Silberschmied Dirk Zwijas erklärt, wie er ein Schmuckstück herstellt / „Wenn der Strom ausfällt, kann ich weiterarbeiten“

Ein Mann wie aus dem alten Rom

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Ganz schön knifflig: Dirk Zwijas will Kette und Anhänger kunstvoll miteinander verbinden.

Br.-Vilsen - Von Julia Kreykenbohm. Kling. Kling. Kling. Hell und durchdringend tönt es durch die Werkstatt, während Silberschmied Dirk Zwijas aus Bruchhausen-Vilsen mit einem kleinen Hammer auf eine silberne Stange einschlägt. Wieder und wieder. Nach einer Weile hält er sie ins Feuer – lässt sie also ausglühen – damit sie wieder weich und formbar wird und er sie erneut mit dem Hammer bearbeiten kann. Einen ganzen Tag wird es dauern, dann ist aus dem Stück Edelmetall ein filigraner Halsreifen geworden. Zwijas holt ein fertiges Exemplar aus einer Schublade und zeigt es mit einem Lächeln: „Diese Halsreifen schätze ich sehr, gerade weil man sie noch richtig schmieden muss.“

Dirk Zwijas ist leidenschaftlicher Silberschmied, auch wenn er bereits seit einiger Zeit hauptsächlich Goldschmiedearbeiten verrichtet. In dem Bereich sei die Auftragslage besser, sagt er. Weil die Leute mehr Gold als Silber haben? Zwijas lacht. „Häufig wird angenommen, dass Silberschmiede mit Silber arbeiten und Goldschmiede mit Gold. Aber das stimmt nicht.“ Ein Silberschmied erzeugt und repariert Gebrauchsgegenstände wie Besteck oder Becher. Goldschmiede konzentrieren sich hingegen auf Schmuck. „Die Arbeit unterscheidet sich auch darin, dass ein Silberschmied noch viel mit dem Hammer arbeitet, während ein Goldschmied mehr montiert und Feinarbeiten erledigt.“

Alte Goldstücke erhitzt Dirk Zwijas im Schmelztiegel.

Das Schmieden hat es Dirk Zwijas schon früh angetan. Der 50-Jährige war bereits in jungen Jahren fasziniert von der Arbeit mit Feuer und Eisen. Er hätte gern Kunstschmied gelernt, doch dafür gab es keine richtige Ausbildung. So absolvierte der damalige Bremer eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Silberschmied in Schleswig-Holstein und ließ sich 1995 mit seinem eigenen Laden „ars argentum“ in Bruchhausen-Vilsen nieder. „Ursprünglich wollte ich ihn mal ,Drachenhort‘ nennen“, verrät Zwijas, der lange Zeit ein großer Mittelalterfan war. Aber weil er fürchtete, dass „Drachenhort“ zu unseriös klingen könnte, wurde daraus „ars argentum“ – übersetzt: „Silberne Kunst“.

Was Zwijas aus seiner Liebe zum Mittelalter bis heute mitgenommen hat und was ihn nach wie vor begeistert, ist das Urtümliche. Sein Handwerk hat sich das Natürliche all die Jahrhunderte hindurch immer bewahrt. „Wenn bei uns der Strom ausfällt, können wir ganz normal weiterarbeiten.“ Natürlich gebe es einigen technischen Fortschritt, aber im Kern sei die Arbeit dieselbe geblieben. „Würde heute ein Silberschmied aus dem alten Rom durch meine Tür kommen, bräuchte er wohl nur wenige Tage, um sich einzugewöhnen, dann könnte er hier anfangen“, erläutert Zwijas.

Doch auch die Goldschmiedearbeiten machen ihm Freude. „Es ist wohl einer der kreativsten Berufe, die es gibt“, sagt Dirk Zwijas, lässt sich an der Werkbank nieder und zeigt einen Anhänger und eine Kette, die er auf Wunsch eines Kunden besonders kunstvoll miteinander verbinden soll. Doch so, wie er es zunächst geplant hatte, geht es nicht, weil das Material nicht mitspielt. Die Lösung: ein Verbindungsstück. „Es gibt öfter Probleme dieser Art, entweder ästhetischer oder technischer Natur.“ Die Goldschmiede seien auf ihre Art schon immer Pioniere gewesen. Die erste Uhr sei von einem Goldschmied gefertigt worden, und auch die Zahntechnik sei aus diesem Beruf hervorgegangen.

Ein weiterer Punkt, der Zwijas seine Arbeit lieb und teuer macht, sind die Reaktionen seiner Kunden. Manche brächten ihm Familienschmuck, den sie durch zwei Weltkriege gerettet hätten. Dann sei er beschädigt worden, und sie glaubten, er sei nicht mehr zu retten. „Wenn man ihnen dann den reparierten Schmuck zurückreicht, haben einige Tränen in den Augen, und das ist wunderschön“, sagt Zwijas. Doch auch die modernen Zeiten sorgen für Aufträge. „Es kommen Leute, die Piercings fertigen lassen – für so ziemlich alle Körperstellen“, sagt der 50-Jährige und schmunzelt.

Dirk Zwijas zeigt einen Klarsichtbeutel voller verschiedener Kleinteile aus Gold: Drähte und Ringfassungen. Er kippt das Material in den Schmelztiegel – der an einen großen Löffel erinnert – und beginnt, es mit einem Brenner zu erwärmen. Angst, dass die moderne Technik irgendwann auch dieses Handwerk gänzlich erobern könnte, hat er nicht. „Es gibt natürlich dank des Computers schon viele Möglichkeiten. So können sich Paare vermutlich bald ihre Trauringe vom 3-D-Drucker anfertigen lassen. Aber ich glaube, dass es immer Menschen geben wird, die lieber Ringe tragen, die persönlich für sie durch Hände-Arbeit hergestellt wurden“, sagt der Bruchhausen-Vilser.

Die goldenen Einzelteile sind inzwischen zu flüssigem Metall geworden. Zwijas hebt den Schmelztiegel und kippt den Inhalt in den Einguss, eine vorgefertigte Form. Er trägt ihn zur Werkbank und öffnet ihn. Heraus kommt eine lange goldene Stange.

Zwijas dreht sie nachdenklich in der Hand. Jetzt ist es nur ein Stück Edelmetall, aber wenn er mit seiner Arbeit fertig ist, wird es ein Schmuckstück sein. Sollte Zwijas sich entschließen, auch aus der Stange einen Halsreifen zu machen, so wie aus der silbernen vorhin, wird er allerdings mehr Zeit investieren müssen – denn das dauert eine ganze Woche, da Gold härter ist als Silber.

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