mühle befinden sich zahlreiche alte Eichen und Buchen, Teiche sowie ein Tal mit 48 Quellen. „Da sprudelt es richtig“, sagt Schumann und spricht von einem „Kleinod, das zu einem kleinen Heiligenberg werden könnte“. Er kann sich ferner eine Streuobstwiese vorstellen, eine Eselfarm und eine Ziegenweide.

Auf einige Hunderttausend Euro schätzen Schumann und Lammers die Kosten für ihr Projekt, das sie in den nächsten fünf Jahren realisieren wollen. „Der Verein soll die Obermühle für den symbolischen Euro pachten“, sagt Schumann. Er hoffe auf Fördergelder, Zuschüsse von Samtgemeinde und Flecken sowie auf Spenden und Sponsorenbeiträge. Und vor allem auf viele Bürger, die mitmachen, Kritik oder Anregungen äußern. Schumann ist unter Telefon 04252/1675 oder E-Mail cf.schumann@t-online.de erreichbar, Lammers unter E-Mail heinz.lammers@ewetel.net.

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