Die Kunst des Nicht-Streitens

Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“

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Die Gewinner der Sek II: Lotta Matthiesen (v.l.), Ann-Sophie Peck, Max Theil und Hunter Coester. 

Br.-Vilsen - Von Janna Silinger. Es geht um Sachkenntnis, Überzeugungskraft, Ausdrucks- und Gesprächsfähigkeit. Das sind die Kriterien, nach denen die Jury bei „Jugend debattiert“ bewertet. Gestern nahmen die Schulsieger der Gymnasien aus Sulingen, Bruchhausen-Vilsen und Wildeshausen am sechsten Regionalwettbewerb im Gymnasium Bruchhausen-Vilsen teil. Die beiden Sieger aus jeder Altersgruppe sowie die Zweit- und Drittplatzierten als Vertreter, fahren am 19. März nach Hannover zur Landesqualifikation.

Die Themen erhalten die Schüler schon zehn Tage vor dem Termin. Es wird zu viert debattiert, welche zwei Teilnehmer die Pro- und welche die Kontra-Rollen übernehmen, wird ausgelost. Vorbereitung sei somit nur bedingt möglich, erklärt Tanja Krönke, Lehrerin aus Wildeshausen und Jury-Mitglied. „Das ist immer spannend, wie die sich dann machen.“

Krönke hat auch die finale Debatte der vier Schüler aus der Sekundarstufe I beurteilt. Darin ging es um die Frage, ob das Reparieren von defekten Elektrogeräten Unterrichtsfach werden sollte. Erstaunlich ruhig und sachlich blieben die Schüler, sie ließen sich gegenseitig ausreden, gingen aufeinander ein und trotzdem brannten sie für die Position, die sie einzunehmen hatten. „Deutschland ist eine Wegwerfgesellschaft. Wir müssen versuchen, den E-Schrott zu minimieren“, so Charlotte Schröder. Es sei wichtig, den Wert solcher Geräte, egal ob Toaster oder Smartphone, zu erkennen und sie zu reparieren, anstatt sie zu ersetzen. Deshalb müsste schon in der Schule, pflichtet ihr Andrasch Jörgensen bei, eine Sensibilisierung beginnen.

Die Gewinner der Sek I: Jonas Wietelmann (v.l.), Charlotte Schröder, Emma Beneke und Andrasch Jörgensen.

Auch ihren zwei Kontrahenten, Jonas Wietelmann und Emma Beneke, fehlte es nicht an Argumenten. „Wie soll das bezahlt werden? Woher wollt ihr das Personal nehmen? Und glaubt Ihr nicht, dass noch mehr Unterricht für die Schüler eher demotivierend ist? Wir haben genug zu tun.“

Nach dem offenen Gespräch bekam jeder die Möglichkeit, ein Fazit zu formulieren. Auch darin bewiesen die Schüler, dass sie das Prinzip einer sachlichen Debatte begriffen haben. Sie führten auf, worin Einigkeit bestand, worin nicht und begründeten noch einmal knapp ihren Standpunkt. Anschließend zog die Jury sich zur Beratung zurück.

„Wir haben uns das nicht leicht gemacht“, betonte Luisa Huesmann, Lehrerin am Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen und Regionalkoordinatorin von „Jugend debattiert“ im Verbund Diepholz während der Siegerehrung. Schließlich seien sich jedoch alle einig geworden, wer nach Hannover geschickt wird, um die Region zu vertreten. Huesmann weiß, dass die Debatten den Schülern nicht nur ob des Wettbewerbcharakters Spaß machen. „Sie lernen, sich auszudrücken. Das merkt man ihnen später im Unterricht an“, erklärt sie. Es sei auffällig, dass gerade die Teilnehmer, die schon einmal dabei waren, ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, in Diskussionen sicherer auftreten und Themen offen von zwei Seiten betrachten lernen. Auch die Schüler zeigten sich erfreut. „Das macht schon Spaß“, so Emma Beneke. „Auch wenn ich ziemlich aufgeregt war.“

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