Bruchhausen-Vilsen ziert sich

Ausschuss diskutiert über Grundwasserschutz

Bruchhausen-Vilsen - Es hätte alles so einfach sein können: Grundwasserschutz ist wichtig, das Positionspapier der Wasserversorgung Syker Vorgeest ist daher sinnvoll, Haken drunter. Doch stattdessen entspann sich im Planungsausschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen eine Diskussion darüber, ob Landwirte in dem Papier zu schlecht wegkommen. Ergebnis: keines. Die Fraktionen werden sich noch einmal beraten, bevor der Samtgemeinderat am 22. Juni voraussichtlich eine Entscheidung trifft.

Das kommunale Unternehmen Wasserversorgung Syker Vorgeest ist Teil des Wasserbeschaffungsverbands Syker-Vorgeest. Dem wiederum gehören Syke, Stuhr, Thedinghausen, Weyhe und eben Bruchhausen-Vilsen an. Die fünf Kommunen sind sich einig, dass Anstrengungen zum Erhalt und zur Verbesserung der Grundwasserqualität notwendig sind. Aus diesem Grund haben Syke, Stuhr, Thedinghausen und Weyhe bereits das Positionspapier der Wasserversorgung unterschrieben. Fehlt nur noch Bruchhausen-Vilsen.

Bereits in seinem Eingangsstatement machte der Ausschussvorsitzende Heiko Albers (CDU), von Beruf Landwirt, deutlich, dass er das Papier zwar „grundsätzlich gut“ findet. Aber: „Mir steht darin zu viel über Landwirtschaft, was nicht sein kann und muss.“

Landwirtschaft beeinflusst Wasser

In dem Papier heißt es: „In den meisten Trinkwassergewinnungsgebieten ist die Landwirtschaft der größte Flächennutzer und setzt große Mengen an mineralischen und organischen Düngern, Pflanzenschutzmitteln und weiteren Stoffen ein. Bedingt durch die agrarpolitischen Rahmenbedingungen – auch in Verbindung mit der zunehmenden Nutzung nachwachsender Rohstoffe als regenerative Energiequellen – nimmt die Bewirtschaftungsintensität in der Fläche immer weiter zu. Die sich bekanntlich daraus ableitenden hohen Stickstoff-Freisetzungen stehen einer Zielerreichung der von der EU vorgegebenen Qualitätsnormen beim Gewässerschutz entgegen.“ 

Es folgt ein Hinweis auf den verstärkten Anbau von Energiepflanzen wie Energiemais für Biogasanlagen, der zu einer überhöhten Düngung führen könne. „Jeder trägt eine persönliche Verantwortung“, steht ebenfalls in dem Positionspapier. „Weiterhin können Lebensmittelhandwerk und Lebensmittelhandel helfen, mehr grundwasserverträglich angebaute Produkte zu verarbeiten und zu vermarkten. Und letztlich liegt es an uns, den Verbrauchern und Kunden, diese Bemühungen zu unterstützen.“

Hohe Nitrat-Belastung in Bruchhausen-Vilsen 

Bernd Schneider (Grüne) bezeichnete das Papier als „schon recht moderat, was die Landwirtschaft als Hauptverursacher angeht“. Er verwies auf eine Untersuchung der Stiftung Warentest, bei der Bruchhausen-Vilsen schlecht abgeschnitten hatte. Wie berichtet, hatte die Organisation im vergangenen Jahr das Trinkwasser in 28 deutschen Kommunen getestet. In Sachen Nitrat-Belastung erreichte Bruchhausen-Vilsen, dessen Trinkwasser außerhalb der Samtgemeinde gewonnen wird, mit 29,5 Milligramm pro Liter den letzten Platz

Zwar ist der Grenzwert von 50 Milligramm damit nicht erreicht, aber „immerhin schon zu 60 Prozent ausgeschöpft“, wie es Schneider formulierte. „Die Qualität ist nicht so, wie man sich das vorstellen könnte.“

Als Nächstes meldete sich Sozialdemokrat Reinhard Thöle, Mitglied im Aufsichtsrat der Wasserversorgung, zu Wort. Er zeigte sich „erstaunt“ über Heiko Albers’ Aussage und zitierte eine seiner Meinung nach zentrale Aussage des Papiers: „Der Grundwasserschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Thöle: „Natürlich gibt es mehrere Verantwortliche. Jeder trägt seine Verantwortung und die Landwirtschaft eine besondere. Die Vertreter der Landwirtschaft haben sich ja selbst zu dieser Verantwortung bekannt.“

Papier solle allgemeiner sein 

Torben Garbers (CDU) merkte daraufhin an, dass die Landwirtschaft zwar durch Düngung und Pflanzenschutzmittel einen großen Einfluss habe, sich das Papier aber zu stark auf Energiemais konzentriere. „Das muss allgemeiner gehalten werden“, sagte der Landwirt. Joachim Dornbusch (Grüne) sah das anders, das Papier sei doch schon „verwässert“.

Auf Vorschlag von Heiko Albers werden die Fraktionen noch einmal über das Thema sprechen, bevor der Samtgemeinderat darüber abstimmt.

Redebedarf dürfte es auch bezüglich eines Vorschlags von Bernd Schneider geben. Er betonte, dass das in Bruchhausen-Vilsen genutzte Trinkwasser nicht aus Bruchhausen-Vilsen kommt, sondern über die Fernleitung der Harzwasserwerke eingespeist wird. So wirke sich etwa die Nitrat-Belastung von in Liebenau gefördertem Wasser hier vor Ort aus. Laut Schneider fehlt dem sandigen, leichten Boden in Liebenau eine schützende Deckschicht, sodass Nitrat dort besonders leicht ins Grundwasser gelangen kann. 

Er regte daher an, über eine Grundwasserförderung in Berxen/Uenzen nachzudenken. „Diese Überlegung gab es vor 30 Jahren schon mal, die Qualität da ist sehr gut. Am Ende hat man davon aber Abstand genommen. Es gab keinen dringenden Bedarf.“ Jetzt sollte man erneut prüfen, ob eine Förderung dort sinnvoll sei. Grundsätzlich wäre es möglich, dort ein Schutzgebiet auszuweisen. Schneider: „Der Vorteil wäre gutes Wasser, der Nachteil, dass man investieren müsste.“

Skeptisch reagierte Reinhard Thöle auf diesen Vorstoß: „Das wird nicht so ein einfaches Thema sein“, gab er zu bedenken. Er erinnerte an die Proteste von Einwohnern in den 80er-Jahren, die eine Grundwasserentnahme in Uenzen verhindern wollten. „Ob sich diese Meinung geändert hat, kann ich nicht sagen“, meinte Thöle. Des Weiteren befürchtete er einen enormen technischen Aufwand und hohe Kosten: „Das würde nicht ohne eine deutliche Erhöhung des Trinkwasserpreises gehen. Und es würde dauern, vor 2030 könnte die Förderung sicher nicht beginnen.“ Er schlug vor, einen Experten zu dem Thema einzuladen. 

mah

Ein Kommentar zu diesem Thema 

Kritik aus Prinzip bringt nichts - von Mareike Hahn 

Ja, die Landwirte haben es nicht leicht. Sie sind die Buhmänner, die angeblich Tiere quälen, fleischessende Menschen mit Antibiotika verseuchen und unser Wasser ungenießbar machen. Angesichts der Vorwürfe, die sich Bauern immer wieder anhören müssen, ist ihre Frustration natürlich nachvollziehbar. 

Aber deshalb ein Positionspapier infrage zu stellen, das den Einsatz von fünf Kommunen für besseres (oder wenigstens nicht schlechteres) Trinkwasser dokumentieren soll, ist ihrem Ruf nicht dienlich. Die anderen vier Gemeinden haben längst unterschrieben, und plötzlich wird in Bruchhausen-Vilsen Kritik laut? Klingt nach Prinzipienreiterei. Und die hat noch niemanden weitergebracht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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