Initiative in Martfeld

Büdelretter verteilen Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden

Lebensmittelretter aus Martfeld: Sandy Ockendorf (links) vom Organisationsteam und Franziska Eimler, die eine der Verteilstationen betreibt, zeigen, was sie vor der Tonne retten. Gemüse macht den Hauptanteil aus.
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Lebensmittelretter aus Martfeld: Sandy Ockendorf (links) vom Organisationsteam und Franziska Eimler, die eine der Verteilstationen betreibt, zeigen, was sie vor der Tonne retten. Gemüse macht den Hauptanteil aus.

Martfeld – Viele Kisten voller Lebensmittel türmen sich auf dem Hof eines ehemaligen Getränkemarkts in Martfeld. In den Kisten stecken an diesem Tag Kartoffeln, Salate, Paprika, aber auch frische Nudeln. Vor jeder der Abholstationen stehen im strömenden Regen freiwillige Helfer. Ein Auto nach dem anderen rollt derweil auf den Hof. Die Ehrenamtlichen wuchten Kisten auf Ladeflächen und in Anhänger.

Hier sind die Büdelretter in Aktion. So nennt sich die Initiative der Lebensmittelretter um Sandy Ockendorf und Sabrina Kramer, die seit etwa drei Monaten bis zu dreimal in der Woche insgesamt rund zehn Tonnen Lebensmittel umschlagen und weiterverteilen. Allesamt Nahrungsmittel, die in der Tonne gelandet wären, wenn die Büdelretter sie nicht abgeholt hätten.

„Es ist einfach schade, wenn Lebensmittel wegkommen“, begründet Sandy Ockendorf ihr ehrenamtliches Engagement. Von einem Unternehmen erhalten sie die überschüssigen Nahrungsmittel, nachdem andere Institutionen wie die Tafeln sich dort den Teil der Ware ausgesucht haben, den sie verwenden können und dürfen. Für all das, was übrig bleibt, schlägt dann die Stunde der Büdelretter. Sie holen die Ware mit einem Lkw ab und verteilen sie weiter an lokale Gruppen, die unter anderem in Syke, Neuenkirchen, Bassum, Bremen, Delmenhorst, Nienburg, Steyerberg oder Sonnenborstel aktiv sind und die frischen Lebensmittel innerhalb kürzester Zeit bei sich vor Ort weitergeben. „Das kann mal ein Lkw sein oder auch mal zwei“, beschreiben die Organisatorinnen die Unwägbarkeiten, mit denen sie umgehen müssen, wenn sie einen Anruf des Unternehmens erhalten, das ihnen die Ware spendet. Dann heißt es: „Mädels, wir starten mit einer spontanen Tour – und innerhalb von einer Stunde steht alles.“

Büdelretter mit großem zeitlichen Aufwand und viel Einsatz

Für das Organisationsteam bedeutet das einen großen zeitlichen Aufwand und viel Einsatz – neben Familie und eigentlicher Arbeit. „Denn das hier machen wir komplett ehrenamtlich“, sagt Sandy Ockendorf. Auch die Helfer vor Ort sind freiwillig im Einsatz und haben sich über Mundpropaganda zusammengefunden.

Finanziert werden Ausgaben wie die für den Lkw-Transport oder die Lagerung der kühlpflichtigen Lebensmittel in einem Kühlanhänger komplett über Spenden. „Nur gemeinsam kann man das stemmen“, erzählt Sabrina Kramer und freut sich: „Da wir hier in Martfeld alle in meinen Augen toll für gemeinsame Projekte stehen und solche bewältigen können, haben wir viele Helfer gefunden, die regelmäßig mitmachen. Das ist großartig.“

Gemeinsam anpacken, damit weniger Lebensmittel in die Tonne wandern: Das ist der Anspruch der Beteiligten. Die Aktivitäten der Büdelretter zahlen auch auf das erklärte Ziel der Bundesregierung ein, bis zum Jahr 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren.

„Bei uns ist es anonym, und jeder darf kommen“

Außerdem verfolgen sie auch eine soziale Komponente: Jeder Interessierte erhalte unabhängig von seinem Einkommen an den Ausgabestellen gegen eine Spende Lebensmittel. Es gebe auch viele Menschen, die sich schämten, zur Tafel zu gehen, obwohl sie es eigentlich dürften, wissen die Initiatorinnen. Für Menschen wie diese sei der Gang zu den Lebensmittelrettern ideal: „Denn bei uns ist es anonym, und jeder darf kommen.“

Der Ablauf bei den Büdelrettern ist optimal organisiert, jeder hat seine Aufgabe, alle packen mit an. „Muskelkater inklusive“, schmunzelt Sandy Ockendorf und fügt an: „Da spart man sich das Fitnessstudio.“ Die insgesamt 15 Abholer der weiteren Verteilstellen werden über Messenger-Gruppen zeitlich so organisiert, dass die Verteilung der Lebensmittel dem vom Gesundheitsamt genehmigten Hygienekonzept entspricht. Zudem wird auf dem Parkplatz nur mit Maske und Abstand gearbeitet. Den Hauptanteil der geretteten Lebensmittel mache Gemüse aus. Übrig bleibe am Ende nichts: „Wir werden bis auf die letzte Kiste immer alles los“, sagt Sandy Ockendorf. Aus ihrer lockeren Initiative wollen die Aktiven in Kürze einen Verein machen. Optimal wäre es für die ehrenamtlich agierende Mannschaft, mittelfristig eine Halle zu finden, in der sie die Ware wetterunabhängig weiterverteilen kann. „Gerade für den Sommer brauchen wir etwas Überdachtes“, sagt Sandy Ockendorf.

Wer bei den Büdelrettern mitmachen will oder sich für die nächstgelegene Abholstelle interessiert, kann sich per E-Mail an das Organisations-Team wenden: buedelretter@gmail.com.

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