Bruchhausen-Vilsens Nachtwächter berichtet über interessante Gegebenheiten

Schaurige Geschichten sorgen für Gänsehaut

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Nachtwächter Hors von Brooke führte jetzt mehr als 20 Personen durch den Vilser Ortskern.

Br.-Vilsen - Von Heiner Büntemeyer. Nachtwächter Hors von Brooke alias Horst Brockmüller nahm kürzlich mehr als 20 Gäste mit auf einen abendlichen Spaziergang durch den Vilser Ortskern. Zum Schutz vor der nasskalten Witterung hatte er sich einen dunklen Umhang mit spitzer Kapuze übergezogen. Historisch korrekt sei diese Kleidung nicht, erklärte Brockmüller, denn die Nachtwächter hätten seinerzeit ebenso wie die Totengräber und Abdecker zu den Außenseitern der Gesellschaft gehört. Daher hätte er eigentlich zerlumpte Klamotten anziehen müssen.

Zu seinen Gerätschaften gehörten Horn, Laterne und eine Hellebarde, die auch als „Rossschinder“ bezeichnet wird. Auch den Bruchhausen-Vilser Nachtwächtervertrag von 1794 hatte er mitgebracht, aus dem er Passagen über Dienstpflichten und Arbeitszeit der Nachtwächter zitierte.

Ausgangspunkt der Führung war das Bavendamsche Haus, wo der Spaziergang nach eineinhalb Stunden auch wieder endete. Unterwegs informierte der Nachtwächter über Bürgermeister Hohnholz, der schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, lange vor Einführung einer Pflichtfeuerwehr, in Vilsen Grundlagen für einen effektiven Feuerschutz erarbeitete. Er ließ Löschteiche anlegen, beschaffte eine Feuerspritze und erarbeitete einen Übungs- und Einsatzplan für alle Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren. „Vom Dienst waren nur Ärzte, Apotheker, Geistliche, Lehrer und Beamte befreit“, berichtete Brockmüller.

Natürlich hörten die Gäste auch die Geschichte über die letzte Hinrichtung in Vilsen. 1829 war dazu eigens der Henker Hartmann aus Hannover angereist, „weil der für seine vorzügliche Arbeit bekannt war“. Dem örtlichen Henker, der in Homfeld wohnte, habe man diese Aufgabe offenbar nicht zugetraut. Jedenfalls enthauptete Hartmann damals auf dem Richtplatz nahe der jetzigen Gaststätte Fahlenkamp den Buchbinder Meyer, der seine Frau ermordet hatte.

An den drei großen Glocken neben der Kirche klärte Brockmöller die Gäste darüber auf, dass es die Cyriakus-Kirche niemals gegeben habe. Der oft gebräuchliche Name für das Gotteshaus sei auf eine längst eingeschmolzene Glocke zurückzuführen, die wegen einer Inschrift als „Cyriakus-Glocke“ bezeichnet wurde. Die Kirche sei uralt und stamme möglicherweise aus der Karolingerzeit, urkundlich erwähnt wurde sie allerdings erstmals 1218.

Am „Starcke-Denkmal“ neben der Kirche erinnerte der Nachtwächter an einen „unglaublichen Frevel“, der sich dort vor etwa 15 Jahren ereignet habe, als die uralte Linde gefällt wurde. Dieser Baum, erklärte Brockmüller, sei der zentrale Platz im Dorf gewesen. Dort hätten sich die Bewohner der 13 zum Kirchspiel Vilsen gehörenden Ortschaften regelmäßig vor dem Kirchgang getroffen. Unter dieser Linde habe wahrscheinlich auch das Gogericht getagt.

Dunkelheit, enge Gassen und die zum Teil schaurigen Geschichten von Hors von Brooke sorgten bei einigen Tour-Teilnehmern für Gänsehaut.

Mit etwas Fantasie konnten sie sich den Prediger Johann Starcke vorstellen, wie er angesichts des großen Brands 1791 den Heiligen Sankt Florian beschwort, das Gotteshaus vor den Flammen zu verschonen – übrigens mit Erfolg, sodass ihm zu Ehren auf dem Kirchhof ein Denkmal gesetzt wurde.

Wer Interesse an einer Führung mit Nachtwächter Hors von Brooke hat oder mehr Informationen wünscht, kann sich beim „TourismusService“, Telefon 04252/930050, oder per E-Mail an tourismus@bruchhausen-vilsen.de melden. Die Teilnahme kostet je nach Gruppenstärke etwa drei Euro pro Person.

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