Ergebnisse einer Bachelor-Arbeit

Studentin forscht: Wie der Brokser Heiratsmarkt zu seinem Namen kam

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Laura Ziemer hat für ihre Bachelor-Arbeit über die Identität des Brokser Heiratsmarkts geforscht.

Br.-Vilsen - Von Vivian Krause. „Hier hast du noch mal ‘ne Mark.“ Mit diesen Worten gaben die Großeltern ihr in ihrer Kindheit zehn Groschen in die Hand. Sie zog damit los auf den Brokser Heiratsmarkt, im Zwiespalt, ob sie das Geld lieber für Lose oder Zuckerwatte ausgeben soll. „Sie“, das ist Laura Ziemer aus Weyhe, mittlerweile 22 Jahre alt und Lehramtsstudentin mit den Fächern Geschichte, Mathematik und Musik an der Universität Vechta.

Der Brokser Markt ist seit jeher ein fester Termin in ihrem Kalender. Dass das jährliche Volksfest aber einmal Thema ihrer Bachelor-Arbeit werden könnte, damit hat sie selbst nicht gerechnet. Auch nicht damit, dass sie von vielen Studenten für ihre Themenwahl belächelt werden oder dass sie am Ende mit einem anderen Gefühl über den Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen gehen könnte.

In der Arbeit der Studentin, die sie im vergangenen Jahr verfasst hat, geht es um „Die historische Einordnung, Geschichte und Identitätsbildung des Marktes“. Das Ziel der 22-Jährigen war, den Brokser Markt geschichtlich zu beleuchten.

Seit 1984 ist der Dienstag der Höhepunkt 

Das Ergebnis: Die älteste Urkunde, die belegt, dass der Markt existiert, stammt aus dem Jahr 1645. Demnach wurde das Fest zu der Zeit von Vilsen nach Bruchhausen verlegt. Sowohl in dieser als auch in einer Urkunde von 1695 war die Rede vom Bartholomei-Markt – einem Markt zu Ehren des Bartholomäus, der als Schutzpatron der Landwirte gilt. Heißt: Der Brokser Heiratsmarkt trug einst den Namen Bartholomäus-Markt, mit dem heute nur noch wenige etwas anfangen können.

Den Bezug zum Schutzpatron zeigt auch das Datum des Markts. Früher fiel der Viehmarkt – aus dem der heutige Heiratsmarkt ursprünglich bestand – auf den Montag vor dem Bartholomäustag (24. August), einem Gedenktag im evangelischen Kirchenjahr. 1894 rückte der Viehmarkt auf den Dienstag danach, bis heute ist der letzte Dienstag im August Pferdemarkt-Tag. Die weiteren Fest-Tage kamen nach und nach dazu. Fünf Markttage wie heute gibt es erst seit rund 30 Jahren.

Redakteur gibt Namen „Heiratsmarkt“

Der heutige Name „Brokser Heiratsmarkt“ entwickelte sich durch einen Zeitungsartikel in den 1920er-Jahren. Dort titelte ein Redakteur des Hoyaer Wochenblatts mit dem Wort „Heiratsmarkt“. Weil sich dort viele Paare fanden, die später heirateten. Der neue Begriff verdrängte dann mehr und mehr den Bartholomäus-Markt. Heutzutage kennt jeder das Fest unter Brokser Heiratsmarkt, Brokser Markt oder Heiratsmarkt.

Apropos Heirat. Die Rummelplatz-Ehen wurden erstmals im Jahr 1986 geschlossen. Mit den Spaßtrauungen, dem Heiratsvermittler und dem „Brautpaar des Jahres“ versucht man laut Ziemer, die Tradition zu wahren. „Den Grad zwischen dem Traditionellen und dem Modernen hat der Markt bravourös gemeistert“, sagt sie.

Laura Ziemer hat über die Identität des Heiratsmarkts geforscht.

Zur Herkunft gibt es noch viele Spekulationen. Laura Ziemer vermutet, dass das Kirchweihfest in Vilsen möglicherweise der Ursprung des gesamten Markts ist. Doch ein Beweis fehlt. Fest steht nach Ziemers Recherchen: „Der Dienstag ist seit über 120 Jahren der Hauptmarkttag. Es werden auch heute immer noch Pferde verkauft.“ Hinzu kamen mit der Zeit drei weitere Säulen: „Pötte und Pannen“, Gewerbeschau und Kirmes. Darüber sprach die 22-Jährige auch mit Marktmeister Ralf Rohlfing, den sie für ihre Arbeit interviewte.

Faszinierend war für die Studentin auch, wie viele Gaststätten seit über 150 Jahren einen Ausschank haben. Als Beispiel nennt sie das Gasthaus Mügge, das mittlerweile im Besitz einer anderen Familie ist, aber noch immer den Namen Mügge trägt. „Es fällt auf, dass sich vieles gehalten hat.“

Tradition bleibt bestehen 

Andere Vieh- und Krammärkte in der Umgebung wurden in den 1960er-Jahren geschlossen. Anders als in Broksen. Der hiesige Markt wurde auch so gut angenommen, da er nach der Erntezeit stattfand, erläutert Ziemer. „Auch damals galt schon: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, sagt sie.

Der geschichtsträchtige Viehmarkt ist bis heute ein fester Bestandteil des Brokser Markts.

Für die Recherche zur Bachelor-Arbeit pendelte Laura Ziemer. Donnerstagsabends ging‘s zu ihren Eltern nach Weyhe, freitags zum Archiv in Bruchhausen-Vilsen, dann wieder nach Vechta. Sie arbeitete also nicht, wie viele andere Studenten, mit einer fertigen Literatur, sondern forschte selbst. „Ich war nicht einmal in einer Bibliothek.“ Im Archiv der Samtgemeinde war sie rund sieben Mal. Vor Ort unterstützten sie die Mitarbeiter Karl Sandvoß und Elisabeth Meyer.

Der Professor der Weyherin, Bernd Ulrich Hucker, hatte zuvor selbst zum Brokser Markt geforscht und in dem Zusammenhang bereits mit dem Bruchhausen-Vilser Archiv zusammengearbeitet. Jetzt war es an Laura Ziemer, die Arbeit fortzusetzen. Und die Forschung ist noch nicht beendet. Weitere Arbeiten zur Samtgemeinde schließt sie nicht aus – vielleicht ja in ihrer Master-Arbeit.

Die Bachelor-Arbeit jedenfalls war für die Studentin mehr als nur eine Abschluss-Arbeit. „Ich bin mit leuchtenden Augen über den Brokser Markt gegangen“, erinnert sich Laura Ziemer an einen Besuch des Markts, nachdem sie im vergangenen Jahr ihre Bachelor-Arbeit abgegeben hatte. „Ich war wirklich stolz. Weil ich wusste, was alles dahintersteckt, was für eine Geschichte dieser Markt erzählt.“

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