Samtgemeinde sucht freien Träger

In Bruchhausen-Vilsen soll eine neue Kita gebaut werden

Samtgemeinde - Von Mareike Hahn. Um weitere Kindergarten- und Krippenplätze zu schaffen, will die Samtgemeinde einen neuen Weg gehen. Sie sucht einen freien Träger, der eine zusätzliche Kindertagesstätte mit 65 Plätzen in Bruchhausen-Vilsen bauen soll.

Aktuell läuft das sogenannte Interessenbekundungsverfahren. „Wir freuen uns, den Eltern künftig mehr Auswahl zu bieten“, sagt Cattrin Siemers, Ressortleiterin Bildung bei der Samtgemeinde, und spricht von einer „absoluten Bereicherung“.

493 Plätze für Kindergarten- und Krippenkinder hält die Samtgemeinde derzeit in den kommunalen Kitas vor. Dazu kommen 35 Plätze im Waldorfkindergarten Bruchhausen-Vilsen sowie je zehn in den privaten Spielkreisen Rabenhöhle (Bruchhausen-Vilsen) und Nestlinge (Uenzen). Insgesamt können also 548 Kids untergebracht werden. So viele wie noch nie – und dennoch zu wenige. „Die Plätze reichen immer noch nicht“, sagt Siemers.

„Demografen haben lange gewarnt, dass die Zahl der Kinder sinken wird“, ergänzt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann. Doch weit gefehlt: Die Bürger der Samtgemeinde bringen heutzutage 115 bis 120 Kinder im Jahr zur Welt, auf dem Tiefpunkt waren es 100. 

Dazu kommen nach Bormanns Angaben Zuzüge junger Familien von außerhalb in die Neubaugebiete, die in dieser Größenordnung nicht vorhersehbar gewesen seien. „Und die Anmeldequote ist deutlich höher geworden“, fügt Siemers hinzu. Immer mehr Eltern schicken ihre Sprösslinge immer jünger in die Kita, wo diese nachmittags immer länger bleiben.

Handlungsbedarf für die Zukunft

Noch komme man mit den bestehenden Einrichtungen in Bruchhausen-Vilsen, Scholen, Haendorf, Martfeld, Schwarme und Uenzen irgendwie über die Runden, sagt Siemers. Doch für die Zukunft sieht sie „dringenden Handlungsbedarf“.

Besonders eng ist es in Bruchhausen-Vilsen: Alle 45 Plätze in der Kinderkrippe Zwergenburg waren schon am 1. August belegt, und auch der Kindergarten Löwenzahn ist mit 111 Kindern voll. Eine neue Kita muss also her.

Und so entstand die Idee, sich mit einem freien Träger, beispielsweise einem Verein oder der Kirche, zusammenzutun. Dieser Träger soll ab dem 1. August 2019 zwei neue Kindergarten- und eine Krippengruppe in Bruchhausen-Vilsen schaffen und auf lange Sicht – ohne zeitliche Befristung – betreiben.

Mitte Oktober endet das Interessenbekundungsverfahren, solange können also Träger bei der Samtgemeinde ihr Angebot abgeben. „Das Interesse ist groß“, sagt Bormann.

Mit dem Träger möchte die Samtgemeinde einen Betreibervertrag abschließen. Sie will nicht dessen Defizit zahlen, sondern eine monatliche Pauschale pro betreutem Kind. So macht sie es auch mit dem Waldorfkindergarten. „Das ist für uns kalkulierbarer“, erklärt Siemers.

Die Bewerber müssen Aussagen zu ihrem pädagogischen Konzept, zu Profil, Leitbild und Qualitätsmanagement treffen. Und angeben, wie viel Geld sie pro Kind von der Samtgemeinde verlangen. „Wir werden alle Angebote sichten und uns für das beste entscheiden“, sagt Bürgermeister Bormann.

Preis und Qualität müssen stimmen

Die Kriterien für die Auswahl hat der nicht-öffentlich tagende Samtgemeindeausschuss bereits in Zusammenarbeit mit der Verwaltung festgelegt: 40 Prozent soll der Preis ausmachen, 40 Prozent die Qualität des pädagogischen Konzepts. Jeweils zehn Prozent zählen laut Siemers die Motivation des Trägers („Warum will er das bei uns machen?“) und dessen angestrebte Qualitätssteigerung („Was unterscheidet den Träger von den anderen?“).

Im November möchte sich die Politik mit den Bewerbungen befassen. Bormann: „Bis Ende des Jahres wollen wir eine Entscheidung treffen.“

Wichtig ist Siemers, dass alle Fäden in der Samtgemeinde zusammenlaufen: „Wir geben nur den Betrieb ab, steuern aber weiter.“ Während der Waldorfkindergarten autark agiert, soll das die neue Kita in freier Trägerschaft nicht tun. „Die Eltern können sich bei der Samtgemeinde um einen Platz für ihr Kind bewerben, wir teilen die Plätze zu. Dabei versuchen wir natürlich, die Wünsche soweit möglich zu berücksichtigen“, sagt Siemers. Ob Erziehungsberechtigte einen Kindergarten in freier Trägerschaft dem kommunalen vorziehen, vermag sie nicht einzuschätzen. Die Eltern-Gebühren sollen gleich sein.

Abzuwarten bleibe auch, wie sich das neue Modell auf die Finanzen der Samtgemeinde auswirken wird: „Ob es für uns teurer oder billiger wird, können wir noch nicht sagen“, erklärt Siemers. „Andere Kommunen sagen, es kommt aufs Gleiche raus.“

Wo der neue Kindergarten stehen soll, ist noch unklar

Ein Vorteil für die Samtgemeinde ist nach Bormanns Worten aber, dass sie nicht selbst neu bauen und daher keinen neuen Kredit aufnehmen muss. Ende dieses Jahres wird sie voraussichtlich 11,5 Millionen Euro Schulden haben, für Ende 2019 rechnet Kämmerer Hannes Homfeld zum jetzigen Zeitpunkt mit rund 12,9 Millionen Euro. Mit dem Kindergarten-Neubau in Martfeld und der Sanierung des 78er-Trakts im Schulzentrum Bruchhausen-Vilsen hat die Samtgemeinde zurzeit schon zwei Millionenprojekte zu stemmen.

Der freie Träger soll das Gebäude für die neue Kindertagesstätte selbst errichten und einrichten. Dass er sich das Geld indes in den nächsten Jahren von der Samtgemeinde wiederholt, ist klar: „Die Investitionskosten werden wir über den Betriebskostenzuschuss zahlen“, sagt Bormann. „Wir zahlen also an den Träger, nicht an die Bank.“ Unter dem Strich stehe also auch hier dasselbe.

Das Rathaus-Personal dürfte nach Siemers‘ Einschätzung durch die neue Kita nicht zusätzlich belastet werden. „Aber dafür müssen wir eine Verwaltungskostenpauschale an den Träger zahlen.“ Kein Vor-, aber auch kein Nachteil für die Samtgemeinde.

Wo soll der neue Kindergarten in Bruchhausen-Vilsen stehen? Dazu gebe es bereits vage, aber noch keine aussagekräftigen Ideen, antwortet Bormann. Auf jeden Fall werde die Samtgemeinde die Entscheidung nicht allein dem Träger überlassen: „Wir wollen die Fläche zur Verfügung stellen und deutlich darauf hinweisen, wo sie sein sollte.“ Den vor einiger Zeit andiskutierten Abriss der Tennishalle zugunsten eines Kindergarten-Neubaus auf dessen Fläche sieht der Bürgermeister nicht kommen.

Ab Sommer 2020 zweite neue Einrichtung geplant

Das neue Modell soll übrigens Schule machen. Als zweiten Schritt plant die Samtgemeinde, ab Sommer 2020 auch in Schwarme/Martfeld eine zusätzliche Einrichtung in freier Trägerschaft zu schaffen. Denn auch dort seien alle Plätze voll. Siemers: „Momentan klappt es noch gerade so eben. Aber wir können mittelfristig die Krippen-Nachfrage in Schwarme und Martfeld nicht bedienen.“

In Schwarme gibt es schon eine Außengruppe. „Wir hatten zum Sommer so viele Zuzüge, dass wir nicht alle Kinder im Kindergarten unterbringen konnten“, erklärt Siemers. Eine Gruppe sei daher in ein gemietetes Haus an der Borsteler Straße gezogen. Eine Dauerlösung solle das aber nicht sein, auch wegen der hohen Kosten.

In Martfeld entsteht zurzeit ein neuer Kindergarten gegenüber dem Seniorenheim, in dem ab Sommer 2018 vier Gruppen – wahrscheinlich zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen – Platz finden sollen. Doch nach aktuellen Prognosen wird das nicht reichen. „Es zeichnet sich schon ab, dass der Neubau in Martfeld zu klein sein wird, weil der Bedarf an Krippenplätzen so gestiegen ist“, sagt Siemers. „Vorübergehend können wir erst mal noch eine Gruppe im alten Kindergartengebäude unterbringen.“ Dank eines freien Trägers soll das aber nur zeitweise der Fall sein.

Bormann freut sich, den Müttern und Vätern in der Samtgemeinde künftig eine vielfältigere Kindergartenlandschaft bieten zu können. „Freie Träger bringen neue Ideen mit. Davon können wir nur profitieren.“ Er geht davon aus, dass sich freie und kommunale Kindergärten gegenseitig „befruchten“.

Kommentar von Mareike Hahn

Die Samtgemeinde möchte, dass ein freier Träger eine neue Kita in Bruchhausen-Vilsen baut und betreibt. Eine gute Idee, von der alle Seiten profitieren dürften. Die Eltern werden eine neue Wahlmöglichkeit begrüßen. 

Die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Samtgemeinde muss nicht bei der Bank um einen weiteren Kredit für einen Neubau betteln oder ihre Mitgliedsgemeinden erneut bitten, Geld vorzuschießen (wie beim Umbau des Kindergartens Haendorf) oder für sie ein Darlehen aufzunehmen (wie bei der Sanierung der Dreifeldsporthalle Bruchhausen-Vilsen). 

Für Erzieher dürfte sich in Zukunft ein neuer attraktiver Arbeitgeber im Flecken finden. Und der freie Träger, der den Zuschlag bekommt, darf sich freuen, seine Vorstellung des perfekten Kindergartens bald auch in Bruchhausen-Vilsen umsetzen zu können. Zurzeit sieht es also aus, als würde es nur Gewinner geben.

Rubriklistenbild: © dpa

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