Gästeführer wirft das Handtuch

Hans-Jürgen Wachholz enttäuscht über den Umgang mit seinem Engagement

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Hans-Jürgen Wachholz am Heiligenberg. 

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Er hat mehr als 2 000 Menschen mit der Historie und den Besonderheiten des Heiligenbergs vertraut gemacht. Doch jetzt wirft Gästeführer Hans-Jürgen Wachholz das sprichwörtliche Handtuch – völlig enttäuscht über den Umgang mit seiner Forschung und ihm persönlich während des Jubiläumsjahres „800 Jahre Kloster Heiligenberg“. Viele kleine Nadelstiche habe er erdulden müssen, sagt Wachholz. „Jeder für sich allein wäre nicht der Rede wert. Aber die Summe macht es.“

Der 75-jährige Journalist wohnt seit einem Vierteljahrhundert am Heiligenberg – und befasst sich seitdem mit der Geschichte. Zum Jubiläumsjahr hat er das Buch „Heiligenberg – Geschichte und Geschichten“ herausgegeben. Grundlage sind Forschungen in Archiven und Bibliotheken. Nach Kopenhagen, Metz, Stettin und sogar in den Vatikan sei er dafür gereist, berichtet Wachholz. Sogar mit Bernard Adura, Ordenshistoriker der Prämonstratenser und Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, habe er gesprochen.

Durch persönliche Kontakte sei er auf die Prämonstratenser gestoßen, sagt Wachholz – unabhängig von deren Kloster oder Stift auf dem Heiligenberg, das schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts nicht mehr existiert. Aber es beschäftigt noch heute Historiker und Archäologen.

Über persönliche Kontakte habe er den Generalabt Thomas Handgrätinger für die Jubiläumsfeierlichkeiten gewonnen, so Wachholz. „Ich habe ihn sogar vom Flughafen abgeholt, aber zum offiziellen Essen hat man mich nicht eingeladen“, klagt er. Das jedoch konnte durch Gespräche geheilt werden, er saß schließlich mit am Tisch.

Doch dass die Kommune sein Buch nicht so gewürdigt habe wie das von Professor Bernd Ulrich Hucker, Hartmut Bösche und Stefan Eick („Von Wernigerode nach Heiligenberg“), kann Wachholz nicht akzeptieren: „Ich bin dazu ermuntert worden, es zu schreiben, und habe sehr viel Zeit, Kraft und Geld in die Forschungsarbeiten investiert.“ Er sei journalistisch vorgegangen, betont der 75-Jährige, „ich habe die unterschiedlichen Auffassungen zur Geschichte nebeneinandergestellt.“ Auch, dass er zum internen Vortragsabend des Symposiums Heiligenberg Anfang des Monats als Autor und Hobby-Historiker keinen Zugang erhalten hatte, wurmt Wachholz. Veranstalter war in diesem Fall die Universität Vechta.

Verwaltungschef und Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Bormann bedauert indes den Rücktritt des Gästeführers. Es sei nicht so, dass man die Arbeit von Hans-Jürgen Wachholz nicht schätze. Im Gegenteil: „Er hat hervorragende Arbeit am und rund um den Heiligenberg geleistet.“ Es handle sich um Missverständnisse, die er gerne im persönlichen Gespräch mit ihm klären würde.

Es sei Ratsbeschluss gewesen, „Von Wernigerode nach Heiligenberg“ zum offiziellen Jubiläumsbuch zu erklären, so Bormann, „weil es die derzeit aktuelle Lehrmeinung vertritt“. Falls der Eindruck entstanden sei, die Arbeit von Wachholz werde nicht geschätzt, „dann bedauere ich das sehr“.

Hans-Jürgen Wachholz will alle vereinbarten Führungstermine noch wahrnehmen und weiterhin Besuchern die Historie des Heiligenbergs erläutern – aber nur noch im Auftrag von Forsthaus-Chefin Adelheid Brüning.

Kommentar

Redet konstruktiv miteinander 

Von Anke Seidel 

Es ist das bittere Ende einer langen Geschichte: Ein ehrenamtlicher Gästeführer und Autor wirft im Frust das Handtuch, weil er sein Engagement nicht gewürdigt sieht. Mehrfach. Muss das sein? Ehrenamtliche sind das Rückgrat dieser Gesellschaft – und brauchen vor allem eines: Anerkennung. Dass es in diesem Fall um eine Geschichte geht, deren Realität schon im 16. Jahrhundert mit der Aufhebung und Zerstörung des Prämonstratenser-Stifts oder -klosters Heiligenberg endete, macht die Sache nicht leichter. Das Ungleichgewicht zwischen Wissenschaft und Hobby-Forschung noch viel weniger. Gleichwohl sollten sich alle Beteiligten Mühe geben. Denn sind es nicht das Unausgesprochene und die zwangsläufig unterschiedlichen Interpretationen, die am Ende für – manchmal verhängnisvolle – Missverständnisse sorgen? In jedem Fall gilt: Redet konstruktiv miteinander. Das Ehrenamt braucht Lust statt Frust.

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