Festzelte nicht erlaubt

Statt Brokser Heiratsmarkt: Politik erlaubt Freizeitpark in Bruchhausen-Vilsen

In Bruchhausen-Vilsen wird es einen Freizeitpark geben, der anstelle des Brokser Heiratsmarkts läuft. Nun hat die Politik das Marktplatz-Gelände in Bruchhausen-Vilsen für die Schausteller freigegeben - und auch der Landkreis hat sein Okay gegeben.

Update vom 4. September: Die Schausteller bewerben ihren Freizeitpark auf dem Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen schon seit Tagen vor allem in den sozialen Medien, doch erst seit Freitagmittag steht offiziell fest: Dieser sogenannte „Pop-up-Markt" darf auch stattfinden.

Die Schausteller als Veranstalter mussten dem Landkreis ein umfangreiches Konzept vorlegen. Angefangen von Hygiene- und Abstandsmaßnahmen bis zu ungezählten Regeln zum Baurecht und Brandschutz hatte der Landkreis zu prüfen. Was er angesichts der kreisweiten Premiere eines solchen Parks in ungewöhnlich kurzer Zeit auch tat. „Es ist alles in trockenen Tüchern“, teilte Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann Freitagmittag auf Nachfrage mit. „Der Park öffnet vom 11. September bis 4. Oktober, jeweils mittwochs bis sonntags.“

In Bruchhausen-Vilsen findet 2020 ein temporärer Freizeitpark statt.

Familienfreundlich soll das Angebot sein, haben sich die Schausteller vorgenommen, für die der Freizeitpark die erste Einnahmemöglichkeit in diesem Jahr ist (wir berichteten). Acht Fahrgeschäfte werden auf dem Marktplatz zu finden sein. Polyp und Autoscooter gehören dabei zu den größeren, kleine Gäste sollen ihre Freude an insgesamt sechs Kinderkarussells haben.

Mehrere Fahrgeschäft beim Freizeitpark in Bruchhausen-Vilsen

Die Preise der Fahrgeschäfte sind vergleichbar mit den Preisen auf dem Brokser Markt. „Sie sind auf keinen Fall höher“, verspricht Lars Stummer, Vorsitzender des Schaustellervereins Bruchhausen-Vilsen. 

Jahrmarkttypische Essbuden werde es ebenfalls geben, meint Lars Stummer. „Es gibt Fisch, Steaks, Brezeln, Eis, Schmalzkuchen und noch anderes“, sagt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Das Essen muss nicht direkt am Verkaufsstand verzehrt werden. „Wir haben Ruhezonen eingerichtet“, erklärt Lars Stummer. Auf dem Gelände werde es sogenannte Ruhezonen, vergleichbar mit Biergärten, geben. „Das Essen kann man dahin mitnehmen und dort nach den geltenden Hygienevorschriften essen.“ Dazu gehört auch die Hinterlegung der persönlichen Daten. Festzelte wie beim Brokser Markt wird es aber nicht geben.

Fest stehen jetzt auch die Öffnungszeiten. Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 20 Uhr, Freitag von 15 bis 22 Uhr, Samstag von 14 bis 22 Uhr und Sonntag von 14 bis 20 Uhr. Zeitfenster für die Besucher wird es nicht geben, sagte Lars Stummer. „Die Gäste werden nicht aufgefordert zu gehen“, versicherte der Schausteller.

Der Veranstaltungsbereich wird eingezäunt, es wird einen Ein- und einen Ausgang geben, um die Anzahl der Besucher erfassen zu können. Auf dem Gelände muss man sich an eine Einbahnstraßenregelung halten.

 Am Eröffnungswochenende dürfen bis zu 700 Menschen zeitgleich auf den Marktplatz. Wenn diese Zahl erreicht sei, werde es am Eingang einen Einlass-Stopp geben. Das Personal werde auch darauf achten, ob Besucher Krankheitssymptome wie Schnupfen oder Husten haben. Diese Menschen dürfen dann nicht auf das Gelände. Für alle anderen gebe es einen minimalen Eintrittspreis, der sich nach den Kosten der Umsetzung der Hygienevorschriften richte. „Der Preis liegt bei einem bis 1,50 Euro, nicht höher“, sagte Lars Stummer.

Ab 21 Uhr gilt es, den Geräuschpegel zu senken

Freitag und Samstag gelte ab 21 Uhr, dass der Geräuschpegel bereits deutlich gesenkt werden müsse, erläuterte Bernd Bormann. Für die Gemeinde, den Landkreis und die Polizei kündigte er regelmäßige Kontrollen an, ob alle Vorgaben eingehalten werden. Anders als beim ausgefallenen Brokser Markt tritt die Kommune nicht als Veranstalter auf.

Obwohl der Landkreis die meisten Aspekte des Vorhabens zu prüfen hatte, muss die Samtgemeinde auf Grundlage dieser Prüfung die erforderliche ordnungsrechtliche Verfügung ausstellen. „Das ist keine Genehmigung, sondern eine Aufzählung aller Vorgaben.“ Die Schausteller waren forscher: Seit Anfang der Woche bewerben sie ihre Idee bereits mit Plakaten. Auch der Marktplatz war Freitag bereits nahezu komplett mit den 40 Schaustellern bestückt, die den zeitlich begrenzten Park gestalten werden.

Auf den Verkehr rund um den Marktplatz hat der Freizeitpark keine Auswirkungen; anders als zum Brokser Markt werden keine öffentlichen Straßen gesperrt. Kostenfreie Parkplätze befinden sich dann direkt auf dem Marktplatz, teilt Lars Stummer auf Nachfrage mit.

Update vom 28. August: Der Flecken-Rat in Bruchhausen-Vilsen hat beschlossen, dem Schaustellerverein den Marktplatz für einen temporären Freizeitpark zu überlassen, sollte der Landkreis das dazugehörige Hygienekonzept genehmigen.

Originalartikel vom 24. August: Mit einem Überschuss von fast 25.000 Euro habe der Brokser Heiratsmarkt 2019 ordentlich Geld in die Gemeindekasse gespült, hörten die Mitglieder des Marktausschusses von Marktmeister Ralf Rohlfing. Wie immer am Marktmontag, traf sich das Gremium im Gasthaus Schröder-Mügge, um an Ort und Stelle zu beraten. Die Tagesordnung sieht immer auch einen Rundgang über den Platz vor. „Den schenken wir uns“, entschied Vorsitzender Hermann Hamann.

„In diesem Jahr ist alles anders“, hatte der Marktmeister zuvor ausgeführt. Obwohl der Markt am 16. April aufgrund der Verordnungen des Landes zur Corona-Pandemie abgesagt werden musste, fielen laufende Kosten an. „Mit einem Plus in der Jahresrechnung 2020 ist daher nicht zu rechnen“, so Rohlfing. Erstmals habe er einen kompletten Markt rückabwickeln müssen. „Wir haben 400 Schaustellern abgesagt“, informierte er.

Doch Rohlfing wagte einen Ausblick auf 2021. Wie berichtet, sollen alle Aktivitäten unter dem Motto „375. Brokser Heiratsmarkt + 1“ nachgeholt werden. „Die ersten Bewerbungen liegen bereits vor“, sagte er. Sein Team plane den nächsten Markt „ganz normal“. „Ich gehe allerdings davon aus, dass wir neue Auflagen erfüllen müssen“, meinte er und stellte sich somit auf Änderungen durch das Corona-Virus ein. Die Verwaltung scheue weder Mehrarbeit noch -ausgaben, die dadurch anfallen könnten, versicherte er und äußerte den Wunsch, alle Schausteller mögen die Krise finanziell überstehen.

Brokser Heiratsmarkt: „Ohne Zelte wird es nicht laufen“

„Alle werden es wohl nicht schaffen“, mutmaßte Lars Stummer als Vertreter der Beschicker. Am Beispiel des noch nicht abgesagten Freimarkts machte er die Misere seiner Zunft deutlich. Sollte der Bremer Markt mit 7 000 statt mit 200 000 Besuchern pro Tag stattfinden können, kämen vor allem die Betreiber der Fahrgeschäfte nicht auf ihre Kosten. Auch für die Bierzelte sei kein ausreichender Ertrag zu erwarten. „Und ohne Zelte wird es nicht laufen.“

Doch genau so etwas haben Schausteller aus der Region vor. Wie berichtet, wollen die Mitglieder der Schausteller-Vereine Bruchhausen-Vilsen und Nienburg gemeinsam einen sogenannten Pop-Up-Park auf die Beine stellen. In einem umzäunten Gelände sollen Fahrgeschäfte und Spielbuden aller Art für Unterhaltung sorgen, begleitet von einem markttypischen Angebot an Getränken und Leckereien. „Wie ein Jahrmarkt ohne Zelte“, skizzierte Rockexpress-Eigner Albert Dormeier am Freitag während eines Treffens am Denkmal. Um möglichst vielen Kollegen die Möglichkeit für ein Einkommen zu bieten, werde jede Schaustellerfamilie nur mit einem Betrieb teilnehmen, haben die Vereine miteinander verabredet. Sie hoffen, das Gelände für 700 bis 900 Menschen öffnen zu können.

Freizeitpark statt Brokser Markt über vier Wochen möglich

Ideal sei für sie eine Spielzeit von zehn aufeinanderfolgenden Tagen. Das Land favorisiere jedoch einen Zeitraum von vier Wochen, um Besucherströme zu entzerren. Beim Landkreis liege der Antrag für einen solchen temporären Freizeitpark einschließlich umfassendem Hygienekonzept vor, so Stummer. Nach einem Auftakt auf dem Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen könne der Freizeitpark auf Reisen gehen, wünschen sich die Schausteller. Die Gemeinde als Eigentümerin des Marktplatzes berät am Mittwoch über einen entsprechenden Antrag. „Wir sind vorbereitet, es könnte Mitte September losgehen“, äußerten sich die Schausteller am Freitag.

Darüber hinaus hoffen sie, dass ihnen ein Weihnachtsgeschäft ermöglicht wird. „Stellen Sie sich eine Innenstadt ohne Weihnachtsmarkt vor. Wir locken doch die Kunden an, die würden sonst noch mehr im Internet oder auf der grünen Wiese kaufen“, ist sich Albert Dormeier sicher. Manuel Wißmann, sein Schwiegersohn in spe, erinnert auch an das Los der Zulieferbetriebe. „Ob Zuckerherzen oder Bier, von uns hängt auch deren Umsatz ab“, weiß er.

Brosker Heiratsmarkt: Private Ersatzpartys im Garten

So sehr die Menschen in Bruchhausen-Vilsen und umzu ihren Markt vermissen, so „gesittet“ liefen die „Markttage“ bisher ab, sagte Ralf Rohlfing am Montag. Einige hätten sich bei ihm Plakate geholt für die private Ersatzparty im Garten, andere haben sich Fleisch von ihrer Lieblingsgrillbude bestellt, um auf den Genuss nicht verzichten zu müssen, berichtete er von Aktivitäten. Am Dienstag bieten zahlreiche Lokale im Ort Frühstück für Menschen an, die sich trotz der Absage den Marktdienstag freigehalten haben. Weil es immer so war. Die Polizei überprüft, ob am Marktplatz alle AHA-Regeln eingehalten werden.

Rubriklistenbild: © Jantje Ehlers

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