Landwirt von ganzem Herzen

Bruchhausen-Vilser Leistungspflüger Tjark Müller gibt Einblicke in seine Ausbildung

Tjark Müller mit seinem Chef Karsten Lüdemann (links) und Phillip Volbert (rechts) an der Sortiermaschine für Saatkartoffeln.
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Tjark Müller mit seinem Chef Karsten Lüdemann (links) und Phillip Volbert (rechts) an der Sortiermaschine für Saatkartoffeln.

Br.-Vilsen / Nindorf – Schon beim Kreisleistungspflügen im Landkreis Rotenburg hat Tjark Müller bewiesen, dass er sich mit Landmaschinen und deren Handhabung bestens auskennt. Zusammen mit seinem Kollegen Phillip Volbert belegte er dort den ersten Platz und darf nun im Gebietsentscheid um den Einzug zum Landesfinale pflügen (wir berichteten). Derzeit absolviert er seine Ausbildung in der Landwirtschaft auf dem Kartoffelhof Lüdemann in Nindorf bei Visselhövede.

Nachdem er schon seine erste Ausbildung der Landmaschinenmechatronik abgeschlossen und sein erstes Lehrjahr in der Gemeinde Kirchlinteln hinter sich hatte, wollte er sein landwirtschaftliches Profil noch weiter abrunden. „Im Umkreis von einer Stunde Fahrzeit habe ich etwas gesucht“, sagt der Bruchhausen-Vilser. Er hörte vom Ausbildungsbetrieb von Karsten Lüdemann, der sich stark auf den Anbau der dollen Knolle fokussiert hat. „Ich wollte mal in die Kartoffeln gehen und mehr über den Anbau dieser Frucht erfahren“, begründet Müller seine Auswahl.

Karsten Lüdemann betreibe seit Jahrzehnten erfolgreich den Anbau von Speisekartoffeln. Das Geheimnis des Erfolges liege dabei zum einen in einer exzellenten Produktionstechnik, zum anderen in dem geschickten Aufbau und der Pflege eigener Vermarktungswege. Müller wollte unbedingt von dem pflanzenbaulichen Fachwissen, speziell für Kartoffeln, profitieren. Denn derart spezialisierte Betriebe finde man als Auszubildender in der näheren Umgebung nicht so leicht. „Mir war außerdem klar, dass ich nicht bis zum Ende des Arbeitslebens als Landmaschinenmechatroniker arbeiten möchte“, meint Müller. Die Arbeit als Landwirt sei viel abwechslungsreicher. „Hier müssen wir jeden Tag etwas anderes machen“, stimmt sein Kollege Phillip Volbert aus Barsbüttel zu.

Die beiden sind nicht nur beim Pflügen ein Team, sondern arbeiten auch täglich in der gleichen Gruppe des Hofes mit insgesamt 15 Mitarbeitern zusammen, weil in der Corona-Krise die Abläufe im Kartoffelbetrieb umstrukturiert werden mussten. „Jetzt haben wir nur noch mit unserer Gruppe zusammen die Mittagspause, wobei sonst viele Dinge besprochen werden“, schildert Tjark Müller die derzeitige Situation. Der Austausch beim Mittagsessen sei eben zwischen allen Kollegen sehr wichtig, aber vorsichtshalber gebe es nun die Mahlzeiten in Schichten.

Ein fertig ausgebildeter Landmaschinenmechatroniker war ein willkommener Lehrling beim Kartoffelhof Lüdemann, weil der große Betrieb einen entsprechenden Maschinenpark habe. Vom normalen Trecker bis zum riesigen Zuckerrübenroder habe Tjark Müller nämlich an allerhand landwirtschaftlichen Geräten in der Werkstatt geschraubt.

Auch das Dorfleben in Nindorf gehe in seinem zweiten Ausbildungsjahr weitgehend an ihm vorbei. „Wir haben nur davon gehört, was hier sonst so los ist bei den Festen“, zeigt er sich etwas wehmütig ob der verpassten Feierlichkeiten im Corona-Jahr. So werde beispielsweise alljährlich vom Trecker-Treck-Team Nindorf das überregional bekannte Event des Trecker Treck mit mehreren Tausend Zuschauern organisiert. Sicherlich ein Grund, in Zukunft mal wieder an der Vissel vorbeizuschauen und vielleicht mit dem eigenen Ackerboliden beim Wettstreit der Pferdestärken teilzunehmen. Normalerweise wechseln die Azubis sich mit den freien Wochenenden ab, wodurch viele Kontakte zu Berufskollegen im Ort des Ausbildungsbetriebes geknüpft werden.

Tjark Müller ist ein angehender Landwirt von ganzem Herzen, weil die Berufswahl nie eine große Frage für ihn gewesen sei. „Mir war immer klar, dass ich was mit Landwirtschaft machen will“, sagt er, wohlwissend, dass dieser Beruf derzeit auch mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Viel habe er schon im elterlichen Bauernhof in die Wiege gelegt bekommen, auch wenn diesen Hof sein Bruder übernehmen werde. Angesichts des Fachkräftemangels in der Landwirtschaft blicke er dennoch optimistisch auf seine Berufsaussichten, denn er habe auch schon in anderen Betrieben der Heimatregion gearbeitet. Außerdem sei ihm wichtig, in seinem künftigen Berufsleben mit klar landwirtschaftlichem Fokus die Verbraucher über die von ihm produzierten Lebensmittel und deren Erzeugung aufzuklären.

Derzeit ist Tjark Müller mit seinem Azubi-Kollegen Phillip Volbert oft auf dem Feld anzutreffen, weil die Zuckerrübenernte im vollen Gange ist und die Flächen gegrubbert werden müssen. Auch im trüben November gebe es immer Arbeit.

Von Henning Leeske

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